Kritik

Kassandra-Rufe zum Euro-Schutzschirm

14. Mai 2010, 18:59
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Immer lauter wird die Kritik an dem milliardenschweren Rettungspaket, das die EU-Staaten für den Euro geschnürt haben

Immer lauter wird die Kritik an dem milliardenschweren Rettungspaket, das die EU-Staaten für den Euro geschnürt haben: Hier entstehe eine riesige Schuldenblase, die den Euro sprengen könne.

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Berlin/Washington/Athen - Nur kurz währte die Freude über den Euro-Rettungsschirm, der erst vergangenes Wochenende geschnürt wurde und die Märkte kurzfristig beruhigte. Immer lauter werden nun die Stimmen, die vor einer Schuldenblase warnen und laut ein Auseinanderbrechen des Euro befürchten, so der frühere US-Notenbankchef und nunmehrige Berater der US-Regierung, Paul Volcker, der bei einer Rede in London drastische Folgen der europäischen Schuldenkrise nicht ausschloss: "Es gibt das große Problem, dass der Euro möglicherweise auseinanderfällt" , sagte der 82-Jährige.

Unkalkulierbares Abenteuer

Auch ifo-Chef Hans-Werner Sinn warnte vor gefährlichen Folgen des Euro-Rettungspaketes. "Wir stürzen uns mit dem neuen Gewährleistungsgesetz in ein unkalkulierbares Abenteuer" , sagte Sinn der Süddeutschen Zeitung. Europa drohe "eine gewaltige Schuldenblase aufzubauen, die mit einem gewaltigen Knall platzen wird" . Zugleich warf der Ökonom Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vor, zu wenig für die Interessen Deutschlands getan zu haben. Die deutsche Staatskrise sei "vorprogrammiert" , sagte Sinn. Aus seiner Sicht hätte sich Merkel gegen den Rettungspakt wehren müssen. "Der Pakt bedeutet nichts anderes, als dass Deutschland für die Schulden anderer Länder geradesteht. So sehr ich den Euro für richtig halte: Ich verstehe, wenn sich nun viele Deutsche hereingelegt fühlen."

Auch Josef Ackermann, Chef der Deutschen Bank, hegt Zweifel an den Programmen, mit denen die EU-Regierungen durch die Finanzkrise durchtauchen wollen. Griechenland könne die Schuldenkrise nicht bewältigen, sagte er in einer ZDF-Sendung. "Ob Griechenland über die Zeit wirklich in der Lage ist, diese Leistungskraft aufzubringen, das wage ich zu bezweifeln." Nach Ackermanns Worten muss Griechenland stabilisiert werden. Wenn das Land fiele, würde die Krise mit großer Sicherheit auf andere Länder übergreifen und könnte zu einer Art Kernschmelze führen.

Die deutsche Regierung wies diese Zweifel Ackermanns zurück. Sowieso soll es bei den Beratungen zum Rettungspaket für Griechenland Streit gegeben haben. Laut der spanischen Zeitung El Pais soll Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy Angela Merkel mit einem Austritt aus der Währungsunion gedroht haben.

Uneinig sind sich Experten auch darüber, wie eine Umschuldung bzw. eine Schuldenstreichung zu bewerten wäre. Ackermann hatte betont, dass alles getan werden müsse, um eine solche zu vermeiden. Denn bei einer Umschuldung würden die Geldgeber Griechenlands, darunter deutsche Institute, auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten müssen.

Dies wird auch in der österreichischen Ökonomen-Szene so gesehen. Michael Böheim vom Wirtschaftsforschungsinstitut Wifo sagte bei der Jahrestagung der Österreichischen Nationalökonomischen Gesellschaft, dass "mit dem Griechenland-Paket den deutschen Banken geholfen" wurde. Auch wenn die Griechen sparen, werden sie irgendwann einen Schuldenerlass brauchen, meint der Wifo-Experte. Denn mit all den griechischen Sparprogrammen werde lediglich die Neuverschuldung zurückgefahren, der Schuldenstand bleibe aber.

