Medwedew sieht Lulas Vermittlung als "fast letzte Chance"

14. Mai 2010, 17:15
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Brasilianischer Präsident spricht von "Dialogangebot"

Moskau - Im Atomstreit mit dem Iran hat der russische Präsident Dmitri Medwedew den geplanten Besuch seines brasilianischen Amtskollegen Luiz Inacio Lula da Silva in Teheran als "fast letzte Chance" bezeichnet. Falls Lula dort in den kommenden Tagen nichts erreiche, seien Sanktionen gegen den Iran nahezu unvermeidlich. Das sagte Medwedew am Freitag nach einem Treffen mit dem brasilianischen Präsidenten in Moskau nach Angaben der Agentur Interfax.

Brasiliens Staatschef nannte seine geplante Reise ein "Dialogangebot". Er fliege mit der Überzeugung nach Teheran, dass er seinen Amtskollegen Mahmoud Ahmadinejad zur Zusammenarbeit mit der internationalen Gemeinschaft bewegen könne, sagte Lula.

"Ernsthaft über Sanktionen sprechen"

Laut Medwedew liegen die Kompromissangebote für den Iran schon länger auf dem Tisch. "Falls Teheran sie nicht annimmt, wird man sehr ernsthaft im UNO-Sicherheitsrat über Sanktionen sprechen." Vor seinem Treffen mit Lula habe er sich am Vortag telefonisch mit US-Präsident Barack Obama abgestimmt, sagte der Kreml-Chef. "Wenn der Iran einlenkt, wird er einen würdigen Platz in der Reihe jener Länder erhalten, die die Atomkraft zivil nutzen." Er verhehle aber seine Skepsis nicht und gebe Lulas Mission in Teheran nur "eine 30-prozentige Erfolgschance". Russland ist im UNO-Sicherheitsrat Vetomacht, während Brasilien derzeit nichtständiges Mitglied ist.

Nach Angaben von Michail Dmitrijew, Chef des Föderalen Dienstes für militärtechnische Zusammenarbeit, verhandelten Medwedew und Lula auch über eine mögliche Lieferung von russischen Luftabwehrsystemen an Brasilien. Eine endgültige Vereinbarung sei aber nicht getroffen worden, sagte Dmitrijew. Vor zwei Jahren hatte Brasilien bereits russische Militärhubschrauber gekauft.

Medwedew und Lula kündigten an, im bilateralen Handel verstärkt auf die eigenen Währungen zu setzen. "Kein Euro, US-Dollar oder keine andere Währung kann behaupten, sie sei eine weltweite und alle Staaten schützende Währung", sagte der Kreml-Chef. Die beiden Präsidenten vereinbarten auch eine engere Zusammenarbeit im Energiesektor und bei der Weltraumforschung. Außerdem soll sich Russland an der Ausbeutung von Erdölvorkommen in Brasilien beteiligen. Die beiden Staaten kooperieren bereits stark im BRIC-Bündnis aus Brasilien, Russland, Indien und China.

Lula wollte von Moskau aus nach Katar und dann nach Teheran reisen. (APA/dpa)

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