Debüt-Roman gewinnt den Nebula Award

16. Mai 2010, 16:18
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Paolo Bacigalupis "The Windup Girl" ausgezeichnet - weitere Preise unter anderem für Kage Baker und den Film "District 9"

Los Angeles - Höhepunkt des jährlichen "Nebula-Banketts" der Science Fiction and Fantasy Writers of America (SFWA) - heuer von 14. bis 16. Mai in Cape Canaveral abgehalten - war wie üblich die Bekanntgabe der Nebula Awards: Immerhin handelt es sich dabei neben dem Hugo um den weltweit renommiertesten Preis für Phantastik-Literatur. Und wenn im vergangenen Jahr, als Star-Autorin Ursula K. Le Guin ausgezeichnet wurde, die "Young Adult"-Schiene etwas überrepräsentiert war, so zeigte sich die heurige Auswahl deutlich erwachsener. Den prestigeträchtigen Preis für den besten Roman erhielt der US-Autor Paolo Bacigalupi für sein Debüt "The Windup Girl".

Die nominierten Romane

Bacigalupi ist den klassischen Weg gegangen: Zunächst hat er eine Reihe von Kurzgeschichten geschrieben; eine der entworfenen Welten wählte er schließlich als Hintergrund für seinen ersten Roman. "The Windup Girl" handelt von einer nahen Zukunft, in der Konzerne versuchen, jegliche noch nicht auf Gentechnik basierende Landwirtschaft mit Designer-Krankheiten zu vernichten, insbesondere die ärmeren Länder der Welt werden zum Ziel ihrer Attacken. Schauplatz des düsteren Romans ist Thailand - eine ausführliche Rezension folgt in der nächsten Rundschau-Ausgabe Ende Mai.

Der aus Colorado stammende Jung-Autor, der auch in der Sparte "Best Novelette" nominiert war, hat sich damit gegen einige arrivierte Kollegen durchgesetzt - unter anderem China Mieville ("The City & The City"; erscheint im Herbst als "Die Stadt und die Stadt" bei Bastei Lübbe) und Jeff VanderMeer, der sich mit "Finch" einmal mehr in die Tiefen seiner pilzüberwucherten Stadt Ambergris (bzw. Ambra) begab, die schon Schauplatz der Romane "Stadt der Heiligen und Verrückten" und "Shriek" war. Weiters nominiert in der Romansparte waren der in Japan angesiedelte Mystery-Roman "The Love We Share Without Knowing" von Christopher Barzak, die im Alaska des 19. Jahrhunderts spielende und mit Zombies angereicherte Steampunk-Geschichte "Boneshaker" von Cherie Priest sowie "Flesh and Fire" von Laura Anne Gilman, der Beginn einer Fantasy-Trilogie mit bekannter Grundidee: Ein Jüngling unbekannter Herkunft wird sich seiner magischen Kräfte bewusst, die es gegen eine heraufziehende dunkle Bedrohung einzusetzen gilt ...

Weitere Preisträger

Einer der Preise für die Kurzformate musste posthum verliehen werden: Als beste Novelle wurde "The Women of Nell Gwynne's" von Kage Baker ausgezeichnet. Die US-Autorin, deren Zeitreise-Romane aus dem "Company"-Zyklus zum Teil auch auf Deutsch erschienen sind, ist im Jänner diesen Jahres an Krebs verstorben. Mit im Rennen waren auch große Namen wie John Scalzi oder Nancy Kress gewesen - nicht zu vergessen auch die hochkomische Godzilla-Satire "Shambling Towards Hiroshima" von James Morrow (hier der Rückblick). Im nächstkürzeren Format, der "Novelette", wurde Eugie Fosters "Sinner, Baker, Fabulist, Priest; Red Mask, Black Mask, Gentleman, Beast" ausgezeichnet, das sich um die - wörtlich zu verstehenden - Masken dreht, die Menschen jeden Tag anlegen, ehe sie sich unter andere begeben. Der Preis für die beste Kurzgeschichte schließlich ging an Kij Johnsons "Spar", die Schilderung einer intimen Begegnung der dritten Art zwischen einer Frau und einem Alien.

Der südafrikanische Science Fiction-Film "District 9" hat zwar nicht den Oscar gewonnen - beim gemeinsam mit den Nebulas vergebenen Bradbury Award für das beste Filmdrehbuch schlug er jedoch nicht nur "Avatar" aus dem Rennen, sondern auch die übrigen Nominierten "Star Trek", "Moon", "Up" und "Coraline".

Im Gefolge der Veranstaltung wurde außerdem eine Reihe weiterer Preise vergeben, darunter der Andre Norton Award für Young Adult-Werke aus dem Bereich Science Fiction und Fantasy (heuer für "The Girl Who Circumnavigated Fairyland In A Ship Of Her Own Making" von Catherynne M. Valente) und der Damon Knight Memorial Grand Master Award, mit dem heuer Science Fiction-Veteran Joe Haldeman ("Der ewige Krieg") für sein Lebenswerk geehrt wurde. (Josefson)

  • Paolo Bacigalupi: "The Windup Girl" (Nightshade Books 2009)
    coverfoto: night shade books

    Paolo Bacigalupi: "The Windup Girl" (Nightshade Books 2009)

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