Natur und Kultur - zwei Seiten einer Medaille?

16. Mai 2010, 17:23
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    foto: reuters/alvarado

Die kulturellen Funktionen von Ökosystemen und Biodiversität

Themen wie "Instandhaltung der Ökosysteme" oder "Verlust der Artenvielfalt" sind besonders heuer, im internationalen Jahr der Biodiviersität, in aller Munde. Was aber hat der Verlust der Biodiversität mit der menschlichen Kultur zu tun?

Die biologische Vielfalt bildet die Grundlage menschlichen Lebens, hängt doch unsere Ernährung, unsere Gesundheit, unser Wohlbefinden und unser Wohlstand zu einem beträchtlichen Teil davon ab, was uns die Natur durch die verschiedenen Ökosysteme (Lebensräume wie Wasser, Wald, Wiesen, etc.) zur Verfügung stellt. Ökosysteme haben verschiedene "Leistungen", verschiedene "Funktionen", die dem Menschen zu Gute kommen. So haben sie beispielsweise versorgende Funktionen, (Bereitstellung von Nahrung, Wasser, etc.), regulierende Funktionen (Klimaregulierung, Wasserregulierung, Wasserreinigung, etc.), stützende Funktionen (Bodenbildung, Nährstoffkreislauf, etc.) und kulturelle Funktionen (Erholung; ästhetische, spirituelle oder religiöse Werte, etc.).

Ökosysteme und Kulturlandschaften

Der Begriff "Kulturlandschaft" bezeichnet die durch den Menschen geprägte Landschaft. Faktoren, die für die Entstehung und Entwicklung der Kulturlandschaft von Bedeutung sind, sind die Beschaffenheit des Naturraums, die ursprüngliche Fauna und Flora sowie die menschlichen Einflüsse und die daraus resultierenden Wechselwirkungen.

Wesentliche Einflussfaktoren auf die Gestalt(ung) einer Kulturlandschaft sind somit auch die wirtschaftliche und siedlungsmäßige Nutzung der ursprünglichen Naturlandschaft, sowie die damit einhergehende Ausbildung des Verkehrsnetzes. Die Kulturlandschaftsforschung beschäftigt sich mit den unterschiedlichsten Ansätzen und Methoden, wie Kulturlandschaften entstehen bzw. erhalten und geschützt werden können. Mit unterschiedlichen Forschungsansätzen werden zahlreiche Forschungsziele verfolgt, wie z.B.: Sicherung und Wiederherstellung der Funktionsfähigkeit/Multifunktionalität der Kulturlandschaft, Evaluation und Entwicklung von Strategien zur Bewältigung von Nutzungskonflikten, Sicherung der Existenzgrundlage und der Lebensqualität der ansässigen Bevölkerung auf Basis der Prinzipien der Umwelt- und Sozialverträglichkeit, Sicherung biotischer und abiotischer Ressourcen sowie landschaftsökologisch oder kulturgenetisch bedeutsamer Flächen und Elemente, etc.

In Kulturlandschaften ist Wissen auf verschiedenen Eben verfügbar. Zum Einen gibt es das traditionelle Wissen von indigenen und ortsansässigen Gemeinschaften. Die Nationalagentur für das immaterielle Kulturerbe beschreibt traditionelles Wissen als "... ein Wissen [...], das über mindestens drei Generationen oder etwa 75 Jahre weitergegeben, erhalten und dabei auch verändert wurde." Zum Anderen gibt es in einer Kulturlandschaft auch "lokales Wissen", also an einen Ort, eine Lokalität oder eine Region gebundenes Wissen. Beide Wissens-Formen können einen essentiellen Beitrag für den Erhalt und die nachhaltige Nutzung der Pflanzen- und Tierwelt leisten. Somit haben diese indigenen und ortsansässigen Gemeinschaften ähnlich wie die Landwirtschaft eine bedeutende Rolle in der Verantwortung gegenüber dem Erhalt des natürlichen Lebensraumes.

Österreich ist sehr aktiv in der Erhaltung und im Schutz dieses traditionellen bzw. lokalen Wissens, was sich durch zahlreiche Aktivitäten äußert, wie z.B. Genuss Regionen Österreich, Slow Food Austria, vielfaltleben, Arche Noah und viele mehr.


