Solar Water Disinfection

Sauberes Trinkwasser, das "cool" ist

Maria Kapeller, 26. Mai 2010, 16:55
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    Die UV-Strahlen der Sonne entkeimen verschmutztes Wasser. Das neu entwickelte Gerät misst die Werte und zeigt an, wenn das Wasser trinkbar ist.

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    Es heißt "wadi", soll zu Beginn zwischen fünf und sieben Euro kosten und noch in diesem Jahr auf den Markt kommen; Abnehmer dürften vor allem NGOs sein.

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    Martin Wesian hat Gerät zur Trinkwasseraufbereitung im Rahmen seiner Diplomarbeit entwickelt und nun eine Firma gegründet, um es zu vermarkten.

Wie ein Vorarlberger der Bevölkerung in Entwicklungsländern helfen will, verkeimtes Wasser zu desinfizieren

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass nur 60 Prozent der Weltbevölkerung dauerhaft mit Wasser versorgt sind. 884 Millionen Menschen trinken verschmutztes Wasser, mehr als ein Drittel davon lebt im südlichen Afrika. Pro Jahr sterben weltweit 1,5 Millionen Kinder an Krankheiten, die auf verunreinigtes Wasser zurückzuführen sind.

Ein einfaches Verfahren, Trinkwasser zu desinfizieren gibt es bereits: Verkeimtes Wasser wird in eine durchsichtige Plastikflaschen gefüllt und einige Stunden lang an die Sonne gelegt. Die UV-Strahlen der Sonne töten dabei jene Krankheitskeime ab, die zu lebensbedrohlichen Durchfällen oder anderen Krankheiten führen. Die Methode nennt sich SODIS (Solar Water Disinfection) und wird bereits von über drei Millionen Menschen in Entwicklungsländern, allen voran in Afrika sowie Teilen Lateinamerikas und Asiens, verwendet.

Konzept erweitert

"Das Problem dabei ist die Akzepanz der Menschen", sagt der Vorarlberger Martin Wesian über diese Art der Trinkwasseraufbereitung. "Sie wissen oft nicht, ob das Wasser auch wirklich schon entkeimt ist und können nicht glauben, dass die Methode funktioniert - sie ist aber durch mehrere Studien wissenschaftlich fundiert." Der 35-jährige Vorarlberger las vor einigen Jahren über SODIS und welche Schwierigkeiten damit verbunden sind - und entwickelte das Konzept selbst weiter.

UV-Strahlung der Sonne

Die neue Methode: Die Wasserflasche wird nicht mehr einfach nur in die Sonne gelegt, sondern man schraubt ein kleines Gerät namens "wadi" an den Flaschenhals an. Darin befindet sich eine solarbetriebene Elektronik, ein Sensor misst die relevante UV-Strahlung und ermittelt einen genauen Wert bis zur Desinfektion. "So wird berücksichtig, dass die UV-Strahlung unter bestimmten Umständen höher beziehungsweise geringer ist", sagt Wesian. Ein Smiley am Display zeigt an, wenn das Wasser tatsächlich entkeimt ist.

Weniger Brennholz

Er attestiert dem Gerät eine Haltbarkeit von rund fünf Jahren. Es sei einfach zu handhaben, mehrere Personen könnten sich ein "wadi" teilen, außerdem sei es möglich, bei Bedarf mehrere Flaschen nebeneinander zu legen. Positiver Nebeneffekt: "Die Co2-Emissionen werden reduziert, weil die Menschen weniger Feuerholz für das Abkochen von Wasser brauchen."

Zusammenarbeit mit ETH Zürich

Wesian studierte an der Fachhochschule Technikum Wien Wirtschaftsingenieurwesen und entwickelte das Projekt gemeinsam mit der ETH Zürich im Rahmen seiner Diplomarbeit. Die mikrobiologischen Tests und das Kalibrieren des Geräts werden in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule durchgeführt. "Wir sind außerdem mit einem Labor der WHO im Gespräch, um das 'wadi' zertifizieren zu lassen", sagt der 35-Jährige, der für die Umsetzung des Projekts seine eigene Firma "Helioz" gegeründet hat. Unterstützung gab es auch vom universitären Gründerservice INiTS, die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) hat eine Förderung zugesagt.

Kosten: fünf bis sieben Euro

Der Markteinstieg ist für Mitte oder Ende des Sommers geplant, zu Beginn sollen 100.000 Stück produziert und zu einem Kauf von fünf bis sieben Euro verkauft werden. Als Abnehmer kommen NGOs (Nicht-Regierungsorganisationen) und Vertriebspartner vor Ort infrage. Als dritte Möglichkeit sollen Unternehmen die Geräte kaufen und dafür ihr Logo darauf platzieren können. "Einerseits um durch eine Spende das Image der Firma zu stärken, andererseits als Werbeeffekt vor Ort, zum Beispiel für Produkte wie Mobiltelefone, die in Afrika sehr beliebt sind", erklärt Wesian.