Goldpreis auf Rekordstand

Die anhaltenden Unsicherheiten schickten den Euro einmal mehr auf Talfahrt und trieb den Goldpreis in lichte Höhen. Anleger aus der Eurozone zahlten erstmals mehr als 1000 Euro für die 31,1 Gramm schwere Feinunze. Auch in US-Dollar, in Pfund Sterling und in Schweizer Franken berechnet, stieg der Goldpreis auf Rekordniveau. Die Gemeinschaftswährung fiel zeitweise bis auf 1,2433 Dollar und war damit so billig wie seit November 2008 nicht mehr. (Reuters, dpa, ruz, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15./16.5.2010)

Kommentar posten
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seapoint
00
15.5.2010, 16:05

Bei der weltweiten Prügelorgie auf den Euro häts selbst Jesus schwer.
Es besteht kein Grund zur Häme in New York und London. Sie sind die Nächsten.

Ggg14
01
16.5.2010, 00:38

Genau das ist der Grund für die Häme: Ablenkung.

Erwin Brandstetter
06
15.5.2010, 13:51
Inszenierte Ereignisse

Wenn Zeitungen drüber schreiben, dass "die Rufe immer lauter werden", die sie vor allem selbst erzeugen, dann interessiert mich weniger der Artikel als die dahinter stehende Absicht.

soso94
01
15.5.2010, 13:33
...auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten...

Umschuldung muss nicht sein. Wenn eine Semmel hundert Euro kostet, werde auch die Griechen, Spanier, Portugiesen, Italiener, Deutsche.......und wir, locker die Defizite glatt stellen.
Und das ist schon im Hinterkopf der Staaten programmiert!

laie1
00
15.5.2010, 20:01
Ich fürche

du hast recht.

birka
00
15.5.2010, 14:04

ich habs ja gewusst - der Ölz hat die Finger mit im Spiel!

DPfand
33
15.5.2010, 13:22
PK Merkel

ist die einzige Politikerin mit "Cojones" und hat, von ihren Finanz-Fachleuten (incl. der deutschen Banken/Bundesbank/Holländischer Finanzminister) beraten, Erfolg gehabt:
1.) Griechenland musste vor der ersten Überweisung einen Sparplan vorlegen.
2.) Die Umsetzung der Finanz-und Wirtschaftsplans wird durch IWF und EZB überwacht.
3.) Die Wut der Griechen wird sich mehrheitlich auf den IWF und die EZB konzentrieren.

Beide Institutionen haben Franzosen als Chefs. *kicher*
Und die von Berlin NICHT konsultierten, sich selbst überschätzenden Experten sind auf die Merkel nicht gut zusprechen. Da übersieht der Böheim schon mal das weit größere Engagement französischer Banken in GR. Sarkozy - Austritt? Gern, nimm die PIIGS mit!!

Atlantis-Couple
01
15.5.2010, 13:30
Das muss doch sarkastisch sein?

Allerdings bin ich mir doch nicht sicher.

Rosenberg911
03
15.5.2010, 13:17
An alle "Experten" hier

Der momentane Eurokurs ist ein Segen für unsere Wirtschaft! Die ganze Welt wird uns BMWs, Airbusse und Weine aus den Händen reissen. Wenn die Exporte ansteigen, dann wird das auch der Euro wieder tun. Das ganze Katastrophengeplärre ist so unnötig!!

das ist fix
10
16.5.2010, 16:06


Deutschland war eine Exportnation mit einer starken Währung (DM), wenn Staaten wie NL, DE, AT & Co eine schwache Währung brauchen um Produkte exportieren zu können, dann ist das eine traurige Nachricht...

Peter_23
11
15.5.2010, 16:47
Übrigends: Segen ist der niedrige Euro-Kurs momentan EU-Gesamtwirtschaftlich gerade keiner

da ein niederiger EURO-Kurs, wie Sie richtig feststellen, vor allem Exportnationen wie Deutschland und auch Österreich oder Niederlande hilft.

Aber gerade jene Länder wie Griechenland die im Sumpf stecken, hilft der niedrirgie Euro-Kurs gar nicht (was sollen die exportieren?)

Ausserdem: Wohin exportieren? Wo sind denn die Zielregionen für alle diese hübschen EU-Exporte? USA? Wohl kaum. Nach Kasachstan?

Es wird also der niedrige Euro zu weiteren Exportüberschüssen in GER kommen, Griechenland und der Rest der PIISF wird dadurch noch mehr den Karren im Schuldenschlamm festfahren und Deutschland (und auch wir) werden noch mehr für Griechenland und den Rest der PIIS zahlen "dürfen". Wollen Sie das wirklich?

