Der große Bluff

14. Mai 2010, 19:14
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Sachliche Argumente für den Euro-Schutzschirm fehlen, die Nachwehen werden immer größer

Politiker überschlagen sich in Superlativen, um die Gefahr für die Eurozone zu beschreiben und damit ihr Handeln zu rechtfertigen. Sachliche Argumente für den Euro-Schutzschirm fehlen. Kein Wunder, dass die Nachwehen immer größer werden. Ökonomen, Finanzmarktteilnehmer und andere Experten gehen aus der Deckung und äußern unverhohlen Kritik am Einschreiten der EU. Der Kurssturz der Währung kann als Begründung nicht herhalten. Der Euro fiel in den letzten sechs Monaten um 16 Prozent, er liegt aber immer noch näher zu seinem Hoch von 1,6 Dollar als zum Tiefststand von 0,82 Dollar.

Auch die Gefahr, dass sich die Banken wegen der Schuldenkrise kein Geld mehr leihen, ist unglaubwürdig. Die Zinsen auf dem Geldmarkt sind zwar vor der Intervention merklich gestiegen, lagen aber deutlich unter dem Niveau von vor einem Jahr. Und: In Notfällen versorgt die Zentralbank die Banken mit Geld. Bliebe noch das Problem der hohen Risikoaufschläge für Staatsanleihen, die den Zinsendienst verteuern. Da gäbe es freilich ein einfacheres und gleichzeitig nachhaltigeres Rezept: Es nennt sich Sparen.

Doch stattdessen versucht die Eurozone zu bluffen und setzt alles auf eine Karte. "Sehen", rufen jetzt die Gegenüber am Pokertisch. So astronomisch die Euro-Einsätze auch sein mögen, zur Bedienung aller Club-Med-Schulden reichen sie bei weitem nicht. Von Superlativen lassen sich Finanzmärkte nicht beeindrucken.  (Andreas Schnauder, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15./16.5.2010)

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