Energy Globe Austria Award

Der in Wien lebende Vorarlberger erhielt im November 2009 für sein Projekt den "Energy Globe Austria Award" und wurde als Gast zum Welt-Award eingeladen. Dieser wird am 3. Juni in Ruanda verliehen und ist zugleich die Eröffnungsveranstaltung des UN-Weltumwelttages.

Zeichen für Armut

Schmutziges Trinkwasser kann neben lebensbedrohlichem Durchfall zu Krankheiten wie Typhus, Cholera oder Ruhr führen. "Die Hälfte der Krankenhausbetten in den Entwicklungsländern ist belegt, weil Menschen nicht-desinfiziertes Wasser getrunken haben", sagt Wesian. Einfache Geräte zur Trinkwasseraufbereitung seien aber ein Zeichen für Armut. "Wir wollen das durchbrechen und erreichen, dass es 'cool' wird, so ein Gerät zu haben." (Maria Kapeller, derStandard.at)

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NaWostNetSogst
00
18.6.2010, 17:14

Tolle Idee, aber gegen ein anderes großes Problem nutzt es nichts. PARASITEN! Die können auch extremen Schaden anrichten. Da hilft dann wieder nur abkochen!
Trotzdem eine sehr nützliche Erfindung!

Nur ein toter Keim ist ein guter Keim ;)

Raubkopierer
00

ich würd mir sowas glatt zum kampieren in kamtschatka zulegen...

cleanwater
00
31.5.2010, 17:14
trinkwasser als menschenrecht?

Bin gerade am recherchieren zu der Frage.

Eine Sammlung des bisher Gefundenen:

http://clean-water-4-all.blogspot.com/

natürlich bin ich für Vor- und Ratschläge immer offen.

Woodpecker
00
30.5.2010, 09:40
Langzeit-Sterilisation inklusive?

Nach http://www.tagesschau.de/inland/wa... en100.html und wie schon länger bekannt, ist Wasser aus PET-Flaschen deutlich mit östrogen-ähnlichen Stoffen aus Weichmachern belastet.
Wird nun Wasser in der Hitze der Sonne mehrere Stunden in solchen Flaschen aufbewahrt, können die Laborwerte wohl nochmal deutlich überschritten werden. Haben Sie auch schon mal die gestapelten Flaschenkästen hinter dem Supermarkt bei Sonnenschein etwas kritischer betrachtet?

Klar, die Methode ist einfach, überall praktizierbar wo Sonne vorhanden, und verbessert einfach die Chance, zu überleben.
Jemand, der schon vorher an Cholera etc. stirbt, kann auch keine Kinder mehr bekommen/ernähren.
Trotzdem ist Vor- ... oder Absicht? das Gebot der Stunde.

graf wachibald
00
28.5.2010, 11:07
interessant, dennoch

doch kann man wasser entwässern, um reines wasser aus wasser zu entwassern? es ist als seien äpfel fahrräder nur mit einem Buch anstelle der Gangschaltung

Thralia
00
27.5.2010, 18:09
Gute Idee, aber...

...funktioniert nur, wenn das verwendete Wasser auch ausreichend UV-Durchlässig ist.

Verstehe ich das richtig: Der Aufsatz misst die UV-Strahlung außerhalb der Flasche...right?

Wenn nun der Aufsatz anzeigt, dass eine Exposition von 4 h notwendig ist, um das Wasser zu desinfizieren... von welcher UV-Durchlässigkeit geht dieser dann aus?

Es besteht ein großer Unterschied darin, ob man klares Wasser mit etwa 90% UV-Durchlässigkeit oder leicht trübes Wasser mit gerade mal 5% UV-Durchlässigkeit verwendet. Die notwendige Expositionsdauer würde sicher stark ansteigen.

Ich halte es an sich für eine gute Idee, hoffe aber, dass dies ausreichend berücksichtigt wurde und die Anwender entsprechend gut über das Gerät informiert werden.

rudolf schladming
 
00
27.5.2010, 18:35

ist die eindringtiefe von uv-strahlen nicht generell recht gering sodass nur die keimzahl im oberflächennahen wasser an der seite der flasche reduziert wird die der sonne direkt zugewandt ist?

Thralia
01
27.5.2010, 20:54

Das hängt ganz vom Wasser ab. Bei klarem Wasser könnte die Strahlung 10-20 cm oder tiefer ins Wasser eindringen. Sobald das Wasser jedoch getrübt ist, und damit meine ich wirklich nur eine schwache Trübung, würde, wie sie sagen, wohl eher nur der obere Bereich ausreichend desinfiziert werden.

Und nach kurzer Zeit werden sicher viele eine 2-Liter Flasche oder einen Kanister hernehmen, weil ihnen der Liter am Tag zu wenig ist. Und zack wär die Wirkung wieder dahin.

Irgendwie würde daher ich der Variante Abkochen oder Chlorieren vor Ort auch etwas mehr Vertrauen schenken.