Nomade
00
15.5.2010, 18:01
Ist das, das Problem der Exportorientierten Länder?

Es ist doch nicht die Schuld der Mittel- & Nordeuropäischen Länder, das jene im Süden auf die falschen Pferde gesetzt haben! Da meine Frau Spanierin ist und wir oft dort sind hatte ich genug Zeit um dieses Land kennen zu lernen. Sie hatten sich auf drei Säulen verlassen: Tourismus, Agrarprodukte und die Bauwirtschaft. Ich hatte mir einen neuen Mercedes Vito (in Spanien gebaut) gekauft, welcher so mies verarbeitet war, das die ersten Probleme nach drei Monaten anfingen, und so ging es vier Jahre lang. Ich kannte auch andere Leute mit solchen Autos, welche mir auch sagten: nie mehr ein Auto aus Spanien. Die Spanier haben nie gelernt, dass man nur mit Qualität auf dem Weltmarkt bestehen kann, und innovativ sind sie gerade auch nicht.

Peter_23
00
15.5.2010, 21:52
Ja, es ist ein Problem der Exportorientierten Länder

wie Deutschland und Österreich. Da eben dieses Argument mit "niedriger Euro ist doch nur gut für gut" falsch ist. Da es genau jenen EU-Ländern (PIIGS) nicht hilft die jetzt schon die Krise haben.

Der niedrige Euro hilft nur starken Exportländer wie Deutschland (und auch Österreich) aber nicht Griechenland, Spanien oder Portugal. Abgesehen der Tendenz der fallenden Lohnniveaus in allen Ländern.

Schlussendlich wird es damit dazu kommen womit es schon jetzt gekommen ist, nur noch mehr davon: Die ach so tollen Exportländer wie Deutschland (10% Österreich) werden eben noch mehr für die PIIGS zahlen "müssen". Die 750Milliarden werden nicht reichen.

Und das ist sehr wohl ein Problem der Exportländer.

Ggg14
00
15.5.2010, 17:05

Stimmt schon, dass der niedrige Kurs hauptsächlich den Exportländern hilft, was jetzt einmal prinzipiell nicht schlecht ist.
Vor allem vergessen Sie eins. Innerhalb der Eurozone ist der Kurs vollkommen wurscht. Dh. die angekurbelten Exporte gehen in den Rest der Welt. Die giftigen Exporte waren ja jene innerhalb der Eurozone.
Und wenn die Exportländer den Gewinn nun zum Schuldensenken verwenden, dann kann das nicht schlecht sein.

Peter_23
00
15.5.2010, 22:00
Durch einen niedrigen Euro-Kurs

wird der Export ausserhalb der Eurozone angekurbelt. Ist auch alles richtig.

Nur bitte weiter denken:

a. Was hilft das den PIIGS-Ländern? Was exportieren die (wesentlich) ausserhalb der Euro-Zone um die Krise zu überwinden? (Antwort: Defakto Nichts. Nehmen Sie nur mal Tourismus Griechenland und ziehen davon den EU-"Binnen"-Tourismus mal ab. Was bleibt da übrig)

b. In welche extern-EU Länder soll mit billigen Euro was exportiert werden? Konkrete Nennung der Ziel-Regionen und die dort abgesetzten EURO-Produkte der PIIGS-Länder. Spätenstens da fängt das Stottern an. Auch da: Defakto gähnende Leere.

Dass der niedrige Euro Kurs hilft ist reine Illusion. Er hilft, dass Deutschland noch mehr exportiert und noch mehr zahlen wird.

Ggg14
00
16.5.2010, 00:42

Stimmt alles. Der Kurs selbst wird nix verbessern. Er könnte nur der Schubs sein, der es als Erstes den Exportländern ermögicht ihre Schulden abzubauen. Wenn Sie das Geld das hereinkommt auch noch verwenden um im Süden einzukaufen und die das Geld wieder um Schulden abzubauen und Produktionskapazitäten aufzubauen, dann hätten wir eine Chance.

