Sozialstaat als Verteilzentrum

70 Prozent zahlen, 30 Prozent empfangen

14. Mai 2010, 18:40
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    Infografik: Zusammensetzung der Transferleistungen über Dezile, Bruttoeinkommen versus verfügbares Einkommen

Die Umverteilung in Österreich ist laut einer neuen IHS-Studie stärker ausgeprägt als zuletzt attestiert

Die Umverteilung in Österreich ist laut einer neuen IHS-Studie stärker ausgeprägt als zuletzt attestiert. 70 Prozent zahlen, 30 Prozent empfangen. Neben den Transfers wirken die Steuern ausgleichend.

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Wien - Ist Österreich ein Land weniger Vermögender (die ihren Reichtum in steuerschonenden Stiftungen parken) und einer großen Masse unterer Einkommensschichten, die von der Gesellschaft vernachlässigt werden? Dieser bei Gewerkschaftern beliebten Darstellung wird vom Institut für Höhere Studien (IHS) widersprochen, das eine starke Umverteilung ortet, und zwar nicht nur bekanntermaßen über die Transferleistungen, sondern auch über das Abgabensystem.

So kommt die ärmere Hälfte der Bevölkerung auf 26 Prozent aller Bruttoeinkommen. Nach Steuern und Transferleistungen verbessert sich der Wert auf 32 Prozent. Das reichste Zehntel (Dezil) des Landes vereint zwar 26 Prozent aller österreichischen Verdienste auf sich, ihm bleiben aber "nur" 22 Prozent an verfügbarem Einkommen in der Tasche. IHS-Chef Bernhard Felderer betont im Gespräch mit dem Standard, dass die Progression des Steuersystems durch die Sozialversicherungsabgaben nicht aufgelöst werde. So steigt die Abgabenquote von 1,1 Prozent im untersten Dezil auf 28,4 Prozent beim reichsten Zehntel. Dabei sind die Pensionsbeiträge gar nicht eingerechnet, obwohl das System insbesondere über die Ausgleichszulage ebenfalls umverteilend wirkt. Die Abgaben sind inklusive Pensionssystem um durchschnittlich 7,4 Prozentpunkte höher.

Derzeit zählt Österreich zu den Staaten in Europa mit den geringsten Einkommensunterschieden, bestätigt Eurostat. "Würde die Umverteilung durch das Steuer-transfersystem nicht stattfinden, würden einzig Bulgarien, Portugal, Rumänien und Lettland über eine ungleichere Einkommensverteilung als Österreich verfügen" , heißt es in der Studie, die im Auftrag des Finanzministeriums durchgeführt wurde.

70 Prozent sind "Nettozahler"

Für den stärksten Ausgleich zwischen Arm und Reich sorgen die Transfers, wobei diese durchschnittlich 1308 Euro pro Person im Jahr ausmachen. 43 Prozent davon entfallen auf Familienbeihilfe und Kinderabsetzbetrag, gefolgt von Arbeitslosengeld (30 Prozent) und Pflegegeld (zehn Prozent). Im untersten Einkommenszehntel betragen die Transfers fast das Dreifache des Durchschnitts und sinken im obersten Fünftel unter 600 Euro. Dass Besserverdiener überhaupt noch Zuwendungen des Staates erhalten, liegt an der Familienförderung, die großteils unabhängig vom Einkommen überwiesen wird.

Betrachtet man Transfers und Steuern kumuliert, zeigt sich, dass drei Zehntel der Österreicher mehr staatliche Leistungen in Anspruch nehmen, als sie an Abgaben einzahlen. Umgekehrt sind 70 Prozent "Nettozahler". Dem obersten Einkommenszehntel werden im Jahr 14.174 Euro abgezogen, ganze 592 Euro fließen über Transfers zurück. Im Durchschnitt fallen 1130 an Sozialversicherung und 2574 an Steuern an, ergibt auf ein 18.887 Euro ausmachendes Jahresbruttoeinkommen 3764 an Abgaben. Davon kommen 1308 Euro über Transferleistungen zurück. Und wo bleibt der große Rest? Der finanziert andere staatliche Aufgaben wie Schule und Polizei oder geht in Zinsendienst und Verwaltung auf.