Leech
11
27.5.2010, 17:20
Die Co2-Emissionen werden reduziert, weil die Menschen weniger Feuerholz für das Abkochen von Wasser brauchen.

Na endlcih!!!! jetzt wissmas!!!

Es Afrikanische Feuerholz is schuld am Klimawandel!



boah wie kama soan schmarrn schreiben....

C J
01
27.5.2010, 15:43

ich versteh das so, dass es ein etwas teurerer timer in schöner verpackung ist. denn die arbeit erledigt weiterhin die sonne.

oder seh ich da was falsch?

another_stranger_me
00
27.5.2010, 20:45

ja, sie scheinen tatsächlich zu schielen

es sei denn, ihr timer richtet sich auch nach der einfallenden uv-strahlung ...

karakal
11
27.5.2010, 13:54
Für alle Klugscheißer...

http://www.sodis.ch/index

hulkjr
00
29.5.2010, 09:29
danke den link hab ich gesucht

AntisozialdemokratInnen
11
27.5.2010, 11:42
das system PET hilft gegen bakterien. toll.

das war es aber auch schon. sporen werden davon unbeindruckt auf ihre keimung warten. bakterienreste werden trotzdem im wasser nachzuweisen sein und sind oft schlimmer (weil toxisch) als das entsprechende bakterium selber.

ich gebe, es funktioniert wahrscheinlich gut, das PET system, aber es gaukelt auch eine trügerische sicherheit vor.

johnnycash
 
00
27.5.2010, 12:33

"Die UV-Strahlen der Sonne töten dabei jene Krankheitskeime ab, die zu lebensbedrohlichen Durchfällen oder anderen Krankheiten führen."

Niemand sagt, dass das Wasser nachher steril ist.

TL1972
00
27.5.2010, 12:47

Wurde das schon mal ausreichend getestet? Bzw. ausreichend belegt?
Gilt das für alle PET-Flaschen? (Wandstärken, Einfärbungen, Etikettierung, usw.)
Wird dann mit dem Mund aus diesen Flaschen getrunken?
Da fallen mir spontan noch viele Fragezeichen ein....

johnnycash
 
01
27.5.2010, 14:00
*gähn*

Steht doch eh im Artikel... Ansonsten:

http://scholar.google.pt/scholar?h... fection%22

TL1972
00
27.5.2010, 14:32

;-) ja ja.... passt schon....

klar doch.... gute Nacht und schalf gut ;-)

Zinnmo
 
00
27.5.2010, 13:05

Ja, das wurde ausreichend getestet. Es funktioniert. Man verwendet klare Flaschen ohne Etikett.

Es wird hier kein trübes Schmutzwasser verwendet, sondern Wasser, das dem Augenschein nach schon sauber ist. Die Reiningungswirkung ist nicht nur durch die UV-Strahlung sondern auch durch die Erwärmung des Wassers gegeben. Wenn so eine Flasche einen Tag auf einem Dach liegt, wird der Inhalt leicht mal 60° warm. Das reicht für eine Pasteurisierung.

TL1972
00
27.5.2010, 14:37

aha.... ja dann... ;-)

Spanky Ham
02
27.5.2010, 10:31

ansich eine praktische sache. nur warum muss/kann ich das teil überhaupt draufschrauben, wenn es den flascheninhalt eh nicht misst?
das könnte zu missverständnissen führen und die leute denken nur die flasche mit aufgeschraubten wadi ist sicher desinfiziert.

Psychedelic Brain
00
28.5.2010, 08:15

weil das teil meiner meinung nach ein m... ist.

TL1972
11
27.5.2010, 12:40

Das Gerät ist mir auch nicht ganz klar.... vorallem wenn man so etwas ggf. auch mit einem UV-Indikator (Aufkleber) messen könnte, was ca. genauso sinnig ist aber ca. 35-70Cent kosten würde?

Da würde es den Menschen schon mehr helfen, wenn man einen simplen TEST-Streifen entwickelt der ähnlich API-Bunte Reihe die Quali des Wasser, beurteilen hilft... bzw. über Handy CAM ausgelesen werden könnte... ;-)

OriT_22
00
27.5.2010, 16:34

na wahrscheinlich weil man den teststreifen nachher WEGWERFEN muss und man dieses teil ÖFTER verwenden kann.
und mit bunten lamperln kann jeder feststellen, ob es schon entkeimt ist.

TL1972
00
27.5.2010, 17:20

okay... na dann hoffen wir das diese Teile den jeweiligen Umwelt Bedingungen (wo sollten die nochmal eingesetzt werden) standhalten und nicht schon nach ein paar härteren Behandlungen in die RECYCLINGTONNE WANDERN MÜSSEN.... oder gibt`s die da garnicht???? Vielleicht werden die Teile ja dann kostenlos immer ausgetauscht... wer weiss?


aber..... nichts desto trotz.... wünsche ich dem Herr Wesian, dass sein Geschäft aufgeht... geben tuts da ja schon jede Menge super Sachen....

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