Die kulturellen Funktionen von Ökosystemen und Biodiversität sind Thema des Monats April 2010 im Internetportal




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Autorin: Mag. DI Sigrid Grünberger, www.seri.at. Recherche und Aufbereitung im Auftrag des Lebensministeriums, Abteilung II/3 Nachhaltige Entwicklung und Umweltförderpolitik.

Direkt-Link zum Monatsthema 4/2010
(mit Text-Vollversion und weiterführenden Informationen)

Im Dialog des Monats 4/2010 finden Sie eine große Bandbreite an Statements von ExpertInnen, die das Thema aus den verschiedensten Blickwinkeln betrachten.

Person des Monats 4/2010 ist Barbara van Melle (Slow Food Austria).

Kommentar posten
22 Postings
wero2
00
permakultur

an den grenzen zwischen den lebensräumen ist die größte lebensdichte,
lebensraum österreich und andere dürften auch über die kommerziellen interessen am LEBEN interessiert sein.
menschen halt-

phaidros
01
20.5.2010, 16:01

"Österreich ist sehr aktiv in der Erhaltung und im Schutz dieses traditionellen bzw. lokalen Wissens, was sich durch zahlreiche Aktivitäten äußert, wie z.B......"

naja, ist ja nett, dass es so um die 5-10 vorzeige-aktivitaeten gibt, nur waere auch ganz gut dazuzusagen, dass eben die der grossen mehrheit, die die kulturlandschaft praegen, voellig egal sind.

der klassische bauer duengt und spritzt, dass es nur so dampft, damit er seinen kurzfristigen monokulturellen ertrag recht hoch haelt. und es gibt nicht einmal eine einzige politische initiative aus dem sogenannten "lebensministerium", die das zu unterbinden imstande ist.

"Die biologische Vielfalt bildet die Grundlage menschlichen Lebens," - schon lange nicht mehr.

WinstonSmith
00
17.5.2010, 13:51
Natur- vs Kulturlandschaft

Dazu muss man sagen, dass in Österreich so gut wie jeder Quadratmeter aktiv vom Menschen verändert wurde. Land- und Forstwirtschaft haben die Landschaft geprägt. Nur in Naturschutzgebieten gibt es noch mehr oder minder reine Naturlandschaften.

Man kann sich das gar nicht wirklich vorstellen, aber jeder Wald und jede Wiese sind bewusst vom Menschen beeinflusst worden. Jede Kulturlandschaft, auch wenn sie nicht so aussieht, ist künstlich geschaffen worden.

Einen Hausgarten würde auch niemand als "naturbelassen" bezeichnen.

epep
00
17.5.2010, 15:06
was ist auch schon "natur"?

als natur wird das empfunden was uns umgibt, zu dem ich aber keine nähere beziehung habe. so ist der fuchs einmal "natur" und ein anderesmal, wenn ich ihm als kleiner gefunden habe und grossgezogen habe, ein wesen, mit dem ich in sozialen kontakt stehe, aber sicherlich nciht mehr "natur".
wenn ich eine eiche gross ziehe, habe ich selbst zu dem eine andere beziehung (und er ist in dem sinne nciht mehr "natur") als wenn ich einer eiche in einem wald begegne, dort wo ich eben definiere das "natur" ist.

so gilt es zwischen "natur" und sozialem gefuege zu unterscheiden. sobald ich einen sozialen kontakt aufbaue, verschwindet der begriff "natur". natur ist das umgebende, nciht definierte.

phaidros
00
20.5.2010, 16:04

"natur" ist lateinisch und heisst "das gewordene". eben nicht das umgebende. sie und ich und wir alle sind genauso geworden und damit natur und nicht, wie etwas kulturelles, designt und konstruiert worden.

dieser voellig fehlgeleitete begriff der "natur" in der philosophie und in den geisteswissenschaften ist mir immer schon ein raetsel gewesen.

