Mit der Sanierung zum richtigen Betriebsklima

14. Mai 2010, 20:16
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Ein Fabrikbau aus den Sechzigern wurde vor fünf Jahren vom Wolfurter Unternehmen Drexel und Weiss saniert - Eine Bilanz

Ein Fabrikbau aus den Sechzigern wurde vor fünf Jahren vom Wolfurter Unternehmen Drexel und Weiss saniert. Die Produktionsstätte energieeffizienter Haus-technik ist heute selbst ein Passivhaus. Eine Bilanz.

Wolfurt – Das Gebäude der Drexel und Weiss energieeffiziente Haustechniksysteme GmbH ist österreichweit der erste Produktionsbetrieb in Passivbauweise. Christof Drexel und Reinhard Weiss sind Pioniere. Sowohl bei der Entwicklung und Produktion von Kompaktgeräten für Heizung, Lüftung und Warmwasseraufbereitung, als auch als Bauherren.

"Eigentlich wollten wir ja neu bauen", erzählt Reinhard Weiss. 2004, als die zweite Generation der von Drexel entwickelten Kompaktgeräte den Marktdurchbruch schaffte, wurde das Betriebsgebäude in Bregenz zu klein. "Kurzfristig haben wir 3000 Quadratmeter Nutzfläche benötigt, mittelfristig weitere 1500." Statt eines Grundstücks fand man im Nachbarort Wolfurt jedoch eine Industriebrache. Die Roylon, eine 1969 gegründete Fabrik, die die Textilkrise nicht überlebte, mutierte schließlich zum Gewerbepark Wolfurt.

Potenzial erkannt

Drexel und Weiss erkannten das Potenzial der sanierungsbedürftigen Halle, der Vermieter ließ sich von Idee und Wirtschaftlichkeit überzeugen. Architekt Gerhard Zweier baute die Halle zum Rohbau zurück, ließ die Betonfertigteilfassade durch hochwärmegedämmte Holzleichtbauelemente ersetzen, sah spezielle Holzfenster mit Dreifachisolierglas vor und verkleidete die Fassade mit schwarzen Faserzementplatten.

In nur zehn Monaten entstand ein Gebäude mit Passivhausqualität für Produktion, Lager, Verwaltung und Schulung. Schon 2007 kam eine zweite Halle dazu. Das Gebäude wächst mit dem Unternehmen mit.

Weiss' Bilanz nach fünf Jahren im Passivhaus: "Das Haus ist energetisch genau so, wie wir es uns vorgestellt haben." Der gesamte elektrische Energieverbrauch für Heizung, Lüftung, Kühlung und Warmwasser entspricht mit rund 15.000 Kilowattstunden pro Jahr etwa dem Energieverbrauch eines konventionell gebauten Einfamilienhauses. Anders ausgedrückt: Die jährlichen Kosten für 3500 Quadratmeter Nutzfläche betragen 1000 Euro.

Positive Mundpropaganda

"Wir machen jeden Monat Gewinne", freut sich Weiss über unerwartete Nebeneffekte: Die permanente Frischluftzufuhr durch die Komfortlüftung wirkt sich positiv auf Befinden und Effizienz der Mitarbeiter aus. Die zahlreichen Besucher (rund 1500 pro Jahr), die sich für Gebäude und Produktion interessieren, entlasten durch positive Mundpropaganda das Werbebudget.

Die Mehrkosten beim Bau, immer wieder ein Killerargument bei Passivhäusern, betrugen bei Drexel und Weiss gerade mal 6000 Euro. Rund 18,3 Prozent der Passivhäuser in Österreich sind laut Günter Lang, dem Geschäftsführer der IG Passivhaus, Büro-, Gewerbe- und Industriebauten. Etwa die Hälfte davon wurde mit Fördermitteln errichtet. (Jutta Berger, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15./16.5.2010)

Förderungen über: KMU-Energieeffizienzscheck des Klima- und Energiefonds sowie die Umweltförderung Inland (UFI) der Kommunalkredit Public Consulting

  • Aus der früheren Strumpffabrik Roylon in Wolfurt, Vorarlberg, wurde ein  Passivhaus.
    foto: drexel & weiss

    Aus der früheren Strumpffabrik Roylon in Wolfurt, Vorarlberg, wurde ein Passivhaus.

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