"Die Umverteilung wirkt in Österreich stark" , schließt Felderer aus der Untersuchung. Bestätigt sieht sich der IHS-Leiter in seiner Ansicht, wonach Vermögenssteuern zur Korrektur allfälliger Ungerechtigkeit nicht angebracht seien. Umgekehrt glaubt Felderer - außer in Ausnahmefällen - nicht, dass die Umverteilung Leistungsanreize stark dämpfe.  (Andreas Schnauder, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15./16.5.2010)

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Posting 1 bis 25 von 1371
zwergleviathan
10
18.5.2010, 15:09
"Würde die Umverteilung durch das Steuer-transfersystem nicht stattfinden, würden einzig Bulgarien, Portugal, Rumänien und Lettland über eine ungleichere Einkommensverteilung als Österreich verfügen"

wohooooo!

es gibt noch Länder in denen es schlimmer ist als bei uns!

gratuliert unseren Politikern zu diesem tollen Erfolg!

nur der ehemalige Ostblock steht noch beschissener da als wir!

welch Leistung!

wäre der Staat Österreich eine AG, man hätte den Aufsichtsrat wohl geteert und gefedert

zwar dämpft eine stärkere Umverteilung die Leistungsanreize nicht, aber man will trotzdem nicht umverteilen (besonders wenn man zu denen gehört die verlieren würden), wobei ca 10% den restlichen 90% diktieren daß sie nicht weiter umverteilen wollen

wie lange sollen wir uns denn eigentlich noch verarschen lassen?

Leistungsgerechtigkeit ist blanker Hohn; wenn die Ausgangsmöglichkeiten vererbt werden hat das nix mehr mit Leistungen zu tun...

There is no such thing as society
03
17.5.2010, 17:56
Na fesch also.

Ich geh also nach dieser Studie zu einem Drittel für mich selbst, zu einem Drittel für unsere Verwaltung, und zu einem Drittel für meine armen Mitbürger hackeln.

Na, werd ich halt nur noch jede dritte Honorarnote beim Finanzamt angeben.

Leupold v. Bretthausen
 
11
17.5.2010, 17:34
"Umgekehrt glaubt Felderer - außer in Ausnahmefällen - nicht, dass die Umverteilung Leistungsanreize stark dämpfe. "

Das ist ein klassischer Fall von Glauben heißt nichts wissen. Wenn es in Österreich nicht die Enteignung der Leistungsträger gäbe, gäbe es mehr Personen, die Leistung erbringen würden und damit auch mehr Steuern...

derpradler
11
17.5.2010, 14:28
wenn Herr Felderer

solche Aussagen tätigt, dann weiß man schon wo hinaus, dieser neoliberale Ungeist, will!

Eva Maria Greiner
23
16.5.2010, 18:29
Umverteilung nach Verteilung ?!

Zuerst wird verteilt ungerecht verteilt - sprich Gehaltsunterschiede, die durch nichts zu rechtfertigen sind - und dann wird scheinbar generös umverteilt.
Wobei zynischer-weise die "ärmere" Hälfte steht, es könnte ja auch die ärmere "Hälfte" heißen und dann mit einer Selbstverständlichkeit "das reichste Zehntel", dass es mir fast den Atem verschlägt.
Glauben Sie wirklich, dass die Reichen die Sozialleistungen brauchen?
Aber haben Sie schon einmal versucht, vier Wochen mit der Sozialhilfe auszukommen ?
Ich arbeite im Sozialbereich - ich weiß zumindest aus direktem Kontakt mit Betroffenen wovon ich spreche/schreibe.

EuroExpert
40
16.5.2010, 12:44
warum

kann man solche studien nicht aussagekräftig präsentieren ? z.b was ist das bruttoeinkommen ? ist es das bruttogrundeinkommen, oder das bruttoeinkommen inklusive übestundenpasuchale und prämien , vielliecht auc hnoch inklusive taggelder..? oder das bruttofixeinkommen ohne variable gehaltsbestandteile etc. ? wenn ma alles reinrechnet verdienen nämlich viele weit mehr als 60k im jahr brutto.......

Demokratiefan
00
18.5.2010, 06:44
Viele...

gut 3% verdienen mehr als 50k im Jahr. Ob das nun "viele" sind sei dahingestellt.

manfred maier
110
16.5.2010, 12:27
die medial verbreiteten vorbereitungshandlungen.....

