USA erlauben Einsatz von Öl-zersetzenden Mitteln

15. Mai 2010, 09:23
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Entscheidung für umstrittene Chemikalien nach Expertentests - Obama: Müssen Öl so schnell wie möglich stoppen

New Orleans - Der britische Ölkonzern BP darf die Ölpest im Golf von Mexiko nun auch mit Chemikalien am Meeresgrund bekämpfen. Die US-Umweltschutzbehörde EPA habe das bisher völlig unbekannte Verfahren nach zahlreichen Tests und Expertenbefragungen gebilligt, teilte der Einsatzstab am Samstag in Robert (Louisiana) mit. Damit kann BP chemische Mittel jetzt auch in 1.500 Metern Tiefe direkt an den beiden Öl-Lecks ins Wasser geben. Diese sollen das dicke, für die Küsten gefährliche Öl in eine harmlosere Flüssigkeit verwandeln, noch bevor es die Meeresoberfläche erreicht.

Bisher war nur der Einsatz von chemischen Mitteln an der Wasseroberfläche erlaubt. BP hat nach eigenen Angaben schon 1,8 Millionen Liter des Stoffes Corexit verwendet. Der Chemikalieneinsatz sei aus Umweltschutzgründen nicht perfekt, kommentierte die EPA-Sprecherin Lisa Jackson. Er sei aber im Endeffekt weniger gefährlich für die Natur als das Öl. Kritiker bemängeln, dass noch zu wenig über die Wirkung von Corexit auf den Meeresorganismus bekannt sei. Sie befürchten nachhaltige Schäden für Fische und Meeresfrüchte. 

Obama: Müssen Öl so schnell wie möglich stoppen

Unterdessen rief US-Präsident Barack Obama Industrie und Behörden nach einer Woche voller gegenseitiger Schuldzuweisungen zur Räson. "Was jetzt wirklich zählt: Hier fließt Öl ins Meer. Und das müssen wir so schnell wie möglich stoppen", sagte Obama in einer ungewöhnlich scharfen Rede.

Unabhängig vom Chemikalieneinsatz versucht BP weiter, das Öl direkt aus dem größeren der beiden Lecks abzufangen, bevor es ins Meer gelangt. Das Unternehmen bemühte sich am Samstag weiter, eine Rohrleitung direkt vom Hauptleck zu einem Schiff an der Meeresoberfläche zu legen. "Wir hoffen, dass es klappt. Es hat noch nie jemand versucht", sagte BP-Manager Doug Suttles. Bei einem Erfolg könnten etwa 85 Prozent des austretenden Öls abgesaugt werden. Der Rest würde zumindest vorerst weiter aus einer zweiten undichten Stelle strömen.

Bei einem Misserfolg will BP einen Stahlbeton-Zylinder auf das Leck stülpen. Das in diesem Behälter aufgefangene Öl-Wasser-Gemisch würde dann ebenfalls auf ein Schiff geleitet. Der etwa 1,50 Meter hohe Container steht schon auf dem Meeresboden bereit.

Die Bohrinsel "Deepwater Horizon" war vor mehr als drei Wochen nach einer Explosion gesunken. Seitdem sprudeln täglich mindestens 700 Tonnen Rohöl ins Meer.

Umweltschützer wollen US-Regierung verklagen

Eine Umweltschutzgruppe will die US-Regierung laut Reuters wegen der Genehmigung von Ölbohrungen im Golf von Mexiko verklagen. Innenminister Ken Salazar habe dabei den möglichen Schaden für die Meerestiere nicht berücksichtigt, erklärte das Zentrum für biologische Vielfalt am Freitag. Salazars Behörde für Bodenschätze (MMS) hätte es vor der Freigabe der Arbeiten versäumt, wie in zwei Bundesgesetzen verlangt, die Folgen für die Umwelt prüfen zu lassen. Den Angaben zufolge hat die Behörde seit Salazars Amtsantritt 2009 zahlreiche Genehmigungen erteilt, ohne die dafür nötigen Umweltzulassungen einzuholen, berichtete die Nachrichtenagentur. Das Zentrum legte dem Innenministerium eine Absichtserklärung mit der Begründung seines Vorhabens vor. Gemäß dem Artenschutzgesetz muss die Regierung nun binnen 60 Tagen darauf reagieren. (APA)

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    Ölschlieren auf dem Meer im Golf von Mexiko. Nun wurde der Einsatz umstrittener Öl-zersetzender Chemikalien erlaubt.

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