Ioan Holenders Abschiedsstil

14. Mai 2010, 16:31
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Eigentlich bescheiden - Von Ljubiša Tošić

Eine Direktionszeit geht zu Ende, jene des Staatsoperndirektors, und es gibt Symptome des Abschieds. Eine Matinee mit der Präsentation einer "Holender-Sonderbriefmarke" und des Buchs Ich bin noch nicht fertig - Erinnerungen ist zu erwarten. Und einige Junitage später reist ein Teil der Opernwelt an, um die "Rückschau der Direktion Holender" mitzugestalten, bei der Ausschnitte aus 40 Produktionen der Holender-Zeit gezeigt werden.

Hinter sich hat die Öffentlichkeit den Kinderoper- und Opernballsänger Holender, vor sich einen Prachtband zu seinen Staatsopernjahren. Schon sind Meinungen im Umlauf, dies sei des Unbescheidenen zu viel. Uns hingegen kommt der Abschiedsdirektor dezent vor, es ist bis dato ja einiges ausgeblieben. Und alles oben erwähnte dient ja nur dazu, Opernpublikum zu locken.

Die Umbenennung des Karajan-Platzes, ja nicht einmal die Errichtung eines Holender-Denkmals hat er, soweit bekannt, angestrebt. Auch von einer Holender-Torte oder einem Holender-T-Shirt haben wir keine Kenntnis; wie uns auch Pläne für eine Holender-Goldmünze oder das Verewigen seines Antlitzes auf einem Euro-Schein unbekannt sind.

Ja, es ist nicht einmal sicher, dass er in der Ära seines Nachfolgers Meyer an die Staatsoper als Sänger zurückkehren wird. Eigentlich zurückhaltend also, der Mann. (Ljubiša Tošić, DER STANDARD/Printausgabe, 15./16.05.2010)

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