Dänen trotz hoher Abgaben "glücklich"

16. Mai 2010, 12:27
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RLB-OÖ-General Scharinger sieht in den Dänen - mit einer Ab­gaben­last von 48,3 Prozent vor der Alpenrepublik - ein Vorbild für Österreich

Kopenhagen - Obwohl die Dänen mit 48,3 Prozent eine hohe Abgabenbelastung haben, bezeichnen sie sich in Umfragen als "glücklich". Sie könnten damit durchaus ein Vorbild für Österreich sein, dessen Abgabenbelastung mit 42,9 Prozent geringer ist. Das stellten die Teilnehmer des von Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl und Generaldirektor Ludwig Scharinger angeführten Raiffeisen Landesbank Oberösterreich Wirtschaftsforum bei einem Lokalaugenschein in Kopenhagen am Wochenende fest.

In Dänemark beträgt die Mehrwertsteuer einheitlich 25 Prozent. Autos sind mit einer "Registrierungsabgabe" belegt, wodurch der Neuwagenpreis bis zu 65 Prozent aus Abgaben und Steuern besteht. Zudem gibt es eine Erbschaftssteuer, die zwischen 15 und 36,25 Prozent liegt. Die Einkommenssteuer kann bis zu 59 Prozent erreichen, wobei aber Zinsen für Hausbau-Kredite steuerschonend wirken, was obendrein die Bauwirtschaft fördert. Die Lohnnebenkosten erreichen in Dänemark hingegen nur 22 Prozent, gegenüber 40 in Österreich. Die Dänen bekommen für ihre Steuern eine hohe soziale Sicherheit: Ausbildung und Gesundheitsversorgung sind gratis, wobei letztere nach Auskunft von Patienten nicht die Qualität der österreichischen erreiche.

Weniger jammern

Scharinger verwies auf die höhere Abgabenbelastung in Dänemark und dass Österreich in der Liste der reichsten Länder sogar einen Platz vor Dänemark liege und stellte fest: "Wir jammen auf hohem Niveau". Die Österreicher sollten glücklicher werden und weniger jammern. Leitl und Scharinger sehen Dänemark auch sonst als Vorbild. Dessen System der "Flexicurity" biete unter anderem hohe Einkommensicherheit im Fall von Arbeitslosigkeit, allerdings nur für eine kurze Zeit. Dafür helfe eine aktive Arbeitsmarktpolitik rasch wieder Beschäftigung zu finden. Die Arbeitslosenquote in dem ebenso von der Wirtschaftskrise betroffenen Land beträgt aktuell 7,5 Prozent.

Es lohne sich in Dänemark für jeden Einzelnen mehr, zu arbeiten und etwas zu leisten, betonte Scharinger. Leitl wollte sich nicht festlegen, ob in Österreich eine Steuerreform in Richtung höhere Mehrwertsteuer, aber geringere Lohnnebenkosten gehen sollte: "Nein, denn da bleibt nur hängen, ich sei für eine höhere Mehrwertsteuer. Die Österreicher haben ja die Erfahrung gemacht, Steuerreform bedeutet: Sie werden noch mehr ausgesackelt. Sie müsste aber aufkommensneutral

Euro-Beitritt

In Dänemark gibt es indes einen neuen Anlauf zum Euro-Beitritt. Die derzeitige Regierung sei dafür, erklärte der Abgeordnete Michael Aastrup Jensen von der die Koalitionsregierung anführenden rechtsliberalen Partei Venstre in Kopenhagen. Jensen denkt an eine Volksabstimmung nach den kommenden Parlamentswahlen. Die Dänen hatten im Jahr 2000 bei einer Volksabstimmung den Euro mit 53,1 Prozent der Stimmen abgelehnt. (APA)

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    Für RLB-OÖ-General Ludwig Scharinger jammern die Österreicher auf hohem Niveau.

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