....für massensteuern und kürzungen im sozial, umwelt und bildungsbereich um die von den finanztalibans geplünderten steuerkassen wieder auszugleichen, resp. für die nächste plünderung "fit" zuzmachen!
die OECD staaten haben seit 2007 ihre schulden versiebenfacht (quelle: der spiegel/eurostat)....WAS war dazwischen?...doch nicht etwa die"finanzkrise"...jene unfreiwilligen transferzahlungen zur alimentierung des unverzichtbaren us konsumenten?
und NUN wird wieder der staat "fit" gemacht...hatten wir dies nicht bereits vor 10/15 jahren, dieses "fitmachen für die globalisierung"?.....
finanztransaktionssteuer, einschränkung des freien kapitalverkehrs, verbot von "finanzprodukten"...und wir SIND fit!
stoppt die feudalherren im nadelstreif.

der tortenfreak
63
16.5.2010, 12:25
nur ein Beispiel

Jedes mal wenn ich zu einem Nahversorger einkaufen gehe sehe ich die Generation 'Umverteilung' - teilweise drogesüchtige Junkies, die auf Kosten der Allgemeinheit ein schönes Leben führen.

Ich weiss nicht ob das die Zukunft in Ösistan ist, ein paar Wenige arbeiten und werden mit enormen Abgaben konfrontiert damit sich diese Personengruppen ein Leben auf Kosten der Allgemeinheit leisten können?

Sozialer Friede? Was versteht man darunter genau? Wir das arbeitende Volk müssen Asozial ihr ganzes Leben durchfüttern?

Darauf habe ich echt keine Lust mehr ...

PS: ich lebe in keiner schlechten Gegend, wohlgemerkt ...

ente,ente,ente,ente,ente,ente,ente,...
10
16.5.2010, 18:46
buhahaha!!

"teilweise drogesüchtige Junkies, die auf Kosten der Allgemeinheit ein schönes Leben führen. "

ja, voll ein tolles leben, schaun auch immer so glücklich drein, die typen, wenn sie in der eigenen kotze liegen...

der tortenfreak
00
17.5.2010, 12:28
was ist daran lustig?

Nehmen Sie die Gutmensch-Brille einfach ab und Sie werden so einiges erkennen - oder auch wieder nicht, denn Typen wie Sie, erkennen es nicht mal wenn es bereits zu spät ist.

Eindeutig - Gutmensch

Bluestone
00
16.5.2010, 17:54

Ich schätze, Ihre roten Stricjerl sind von den Fans des bedingungslosen Grundeinkommens aber selber nicht hackel gehen wollens.

Genowo
21
16.5.2010, 17:41

Ich empfehle den Besuch eines Neurologen ihres Vertrauens.
Verfolgungswahn ist therapierbar - eine gewisse Problemeinsicht vorausgesetzt.

alois h.
04
16.5.2010, 12:24
ein gefälligkeitsgutachten

das arbeit in österreich hoch besteuert wird und damit teuer wird, ist allgemein bekannt (steuern und sozialabgaben). die steuern auf kapitalerträge (stiftungen) und vermögen sind jedoch im internationalen vergleich niedrig bzw. nicht vorhanden. um daran nicht zu rütteln schreibt eben herr felderer schnell einige zeilen um stimmung zu machen. beschämend!

Prof. Alois
 
00
18.5.2010, 19:16
Das schreibt der nicht von Ungefähr

Das Stiftungswesen ist einem SP-Minister eingefallen. Der hieß Lacina. Dem war klar, dass auf diese Art möglichst viel Kapital in Österreich gehalten wird, welches Arbeitsplätze schafft. Er hat damals natürlich nobel verschwiegen, dass das Kapital daran auch mächtrig verdienet.

Das ist genau das Problem, das ich mit den Roten habe: Fortgesetzte Unehrlichkeit. Oder soll ich es nennen: Gedanklich nicht nachvollziehbares Agieren.

Demokratiefan
00
18.5.2010, 06:47
Steuern auf Kapitalerträge...

sind bekanntlicherweise 25%

und damit effektiv mehr als der Durchschnitts-Einkommenssteuersatz von nicht einmal 20%.

Gleichzeitig kann nur "legales" Einkommen versteuert werden - aber unsere KESt betrifft auch illegales Finanzvermögen (Schwarzgeld), sogar ausländisches auf österr. Konten geparktes Vermögen.