Naja, träumen wird man ja noch dürfen.
Umgekehrt werden Sie jedoch zustimmen, dass ein Abwürgen der Exporte wohl noch weniger wünschenswert wäre, weil es schließlich auch die dt. Staatsfinanzen noch näher an den Abgrund bringen würde.
Dh. ich sehe den niedrigen Kurs als Zeitgewinn, den man für Reformen nutzen könnte.

Peter_23
00
16.5.2010, 17:16
Ein Zeitgewinn ist es

Ich träume auch, vielleicht sind es eher kleinere Albträume, aber ich frage mich: Zeit gewinnen wofür?

Besser als Zeit gewinnen wärs doch wenn wir (auch natürlich die politische Ebene) sich überlegt, wie, nach welchen Regeln, sowohl (grosse) Banken als auch Staaten geordnet bankrott anmelden können und ihre Zahlungsunfähigkeit erklären können. Ohne das gleich Kriegsrecht ausbricht.

Wenn eben schlecht gewirtschaftet und "herumgemurkst" wurde, dann muss es auch ein geordnetes und überlegtes Exit geben. Wenn es das nicht gibt, dann kommt auch der Crash aber chaotisch. Und da ist Zeit gewinnen nur ein Ausdruck für verschwendete Zeit bzw. die Zeitspanne wo man weiter das Kopferl noch in den Sand stecken kann.

Ggg14
00
16.5.2010, 18:19

Das wäre alles möglich, würde es nur GR oder PT geben. Das Problem ist aber, dass alle miteinander katastrophal gewirtschaftet haben und eigentlich Pleitekandidaten sind.
Wenn die Tür zum Staatsbankrott geöffnet wird, gehts Schlag auf Schlag von Athen bis Edinburgh und von Lissabon bis Hamburg.

Peter_23
00
15.5.2010, 16:15
Geht's der Wirtschaft gut, geht's dann uns allen gut?

Wie war das noch mal mit dem Kasperl und dem Krokodil in der Märchenstunde?

José Atento
00
15.5.2010, 13:01
Es geht in Richtung Umschuldung

Diese immer größere Neuverschuldung, um Zinsen zu bezahlen ist nicht mehr lange aufrecht zu erhalten!

Euro bei 1,236. So tief wie zuletzt im Jahr 2006.
Es geht in Richtung 1,21, oder sogar 1,16.

Sophist1
00
15.5.2010, 16:15
Dann müssen Sie aber auch sagen, dass der mit enormen Abstand größte Budgeposten.....

...der soziale Bereich ist. Er macht in D. eine Summe von 133,1 Mrd. € aus. Der Schuldendienst hat einen Anteil von 41,7 Mrd. € und die Verteidigung 31,3 Mrd. €. WEnn jetzt Sparen angesagt ist, beginnt man normalerweise an der dicksten Ausgabeposition....

anton b
00
16.5.2010, 15:10
Saldierung der Zahlungsströme

In den Kosten des sozialen Bereichs sind aber wieder bis zu 40 % Zinszahlungen enthalten. (Direkt durch Refinanzierungskosten der Versicherungen und indirekt durch den hohen Anteil von Fremdkapital in der Pharmaindustrie, auch diese muss die Zinskosten ja in die Produktpreise einrechnen) So gesehen reduziert sich auch das Problem "hohe Sozialkosten" letztlich auf das Problem "Schuldendienst".

Sophist1
00
16.5.2010, 17:15
So wie Sie rechnen, passen Sie bestens zu Proll und dem Kanzler.

Jetzt sind es schon drei Ahnunglose. Ihre Annahmen sind völlig falsch, willkürlich und frei Schnauze. Und von keinem Menschen, ausser diesen Drei, nachvollziehbar.

anton b
00
16.5.2010, 17:23
hier wäre die Rechnung etwas ausfühlicher für D. dargestellt.

http://www.egon-w-kreutzer.de/Petschow/... itung.html

Sophist1
00
16.5.2010, 17:35
Ärzte sind ungeeignete Zeugen, weil gerade die zu der Gruppe....

....gehören, die den Sozialetat zum Platzen bringen werden. Einmal durch deren Einkommen, deren Hörigkeit gegenüber der Pharmaindustrie, technischen Innovationen. In D. fließen allen in die Sparte Gesundheit 22,6 Mrd., bei einem Staatsetat von 326 Mrd.

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