US-Behörde genehmigte "blind" Ölbohrungen

14. Mai 2010, 18:41
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Angeblich ohne Prüfung der Umweltzulassung gestartet

Washington - Eine US-Behörde hat laut New York Times Genehmigungen für Ölbohrungen im Meer erteilt, ohne die vorgeschriebenen Umweltzulassungen einzuholen. Darunter, so die NYT am Freitag, sei auch eine Genehmigung für die im Golf von Mexiko verunglückte Förderplattform "Deep water Horizon". Das Unglück am 20. April hat zu einer Ölpest geführt, die nun die größte Umweltkatastrophe in der Geschichte der USA zu werden droht.

Wie das Blatt unter Berufung auf Unterlagen des Bundes und Angaben aus Mitarbeiterkreisen berichtete, holte sich die US-Behörde für Rohstoffverwaltung (Minerals Management Service, MMS) in hunderten Fällen nicht die gesetzlich vorgeschriebenen Stellungnahmen der Wetter- und Ozeanografiebehörde (National Oceanic and Atmospheric Administration, NOAA) ein. Die NOAA ist zuständig dafür, bedrohte Arten und Meerestiere zu schützen.

Druck auf Wissenschafter

Zudem sei Druck auf die MMS-Wissenschafter ausgeübt worden, die Ergebnisse ihrer Befunde zu ändern, wenn diese vor einem Unglück oder einer Bedrohung für die Tierwelt gewarnt hätten.
Eine Sprecherin der MMS sagte der Zeitung, ihre Behörde habe Rücksprache mit der NOAA über den Schutz gefährdeter Tierarten im Golf von Mexiko geführt. Auf die Frage, ob sich die MMS auch die erforderlichen Zulassungen eingeholt habe, antwortete sie nicht. Sie warf der Regierung des früheren Präsidenten George W. Bush vor, die Wissenschaft unter Druck gesetzt zu haben.
Im Golf von Mexiko strömen seit der Explosion auf der "Deepwater Horizon" schätzungsweise 800.000 Liter Öl am Tag ins Meer. Das Betreiberunternehmen BP steht unter Druck, das Leck zu stopfen.

Am Freitag (Ortszeit) wollten Experten das aus dem Hauptleck sprudelnde Öl mit einem zweiten, dünneren Rohr abpumpen und in einen Tanker leiten. Der Versuch, das Loch mit einer Stahlglocke abzudecken, war zuvor abgebrochen worden. (Reuters/DER STANDARD, Printausgabe, 15./16. Mai 2010)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Diese Aufnahme vom 14. Mai zeigt, wie immer noch Öl aus einem gebrochenen Rohr austritt

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