WinstonSmith
01
17.5.2010, 16:00
das denke ich auch

allerdings habe ich in meinem Posting hervorstreichen wollen, dass auch die Eiche, der sie im Wald begegnen von jemand anderen großgezogen wurde, der eine Art sozialen Kontakt mit ihr hat. Somit ist das was Sie als Natur bezeichnen für einen anderen (Förster, Landwirt) ein Werkstück kulutreller Entwicklung. Also keine "Echte Natur" mehr. Keine unberührte Natur.

epep
00
17.5.2010, 16:15
ja, natur stellt somit für unterschiedliche menschen unterschiedliche dinge da.

für mich ist die lobau schon "natur", für einen förster eben ist es "sein" wald, den er inundauswenig kennt (vielleicht sogar als sein zuhause empfindet ;-)).

gastrosoph
00
17.5.2010, 15:19
Ja dann...

lebens weiter in Ihrer virtuellen Welt, in der Sie wirklich sind, nicht aber real - denn letzteres ist die Natur - die organische wie die anorganische.

epep
00
17.5.2010, 15:24
haben sie mein posting gelesen und auch verstanden?

hier gehts nicht um realität oder virtualität, wenn sie meinen das herausgelesen zu haben, dann bitt ich sie das nochmals zu lesen.

hier gehts darum die begriffe wie "natur" zu definieren. denn nach ihrer sehr schwammigen definition ist mein computer auch "natur". auf diese definition können wir uns einige, aber sie sagt nicht sehr viel aus.
warum ist meine krähe, die ich grossgezogen habe, ein wesen mit dem ich im sozialen kontakt stehe und eine andere krähe in "frier wildbahn" für mich die umgebende natur (wenn sie mir mit an- und organischer chemie kommen, dann sind wir wieder bei meinem computer).

als ich bitt sie, bevor sie vorschnellposten, lesens doch wenigstens ein zweitesmal..

gastrosoph
01
17.5.2010, 07:19
Dualistische

Betrachtungsweise. Solang man Natur und Kultur nicht auseinander dividiert, sondern als eine dialektische Dimension begreift, solang erhält der Mensch nie eine friedliche Beziehung zur Natur.

phaidros
00
20.5.2010, 16:17

solange man sie _nicht_ auseinander dividiert? genau das ist aber dann dualismus, oder?

epep
10
17.5.2010, 15:12
definieren sie mal natur..

..und wenn sie mir jetzt mit "bäume da draussen kommen", haben sie da was grundsätzlich nicht verstanden. natur und kultur sind zwei untershciedliche dinge.

zurück in philosophie-vorlesung, 1. semester.

gastrosoph
00
17.5.2010, 15:45
Ah,

über das erste Semester sind Sie scheinbar nicht hinausgekommen oder definieren Sie sich selbst als nicht der Natur zugehörig? Etwa immateriell? Und kommen Sie mir jetzt nicht mit Geist oder Psyche und so - das wäre schon 5. Semester Philosophie... und die Vorstufe zum anerkannten Ministranten in post-pubertärem Alter. Auch wenn der sehende Mensch alles in Farbe sieht, ist die Realität trotzdem schwarz-weiß.

epep
00
17.5.2010, 15:53
nochmals: lesen sie gefälligst mein posting! und wenn sie es nicht verstehen, fragen sie nach. aber lassen sie gefälligst dieses präpotente gehabe.

hier gehts nicht um realität oder virtualität. natürlich lebe ich in iner realen welt, sonst wäre ich nicht physiker. ;-)

nur ist es doch offensichtlich, das wenn wir ihrer definition von natur folgen (an- und organische chemie), das da alles darunter fällt, sowohl pflanzen, wald als auch computer.
nur ist es genauso offensichtlich,d as der mensch andere kategorien verwendet, so ist ein iltis den ich als haustier habe, etwas anderes als ein iltis der in der freien natur lebt. wenn ich diesen sehe, ist er teil der mich umgebenden natur. während ich mit meinem haustier in einer sozialen interaktion stehe. siehe den biologen maturana.

also denkens vorher nach und lesens vorher nochmal, absurd ihre diskussion.

phaidros
00
20.5.2010, 16:14

warum sollte der iltis in der sogenannten "freien natur" (so etwas gibt es und gab es nie) etwas anderes sein als der iltis als haustier?
das in-interaktion-stehen allein kann den unterschied nicht ausmachen. der freilebende iltis steht genauso in sozialer interaktion - mit seinen artgenossen und mit anderen tieren seines lebensraums.
ich sehe da den unterschied nicht. dass er fuer mich selber bestehen mag, ok, aber das ist nichts weiters als eine funktion, keine definition.