Ergo: in % gemessen ist unsere KESt kaum geringer als im Schnitt aber in absoluten Zahlen ist sie ein geniales Ding.

MAXIMA
00
16.5.2010, 18:58
Es geht aber nur als entweder / oder

Entweder hohe Arbeitsbesteuerung und niedrige Vermögensbesteuerung oder niedrige Arbeitsbesteuerung und hohe Vermögensbesteuerung, beides hoch wäre wohl ein Ausnehmen der sparenden Bevölkerung.

alois h.
00
17.5.2010, 08:37
natürlich muß arbeit steuerlich entlastet werden,

die betonung liegt auf arbeit. aber die sparende bevölkerung ist bei der vermögensbesteuerung auch nicht gemeint. es sind 10 % die 70 % des vermögens besitzen.

Genowo
00
16.5.2010, 17:43
Sie treffens genau aum Punkt.

Der dicke Neffe hats in Auftrag gegeben, der willfährige Felderer liefert eine "Studie" mit gewünschtem Aussagewert.

Markus Wagner
12
16.5.2010, 12:15

Ich denke, niemand bestreitet, dass es innerhalb der Arbeitseinkommen zu einer relativ soliden Umverteilung kommt. Die Studie bezieht aber keine Vermögen und Vermögensgewinne ein, welche natürlich auch entscheidend sind ...

johannes mayer1
02
16.5.2010, 12:23
richtig Herr Wagner

Die Vermögensseite wird komplett ausgeblendet in dieser Studie!!! Der Herr Felderer meint, die Zahl der Vermögenden sei zu gering in Österreich. Das ist richtig, die Zahl der wirklich Vermögenden ist in Österreich nicht so gross, aber dafür hat diese geringe Anzahl enormes Vermögen, dass ganz ungeduldig auf seine Besteuerung wartet!!
Ich gebe Ihnen durchaus Recht dass es innerhalb der Einkommen aus unselbständiger Tätigkeit eine einigermassen vertretbare und gerechte Verteilung des Einkommens gibt. Wobei mir nachwievor unverständlich ist, warum jemand der sehr wenig verdient und nicht viel über die Steuerfreigrenze von € 11.000,00 hat, sofort 36,5 % Steuer zahlen darf!!

amber103
03
16.5.2010, 12:48

Diese Aussage stimmt so nicht. Siehe Fragekatalog! In der Studie wird der Mietwert eines Hauses als Einkommen gewertet, Kreditkosten aber als normale Ausgaben behandelt, weshalb die Bruttobelastung scheinbar so gering ist.

Sie müssen aber bedenken, dass Vermögen ansich den Lebensstandard kaum beeinflusst, sondern nur der Ertrag aus dem Vermögen.

So wie es den Pensionsfonds kaum gelungen ist, die versprochenen Erträge zu erwirtschaften, ist es auch den meisten Privatanlegern nicht anders gegangen. Die Versprechungen der Banken die auf Basis schöner, aber falscher Statistiken beruhen halten in der Realität kaum. Ein nennenswerter Gewinn aus Vermögen war in den letzten Jahren nur durch unternehmerisches Handeln erzielbar.

Markus Wagner
00
16.5.2010, 12:29

Ah ja, ich würd auch gar nicht mal sagen, dass es so extrem viele Vermögen sind, die von österreichischen Vermögenden gehalten werden, zumindest wenn man es mit anderen Ländern vergleicht. Was viel eher der Fall ist, ist, dass sich auch viele reiche Ausländer die österreichischen Stiftungsgesetze zu Nutze machen. Eine Studie darüber wäre aber jedenfalls mal angebracht, ist aber schwer wegen Bankgeheimnis usw.

Markus Wagner
00
16.5.2010, 12:27

Tu er ja eh nicht. Nur die Euro über der Freigrenze (11.000) werden mit 36,5% besteuert, die ersten 11.000 werden gar nicht besteuert, selbst dann nicht wenn Sie 100.000 Euro im Jahr verdienen ...

johannes mayer1
60
16.5.2010, 12:34
das ist ja das Fiese an der Sache

Die Freigrenze von € 11.000,00 gilt auch für Jemanden der € 100.000,00 verdient ...

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