CSR als Theaterbühne

14. Mai 2010, 18:33
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Corporate Social Responsibility verkommt immer mehr zur Inszenierung. Mit staatlicher Unterstützung, Lichteffekt und Rummel. Regulierung tut not.

CSR - Corporate Social Responsibility - ist eine Bühne. Die Bühne der gesellschaftlichen Verantwortung ist groß. Sie wächst.

In Österreich gibt es immer mehr, die sich auf dieser Bühne tummeln. Die Akteure werden vielfältiger, die Zugänge diverser, die Aktivitäten bunter. Manch einer verwechselt diese Bühne allerdings mit einer Theaterbühne.

Jeder kann seiner Kreativität freien Lauf lassen. Die Drehbücher sind selbstgeschrieben. Sie heißen hier nur Konzernrichtlinien, Code of Conducts oder internes Steuerungspapier. CSR verkommt auch immer mehr zur Inszenierung. Castings finden statt. Mit staatlicher Unterstützung, begleitet von Berater-Corps, von Marketing-Experten in Szene gesetzt, mit Lichteffekten, durch den Abend moderiert von TV-Sprechern. Oft in Kooperation mit NGOs, dem "gemieteten guten Gewissen" , wie sie Janina Curbach in ihrem jüngst veröffentlichten Buch über die CSR-Bewegung auch nannte.

Diese Castings heißen Trigos, Asra oder "berufundfamilie" : CSR-Preise, die einzelne CSR-Aktivitäten begutachten und prämieren oder das Layout der Nachhaltigkeitsberichte prämieren. Es gibt natürlich auch Regieanweisungen für CSR-Handlungen. Reporting-Hinweise, OECD-Guidelines oder (ISO-)Normen, die Vorschläge unterbreiten, wie man CSR wahrnehmen könnte. Alles natürlich freiwillig und unverbindlich, um nicht zu sagen beliebig. Rosinen werden aus dem Kuchen gepickt.

Da in Österreich keine Legal-Definition für CSR existiert, gibt es formal auch keinerlei Möglichkeiten zum Einfordern eines integralen, verpflichtenden CSR-Ansatzes.

Ruf nach Regulierung ...

Quantität bedeutet leider nicht automatisch Qualität. Aber es gibt international durchaus Bestrebungen, die Qualität zu sichern.

Der Ruf nach CSR-Regulierung wird laut. Regeln werden nicht mehr nur von der organisierten Zivilgesellschaft eingefordert. Auch immer mehr CSR-Leader-Unternehmen, die im Bereich CSR rege tätig und ernsthaft an wirklicher Übernahme von weltweiter gesellschaftlicher Verantwortung interessiert sind, sprechen sich bereits für Regeln aus.

... wird lauter

Das hat auch die 2009 veröffentlichte, repräsentative Untersuchung österreichischer Unternehmen gezeigt. Die Rufer werden mehr. Wie lange werden sich die Wirtschaftsverbände den Anliegen ihrer zu vertretenden Firmen noch entziehen können? Die wünschenswerte Rolle eines unabhängigen, eingreifenden Staates ist darüber hinaus auch nicht zu übersehen.

So hinein, anders raus

Man könnte sich zwar über selbstgebastelte Regeln der Unternehmen freuen, weil dieses individuell jeweils als Corporate Social Responsibility dargestellte Etwas vielleicht besser ist als nichts. Glaubt man allerdings den Worten Albert Einsteins, so kann ein Problem nicht mit den gleichen Denkstrukturen gelöst werden, die zu seiner Entstehung beigetragen haben. Was uns in die Krise gebracht hat, führt uns nicht heraus. (Petra Kreinecker/DER STANDARD; Printausgabe, 15./16.5.2010)

Petra Kreinecker ist Geschäftsführerin vom Netzwerk Soziale Verantwortung mit 30 Organisationen der Zivilgesellschaft.

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