gastrosoph
00
17.5.2010, 16:52
Der Physiker und seine Haustiere

Habe gar nicht gewusst, dass andere Tiere als der Mensch auch Kategorien verwenden... Nach Ihrer Definition ist eine Weide in der Lobau eine andere als etwa in der Wachau... Ein Mensch an sich im 8. Bezirk ein anderer als der im 1. Bezirk? Wollen Sie auf den Faktor der sozialen Umgebung - für sich - hinweisen oder auf Gemeinsames als Naturwesen? Ihr Denken ein anderes als das meinige? Sie bringen hier Ursache und Wirkung durcheinander, machen gar zweiteres zur Ersteren. Na dann viel Spaß in Ihrer sozialen Interaktion mit anderen Lebewesen. Ich hoffe, Sie sind nicht verheiratet oder ähnliches... Und wo Natur frei oder unfrei ist, ja, das wäre ein Thema für die Philosophie im 16. Semester - für die Physik, wenn die nicht mehr weiterkommt.

epep
00
18.5.2010, 12:58
ich bitt sie nochmasl nachzulesen oder nachzufrage.

ich habe niemals geschrieben das eine weide auf unterschiedlichen punkten nicht mehr in die kategorie "weide" hineinfällt (und eindeutig formuliert, natürlich ist die weide in der lobau etwas anderes als in der wachau, sind ja zwei unterschiedliche bäume - aber das meinten sie wahrscheinlich nicht).

was ich gemeint habe ist, das der mensch seine umwelt in kategorien einteilt, er behandelt dinge anders mit denen er im sozialen kontakt steht als dinge die ihm einfach umgeben. haustiere sind das beste beispiel.

und damit beende ich die diskussion, wenn sie nciht gewillt sind auf postings einzugehen oder diese zumindestens zu lesen.

gastrosoph
00
18.5.2010, 13:36
Da gebe ich Ihnen Recht,

ohne Recht zu sprechen, auch nicht als Individuum einer anderen sozialen Kategorie als die ihriger Herkunft. Nur eines noch, mit der Aussage eines Wissenschaftler, der Ihnen ja nicht fremd ist, Albert Einstein: Vorurteile sind schwieriger zu zerteilen als ein Atom. Und die moderne Gehirnforschung kommt zum selben Ergebnis. Das zu Ihrem Stichwort Kategorien.

epep
10
18.5.2010, 14:39
da sie ja doch einen interessanten punkt aufgreifen..

..da haben sie recht, mit dem zitat. aber kategorien sind immer konstrukte. mögen physikalische eigenschaften absolut sein (und selbst da gibt es ja selbst unter rationalistInnen einen streit), so sind die kategorien nach denen der mensch einteilt immer willkürlich.
zb teil der mensch jeden baum, der einen stamm aufweist, äste, krone, etc unter die kategorie bäume ein, obwohl es ganz unterschiedliche baumarten gibt. und mag die moderne wissenschaft diese kategorien rationalisieren und die zugehörigkeit anhand von genen feststellen, so wird der einzelne mensch, in seiner alltagssprache, doch immer nach willkürlichen kategorien einteilen (und eben nciht streng wissenschaftlich kategorisieren).

gastrosoph
01
18.5.2010, 20:25
Und Sie als Physiker

entlassen den Mensch aus seiner physikalischen Realität wie Verantwortung? In welche Sphäre? In eine metaphysische oder in ein gedankliches Konstrukt? Verbale Sprache wie Begriffe, Kategorien, Deutung, Ästhetik sind Analogien, mehr nicht... um sich miteinander zu verständigen. Eines bleibt uns allen Menschen gemein: Es zu können... Das Wollen ist wieder eine andere Frage. Das Tier 'ist' - der Mensch 'wird', ohne das Tier in sich aufgeben zu können... Beide Zustände stellen kein Widerspruch dar, sondern sind eine Konsequenz der Evolution, ohne dabei diese als geglückt zu bezeichnen. Aber wer weiß, was noch kommt... Wir beide werden es ohnehin nicht mehr erleben.

palmer_eldritch
00
17.5.2010, 10:36
Das haben Sie andersrum gemeint,

oder?

gastrosoph
00
17.5.2010, 11:01
Andersrum?

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