Zu viel der Sensibiltät

  • Den Sensoren im Beifahrersitz ist es egal, ob eine Handtasche oder ein Beifahrer drauf sitzt.
    foto: guido gluschitsch

    Den Sensoren im Beifahrersitz ist es egal, ob eine Handtasche oder ein Beifahrer drauf sitzt.

Moderne Technik kann sehr komfortabel sein. Aber auch anstrengend. Unlängst wurde sie Luise Ungerböck richtiggehend zur Last

Moderne Technik kann sehr komfortabel sein. Aber auch anstrengend. Als mir der Kollege unlängst übers Wochenende ein Cabrio (die Type tut nichts zur Sache) überließ, wurde sie mir richtiggehend zur Last.

Also, ich steige in das Freiluftauto, das eher in die Kategorie Damenfahrrad gehört, ein und mache es mir gemütlich. Sitze positionieren, Lenkrad tiefer stellen, Handtasche stabil auf den Beifahrersitz und los geht's.

Mitnichten. Kaum die ersten 50 Meter zurückgelegt, beginnt das Gefährt zu miepen. Und ich zu suchen. Sicherheitsgurt angelegt? Ja, natürlich! Heckklappe offen? Fehlanzeige. Andere Tür offen? Auch nicht. Leicht enerviert halte ich erneut an. Alles abschalten, Neustart. Es piepst enervierend.

Also: Handschuhfach auf, ein Kilo Bedienungsanleitung heraus. Grundloses Dauermiepen? Fehldiagnose. "Grundlos" ist ebenso wenig eine technische Krankheit wie "Daueralarm". Die kurz vor dem Nervenzusammenbruch – ich sollte in zehn Minuten bei einem Termin sein – angedachte Therapie "Ignorieren" verwerfe ich rasch. Man weiß ja nie, Rache der Technik und so.

In der nun folgenden Nachdenkpause (soll ich Kollegen A. anrufen und mich blamieren?) nehme ich meine Tasche, suche das Handy heraus, knalle den wie immer übergewichtigen Beutel zornig auf den Boden und starte erneut. Siehe da: Der Motor schnurrt, nichts miept.

Ein Glück, dass ich nicht angerufen habe, der Kollege hätte mir gesagt, dass Handtaschen sensortechnisch Beifahrer sind und angegurtet werden wollen. Ein bissl viel der Sensibilität, finden Sie nicht? (Luise Ungerböck/DER STANDARD/Automobil/14.5.2010)

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