Krise verzögert Gasnachfrage

14. Mai 2010, 19:31
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Das Nabucco-Projekt ist nicht mehr dringend, sagen Analysten

Wien - Durch die wegen der Wirtschaftskrise gedrosselte Gasnachfrage in Europa, aber auch durch den zunehmenden Konkurrenzdruck aus China im Wettlauf um Erdgas aus Zentralasien sind neue Hürden für die Pipeline-Projekte South Stream und Nabucco errichtet worden. Analysten gehen davon aus, dass der Anstieg der Gasnachfrage in Europa um etwa fünf Jahre verzögert wurde, weswegen man das europäische Pipeline-Projekt Nabucco - unter Beteiligung der OMV - nicht vor 2020 brauchen werde.

Das Projekt South Stream sei eher politisch als wirtschaftlich motiviert und daher weniger betroffen als Nabucco, heißt es. Die Proponenten von Nabucco müssten nun so rasch wie möglich Gaslieferverträge aufstellen, bevor mit dem Bau der 3300 km langen Pipeline begonnen wird.

Wegen der Nachfragedelle werde man die zusätzliche Transportkapazität zwar erst in zehn Jahren brauchen, aber wenn man mit Nabucco zu lange warte, könnte China inzwischen alle verfügbaren Gasmengen in Ländern wie Aserbaidschan und Turkmenistan aufgekauft haben, warnen Experten. "China ist der entscheidende Faktor", sagt die Analystin Susanne Nies vom französischen Thinktank Ifri. Chinas Erdgasverbrauch ist im vergangenen Jahr um ein gutes Zehntel gestiegen. Mitte Dezember 2009 wurde eine Pipeline zwischen China und Turkmenistan in Betrieb genommen. Diese Pipeline soll ab 2013 bis zu 40 Mrd. Kubikmeter Gas pro Jahr nach China pumpen können.

Politischer Einfluss

Anfang Mai gab das Nabucco-Konsortiumsmitglied RWE bekannt, dass sich die für das erste Halbjahr 2010 geplante Unterzeichnung eines wichtigen Gasliefervertrages mit Turkmenistan "aus politischen Gründen" bis ins zweite Halbjahr verzögern werde.

EU-Energiekommissar Günther Oettinger sieht im wachsenden Gasbedarf Chinas keine Bedrohung für die europäische Versorgungssicherheit. "In der Kaspischen Region gibt es enorme Gasreserven", sagte Oettinger zu Reuters. "Dort gibt es genug Gas für Europa, die Chinesen und andere." Für Nabucco brauche man nur 31 Mrd. Kubikmeter pro Jahr, "was nur ein Bruchteil der vorhandenen Reserven ist", so der EU-Kommissar. (APA, Reuters, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15./16.5.2010)

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