Nödl von Sioux Falls ins NHL-Halbfinale

15. Mai 2010, 12:13
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Profi-Deübt mit 15 beim WE-V, mit 16 nach Amerika - Wiener nützte seine Chance im Play-off

Wien  - Thomas Vanek hat Andreas Nödl einst mit einem Probetraining den Weg nach Amerika ermöglicht, der die beiden österreichischen Eishockey-Profis in die National Hockey League geführt hat. Nun steht Nödl als zweiter Österreicher nach Vanek in einem Conference-Finale der NHL. Nach dem historischen Comeback (4:3-Siege nach 0:3-Rückstand) der Philadelphia Flyers gegen die Boston Bruins könnte der 23-jährige Wiener auch als erster Österreicher in einem Finale um den Stanley-Cup stehen. Dem steht noch der Rekordchampion Montreal Canadiens im Weg.

Nödl debütierte mit 15 Jahren bei den Profis in Wien und war mit 15 Toren und 22 Assists in 25 Spielen gleich in seiner ersten Saison - gemeinsam mit dem gleichaltrigen Rafael Rotter - der herausragende Spieler des WE-V in der Nationalliga. Das brachte ihm zunächst mit 16 Jahren eine Teilnahme bei der U20-A-WM in Finnland und dort die Bekanntschaft von Vanek. Der drei Jahre ältere Steirer riet Nödl, die Eishockey-Ausbildung in Amerika fortzusetzen und verschaffte ihm ein Probetraining.

Nödl nahm das Angebot an und ging mit 16 Jahren nach Amerika. Zunächst 2004 zu den Sioux Falls Stampede (South Dakota) in die US-Juniorenliga, dem Ex-Verein von Vanek, bei dem der Steirer noch einige Clubrekorde hält. Er führte Sioux Falls ins Finale des Clark-Cups und wurde ins All-Star-Team gewählt, ehe er nach zwei Jahren in die College-Liga zu den St. Cloud State Huskies (Minnesota) zum ehemaligen Vanek-Coach Bob Motzko ging. In St. Cloud stellte er in seinem ersten Jahr mit 46 Punkten den Uni-Rekord für einen "Freshman" ein und wurde zum besten Neuling der WCHA-Liga gewählt.

Die Philadelphia Flyers wurden auf den Wiener aufmerksam und sicherten sich beim Draft 2006 an Nummer 39 seine Rechte. Im Frühjahr 2008 unterschrieb Nödl einen Dreijahresvertrag mit einem Grundgehalt von 850.000 Dollar (647.619 Euro) bei den Flyers. Mit einem starken Trainingslager im September empfahl er sich für die NHL, in der er am 22. Oktober 2008 debütierte. Nödl absolvierte im ersten Jahr 38 NHL-Spiele (1 Tor, 3 Assists), ehe es ins Farmteam Philadelphia Phantoms ging.

Nödl, einst Center und Torjäger, wurde in Philadelphia von Cheftrainer John Stevens zu einem defensiv verantwortlichen Flügelspieler erzogen. "Im ersten Jahr fast 40 Spiele in der NHL zu machen, war sehr gut. Ich hätte besser spielen, mehr Tore schießen können. Aber meine Rolle war, eher defensiv zu spielen. Es ist wichtig zu wissen, welche Rolle man hat", resümierte er nach seiner Rookie-Saison und steckte sich zum Ziel: "Nächstes Jahr hoffe ich auf eine größere Rolle, ich erwarte von mir selber, dass ich einen Stammplatz bekomme."

Damit klappte es zunächst nicht. Nödl startete die Saison 2009/10 im neuen Farmteam Adirondack Phantoms, erhielt aber im November wegen Verletzungen einiger Flyers-Stürmer wieder eine Chance in der NHL. Jedoch nur für zehn Spiele. Während seiner drei Wochen in Philadelphia wurde Trainer Stevens durch Peter Laviolette ersetzt, der den Wiener Mitte Dezember wieder ins Farmteam schickte.

Nach dem Grunddurchgang wurde Nödl als eiserne Reserve wieder nach Philadelphia geholt, er bildete mit einigen anderen Spielern in der ersten Play-off-Runde gegen die New Jersey Devils die "Taxi-Squad", die bei Ausfällen bereit stand. Gegen New Jersey wurde er nicht benötigt, jedoch in der zweiten Runde gegen die Boston Bruins.

Nachdem schon die Stürmer Simon Gagner und Jeff Carter wegen Fußbrüchen ausgefallen waren, musste auch Ian Laperriere, der in Unterzahl eine wichtige Rolle einnahm, passen. Laviolette gab Nödl das Vertrauen. Der dankte es mit körperbetontem Einsatz und solider Defensivarbeit (in sieben Spielen nur bei einem Gegentreffer auf dem Eis). Daher blieb er auch im Team, als Gagner wieder fit wurde, und durfte seinen Beitrag zu einem historischen NHL-Comeback leisten. Doch damit soll die Erfolgsgeschichte 2010 noch nicht zu Ende geschrieben sein. (APA)

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    Andreas Nödl hat seine Chance genützt.

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