Im Land von Clearasil

14. Mai 2010, 17:08
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Immer dann, wenn in Rosamunde-Pilcher-Land, also auf den malerischen Klippen Cornwalls, Bildausfall herrscht, schlägt die Stunde der Schweden

Immer dann, wenn in Rosamunde-Pilcher-Land, also auf den malerischen Klippen Cornwalls, Bildausfall herrscht, schlägt die Stunde der Schweden. Liebestechnisch wird Schweden, die mindestens zweitschönste TV-Kulisse, von einer Dame namens "Inga Lindström" bewirtschaftet.

Hinter dem Namen Lindström, der nach schwerem, dunklem skandinavischen Waldhonig duftet, verbirgt sich eine Ravensburger Drehbuchautorin. Frau Christiane Sadlo - so die bürgerliche Anrede - hat von ihrer reichlich betagten Kollegin Pilcher einiges gelernt.

Zunächst ist Lindströms Schweden eine aushäusige deutsche Provinz. Schöne, mittelalte Menschen mit stark niedersächsisch klingendem Akzent gehen unschuldigen Hobbies nach, die zugleich, aufgrund einer wunderbaren Fügung, ihre Brotberufe darstellen.

Sie segeln durch Sunde und blicken auf Fjorde. Sie sind überhaupt sehr versonnen, da in jedem von ihnen die biologische Uhr tickt. Gleich wird ein Pferdezüchter oder Lachsfarmer im Tweedsakko um die schwedische Tanne biegen, der hilft, den lange gehegten Kinderwunsch zu erfüllen.

Inga-Lindström-Menschen besitzen Eigenheiten, die sie sehr angenehm von der industriellen Moderne abheben. Noch nie hat man eine Hautunreinheit auf ihren ebenso makellosen wie leeren Gesichtern entdeckt. Sie haben Haushaltsperlen, die ihnen Abendbrot auf Zuruf bereiten. Dafür holt man uralte Porzellanservice aus geschmackvollen Anrichten und fältelt aus Stoffservietten lustige Ziehharmonikas.

In Lindström-Land geht die Sonne nie unter. In diesen Breiten trinkt man Clearasil. (Ronald Pohl, DER STANDARD; Printausgabe, 15./16.5.2010)

  • Im Land von Inga Lindström.
    foto: orf/zdf/marco meenen

    Im Land von Inga Lindström.

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