Hypo & Berlin: Eine Sache des Vertrauens

14. Mai 2010, 18:19
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Aus HSBC-Dokumenten rund um den Hypo-Einstieg der Gruppe Berlin erhellt sich, wie rasch Ende 2006 alles gehen musste

Aus HSBC-Dokumenten rund um den Hypo-Einstieg der Gruppe Berlin erhellt sich, wie rasch Ende 2006 alles gehen musste. Und wie sicher Kärnten war, dass Berlin den Hunderte-Millionen-Euro-Deal stemmen kann.

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Wien - Die Ermittlungen in der Causa Hypo Alpe Adria gehen voran - jedenfalls in Deutschland. Die bayerische Justiz beschäftigt sich intensiv mit den Vorgängen rund um den Bankkauf 2007 und den Einstieg der Gruppe Tilo Berlin ab Dezember 2006. Man wirft der Ex-Bayern-LB-Führung unter Werner Schmidt vor, die Bank bewusst zu teuer gekauft zu haben. Auch gegen Investor und Ex-Hypo-Chef Tilo Berlin wird (wegen Beitragstäterschaft) ermittelt. Beide bestreiten die Vorwürfe, es gilt die Unschuldsvermutung.

Zentral ist, wie viel die Bank tatsächlich wert war (die BayernLB zahlte 3,2 Mrd. Euro), ob allenfalls Schmidt gewusst hat, wenn zu viel bezahlt wurde (wäre Untreue), und ob Berlin, dessen Investoren zwischen Einstieg im Dezember 2006 und Ausstieg Mitte 2007 an die 170 Mio. Euro verdient haben, von alledem wusste (das wäre Beihilfe zur Untreue).

Traum vom Börsengang geplatzt

Aus Dokumenten, mit denen sich die deutsche Justiz beschäftigt, erhellt sich nun jedenfalls die exakte Situation der Kärntner Hypo Mitte Dezember 2006. Zur Erinnerung: Die nach den Spekulationsverlusten schwer angeschlagene Hypo brauchte bis Jahresende 2006 frisches Kapital, der seit 2005 gehegte Traum vom Börsengang hatte sich zerschlagen und die vielen "institutionellen Investoren", von denen die Banker unter Wolfgang Kulterer und deren Investmentbanker berichtet hatten, gab es nicht. Die Privatplatzierung ("Private Placement" ) gestaltete sich schwierig: Bank (und Land Kärnten) bestanden auf einer Bewertung mit 2,5 Mrd. Euro (nach Kapitalerhöhung). Am 14. Dezember erfuhren die Bayern, dass ihr Bawag-Kauf geplatzt war, am selben Tag nahm Kulterer Kontakt mit ihnen auf.

Schon an diesem Tag zogen die Investmentbanker von HSBC "auf Ersuchen der Hypo" schriftlich über das Private Placement Bilanz, ergibt sich aus den Akten. HSBC begleitete die Hypo und die Kärntner Landesholding seit April 2005 auf ihrem Privatisierungsweg; quasi als Sub-Berater arbeitete die Wiener Vienna Capital Partners (VCP) um den ehemaligen CA-Banker und Kulterer-Vertrauten Heinrich Pecina mit.

Am 14. Dezember also resümierte HSBC-Banker Julius Russel den Prozess, "der dazu führen wird", dass die Privatplatzierung mit der Gruppe Berlin & Co. finalisiert werde. Den bisherigen Private-Placement-Prozess beschrieb er als "transparent" - die Festlegung der Hypo auf die Bewertung 2,5 Mrd. Euro hatte bis dahin alle Interessenten abgeschreckt. Nur die "Gruppe Berlin" war übrig, nur sie bot den richtigen Preis.

Sichtung ja, Prüfung nein

"Etliche Investoren lehnten die Teilnahme ab oder zogen sich in späteren Stadien zurück" , heißt es in den Papieren rückblickend. Der Gruppe Berlin und ihren Beratern Kingsbridge Capital hatten Hypo und Grawe "Exklusivität der Verhandlungen eingeräumt, weil kein höherer Preis ... geboten wurde" . (2007 verkaufte die Grawe 15 Hypo-Prozent an die Gruppe Berlin, die das mit einem günstigen Bayern-Kredit finanzierte. Mit Vertrag von 22. Mai kauften die Bayern all das; Wertbasis: 3,2 Mrd.).

Die Verkäufer dürften sich des Erfolgs des Berlin-Placements (ging in zwei Schritten über die Bühne) sehr sicher gewesen sein: Die Strafzahlungen, die für den Fall des Ausstiegs von Berlin & Co. vereinbart waren, lagen "unter den sonst in solchen Fällen üblichen" Vereinbarungen. HSBC erklärte sich das so: "Wir nehmen an, dass die Hypo Berlin & Co und sein Konsortium gut kennt und Vertrauen in deren Fähigkeiten, den Deal zu erfüllen." Zwar habe HSBC die Unterlagen über die Investoren des Konsortiums "gesichtet" , eine Überprüfung sei das aber nicht gewesen; man gehe davon aus, dass "die Hypo deren Kreditwürdigkeit ... geprüft" habe.

Due Diligences von Berlin & Co, Kingsbridge oder den Investoren, die Berlins Investmentvehikel finanzierten ("Investorengruppe Berlin"; dazu gehörten etwa Veit Sorger oder Michael Gröller), habe HSBC nicht vorgenommen" - so "wie mit der Hypo vereinbart" . Am 19. Dezember wurde der Berlin-Deal offiziell bekannt.  (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15./16.5.2010)

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