Marx: Kapitalismus muss eingebremst werden

15. Mai 2010, 18:05
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Münchner Erzbischof fordert mehr ethische Verantwortung in der Wirtschaft

München - Die Finanzkrise ist nach Ansicht des Münchner Erzbischofs Reinhard Marx auch dadurch ausgelöst worden, dass die Menschen sich dem Turbo-Kapitalismus nicht entschlossen genug widersetzt hätten. Der Kapitalismus habe zur Ideologie geführt, dass die Märkte nicht mehr zu bremsen seien. Und die Menschen hätten geglaubt, sich dem entfesselten Kapitalismus anpassen zu müssen, sagte Marx am Samstag beim 2. Ökumenischen Kirchentag in München.

"Die Finanzkrise ist Ausdruck dieser Ideologie, die in weite Teile der Gesellschaft hineingedrungen ist." Dabei sei es versäumt worden, die Entfesselung der Märkte rechtzeitig einzudämmen.

Der katholische Geistliche forderte gleichzeitig mehr ethische Verantwortung in der Wirtschaft. "Eine Wirtschaftsordnung, die nicht auf einem ethischen Fundament ruht, wird keine Zukunft haben." Zur Überwindung der Finanzkrise seien globale institutionelle Regeln, mehr Selbstverpflichtungen der Unternehmen, aber auch das Engagement eines jeden Einzelnen gefragt. Nicht Gewinnstreben solle im Mittelpunkt eines Wirtschaftssystems stehen, sondern der Mensch, sagte Marx. So solle sich beispielsweise jeder Bankberater fragen, ob er anstelle seines Kunden das empfohlene Produkt selbst kaufen würde. (APA/dpa)

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