Ein Ungar mit viel Hass im Gardewams

14. Mai 2010, 19:14
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Gábor Vona ist der Führer der rechtsextremen Jobbik

Als Gábor Vona, der 31-jährige Führer der rechtsextremen Partei Jobbik (Die Besseren), am Freitag mit seinen 46 Fraktionskollegen im ungarischen Parlament Platz nahm, trug er einen schwarzen Anzug. Erst als die Abgeordneten aufstanden, um den Eid auf die Verfassung zu sprechen, legte er die Anzugjacke ab und stand im schwarzen Wams der verbotenen Ungarischen Garde da. Der Lausbuben-Streich war gelungen. Dabei hatte Vona bereits nach den Wahlen im April angekündigt, bei der konstituierenden Sitzung der neuen ungarischen Volksvertretung das Uniformstück der seiner Ansicht nach zu Unrecht verfolgten paramilitärischen Formation tragen zu wollen.

Der verheiratete Vater eines Kindes wurde in Gyöngyös in Nordungarn als Gábor Zázrivecz geboren. Als er volljährig wurde, nahm er den Namen seines leiblichen Großvaters Gábor Vona an, der im Zweiten Weltkrieg als Soldat gefallen war. Vona studierte Geschichte und Psychologie an der Budapester Eötvös-Universität. Erste politische Erfahrung sammelte er dort in der Hochschülerschaft. Danach verkaufte er Alarmanlagen und Software. 2006 wurde er zum Vorsitzenden der Jobbik gewählt, der er seit ihrer Gründung Ende der 1990er-Jahre angehört.

Ein Jahr später schuf er die Ungarische Garde, als Bürgerwehr gegen die Auswüchse der angeblichen "Zigeunerkriminalität" . Von da an ging es mit der Jobbik steil bergauf. Vor allem in den strukturschwachen Gebieten Nord- und Ostungarns erfreute sie sich eines beträchtlichen Zulaufs. Die meisten Roma leben dort im Elend, nur ein wenig Sozialhilfe bewahrt sie vor dem Verhungern. Von ihren Ghettos geht aber auch Kleinkriminalität aus, deren Opfer Nicht-Roma in der Nachbarschaft sind, die selbst kaum etwas haben.

Für Vona und seine Gesinnungsfreunde stehen "die Roma" unter dem Generalverdacht, "arbeitsscheu" und "sozial parasitär" zu sein. Der Hass der jungen Rechtsradikalen richtet sich auch gegen den Westen, gegen die Konsumkultur und gegen Homosexuelle. Die Sendehäuser der privaten Kanäle TV 2 und RTL Klub will Vona "dem Erdboden gleichmachen" . Vona pflegt einen obskurantistischen Antisemitismus. Dem NPD-Zentralorgan Deutsche Stimme erklärte er vor zwei Jahren, die "Juden" würden nach der Herrschaft über Ungarn trachten. Der Grund: Wenn sich das Blatt im Nahost-Konflikt wendet, würden sie Israel verlieren und infolgedessen eine neue Heimat - eben Ungarn - benötigen. (Gregor Mayer/DER STANDARD, Printausgabe, 15.5.2010)

 

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