Inhaftierte Französin darf ausreisen

15. Mai 2010 20:02

Clotilde Reiss müsste zuvor hohe Geldstrafe zahlen

Teheran/Paris - Die seit vergangenem Juli im Iran unter dem Vorwurf der Spionage festgehaltene Französin Clotilde Reiss darf in Kürze das Land verlassen. Die 24-Jährige solle bereits an diesem Sonntag ihren Reisepass wiederbekommen, sagte ihr Anwalt Mohammad-Ali Mahdavi der iranischen Nachrichtenagentur ISNA am Samstag. Sie müsse allerdings vor ihrer Ausreise noch eine Geldstrafe in Höhe von 300.000 Euro zahlen. Das französische Außenministerium bestätigte, dass in Kürze mit der Rückkehr der jungen Universitätslektorin gerechnet werde.

Reiss war wegen Spionage in Teheran angeklagt worden. Nach iranischen Angaben hatte sie sich in einem Gerichtsverfahren schuldig bekannt. Reiss hatte nach der umstrittenen Wiederwahl von Präsident Mahmud Ahmadinejad im Juni 2009 in E-Mails über Proteste berichtet und war selbst auf die Straße gegangen. Nach ihrer Festnahme verbrachte sie 46 Tage in einem Teheraner Gefängnis. Später hielt sie sich in der französischen Botschaft in Teheran auf, durfte das Land aber nicht verlassen. Der Fall hatte die Beziehungen zwischen dem Iran und Frankreich erheblich belastet.

Der französische Präsident Nicolas Sarkozy hatte einen "Gefangenenaustausch" mit dem Iran offiziell ausgeschlossen. Allerdings durfte in der vergangenen Woche der iranische Ingenieur Majid Kakavand in seine Heimat zurückkehren. Frankreich hatte ein Auslieferungsgesuch aus den USA abgelehnt, wo Kakavand unter Verdacht der Militärspionage steht. In der kommenden Woche soll außerdem über die mögliche Freilassung unter Auflagen von Ali Vakili Rad entschieden werden. Er war 1994 in Frankreich wegen des Mordes an dem ehemaligen iranischen Premierminister Shapur Bakhtiar zu lebenslanger Haft verurteilt worden. (APA/dpa)

MiNeum71
 
17.05.2010 23:38


Ich bin fassungslos über die Verhandlungen, die zur AUsreiseerlaubnis geführt haben:
http://www.guardian.co.uk/world/201... vakili-rad

Bitteschön wo leben wir denn eigentlich? Wenn sich mit Geiselnahmen zukünftig alle Probleme lösen lassen, na dann "Gute Nacht".

PS: Die Franzosen sollten sich langsam überlegen, ob sie sich überhaupt noch zur zivilisierten Welt dazuzählen wollen: französisch-deutsche Kollaboration 1940, Unterstützung Khomeinis 1978/79 u.v.a.

Christiane Amanpour
 
17.05.2010 01:26
Clotilde Reiss ist seit Sonntag, 16.04.2010, 13:20 Uhr in Frankreich


http://www.lemonde.fr/proche-or... _3218.html

Interessant ist doch, dass der senegalesische Staatspräsident sagt, dass sie schon viel früher freigelassen worden wäre, wenn die Franzosen nicht so inflexibel gewesen wären.

Es fällt auf, dass die europäischen oder die EU-Diplomatien immer weniger an der Lösung internationaler Konflikte mitwirken und dass z.B. die BRIC-Staaten sehr aktiv sind.

Diplomat
16.05.2010 21:06
Unterschiedliche Menschenrechte

Es ist eine erfreuliche Nachricht. Nach fast einem Jahr Hausarrest darf die französische Universitätsdozentin Clotilde Reiss den Iran verlassen Richtung Heimat. Ein anderer Angeklagter saß mehr als einem Jahr in Frankreich fest. Er hieß Majid Kakavan, war Iraner und ist vorige Woche freigesprochen worden. Sein eingestandenes Vergehen: Er lieferte in Malaysia nachweislich nicht militärische US-Güter nach Iran, die aber auf der unilateralen Sanktionsliste der USA stehen.

Mehr hier: http://www.irananders.de/index.php... 4f7be24dcc

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