Metro sucht in Wien das Tor in den Osten

14. Mai 2010, 19:11
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Der deutsche Handelsriese steigt mit Einkaufszentren in neue Märkte ein - Druck auf Kosten steigt

Wien - Der deutsche Handelskonzern Metro will Österreich als Tor in den Osten nutzen. Die Gruppe ist mit dem Cash-&-Carry-Geschäft groß geworden. Auch Ketten wie Media Markt, Saturn, Kaufhof und Real tragen für sie Geld in die Zentrale nach Düsseldorf. Expandiert wird zudem mit Einkaufscentern.

70 Standorte entwickelt und betreibt Metro in Deutschland, Polen und der Türkei. Nun soll damit der Schritt in Länder wie Rumänien, Ungarn, Tschechien und Kroatien gelingen, sagt Michael Cesarz dem STANDARD; der Architekt führt als Vorstandsvorsitzender der Metro Group Asset Management das Immobiliengeschäft der Gruppe, unter deren Dach gut 700 Handelsstandorte in 32 Ländern stehen.

Als das Bindeglied in den Osten sei neben Bratislava Wien im Gespräch. Erste Projekte seien in Arbeit, auch an österreichischen gebe es Interesse. Der größte Betreiber von Einkaufszentren ist hier eine Tochter der Lebensmittelkette Spar. Sie hat sich, wie auch die deutsche ECE des Versandhauseigentümers Alexander Otto, längst breit in Osteuropa aufgestellt. Metro besitze die Shoppingcenter in vielen Fällen selbst und agiere daher vorsichtig, sagt Cesarz. Etliche andere seien zur falschen Zeit eingestiegen, holten sich blutige Nasen und zogen sich zurück.

Die Zeiten blinder Investitionen der Handelsketten seien in jedem Fall vorbei. Der Markt sei vor der Krise völlig überhitzt gewesen, ha-be sich zu rasch gedreht, zieht der Immobilienchef Bilanz. Viele Unternehmen warteten nun mit neuen Filialen ab und machten Druck auf die Mieten. Stärker denn je gehörten Sparpotenziale ausgelotet. Und auch wenn seine Branche weniger Dellen als andere abbekommen habe, auf das Niveau von vor der Krise werde man nicht mehr so schnell zurückkehren.

Rückkehr in die Städte

Das Bild, das Cesarz im Rahmen seines Vortrags für den Shopping Center Verband in Wien von der Zukunft der Einkaufscenter zeichnet, widerspiegelt die seit Jahren bestehenden Trends der Städteplanung. Die Gesellschaft überaltere, die Pensionisten ziehe es jedoch nicht mehr aufs Land, sondern in die Metropolen, und das erfordere eine entsprechende Infrastruktur mit kurzen Wegen. Die Innenstädte gewinnen an Bedeutung - riesige Shoppingcenter auf der grünen Wiese werde es in der Funktion als Freizeitparks immer geben, gefragt seien aber vielmehr kleine Konzepte für Stadtzentren.

Zu den großen Herausforderungen für die Betreiber zählten die Energiekosten. Sie seien allein in Deutschland für die Einkaufscenter seit 2003 um 140 Prozent gestiegen; schwer ins Gewicht falle vor allem die Kühlung. Fassaden und Dächer müssten daher in Zukunft "was können". Metro selbst übt sich etwa mit Fotovoltaik-Anlagen über Parkplätzen und mit einem 31.000 Quadratmeter großen Gründach in Istanbul. Man wolle sich kein grünes Mäntelchen umhängen. Es gehe darum, die Technik zu beherrschen - auch wenn sich vieles nicht finanziell lohne.

Auf den Handel komme noch eine weitere Kostenwelle zu, die er anderswo zurückverdienen müsse, ergänzt Cesarz: Die Arbeitsbedingungen der Zulieferer in Billiglohnländern gehörten stärker kontrolliert. NGOs setzten zu Recht bei den großen Konzernen an: Diese hätten die Verantwortung und den Hebel für Veränderungen.  (Verena Kainrath, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15./16.5.2010)

  • 70 Standorte entwickelt und betreibt Metro in Deutschland (Bild: Düsseldorf), Polen und der
 Türkei. Nun soll der Schritt in Länder wie Rumänien, Ungarn, 
Tschechien und Kroatien gelingen.
    foto: apn/pfeil

    70 Standorte entwickelt und betreibt Metro in Deutschland (Bild: Düsseldorf), Polen und der Türkei. Nun soll der Schritt in Länder wie Rumänien, Ungarn, Tschechien und Kroatien gelingen.

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