Das Fliegenhirn befiehlt, was auf den Speisezettel kommt

15. Mai 2010, 16:20
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Wiener Wissenschafter entdeckten, wie die Nahrungsaufnahme der Insekten dem jeweiligen Bedarf angepasst wird

Wien - Wissenschafter um Barry Dickson am Forschungsinstitut für Molekulare Pathologie (IMP) in Wien haben entdeckt, dass Fruchtfliegen genau wissen, was sie gerade brauchen, und ihre Nahrungsaufnahme den jeweiligen Bedürfnissen anpassen. Für die in der Wissenschaftszeitschrift Journal Current Biology veröffentlichten Arbeiten wurden die Fliegen unter anderem auf verschiedene Diäten gesetzt und dann ihre Fressgewohnheiten dokumentiert.

Um das Fressverhalten zu dokumentieren, ließen sich die Forscher einen simplen, aber raffinierten Trick einfallen. Das mit Hefe angereicherte Futter wurde blau eingefärbt, die zuckerreiche Nahrung rot. Um herauszufinden, was die Fliegen gefressen hatten, mussten die Forscher nur den transparenten Leib der Fliegen unter dem Mikroskop betrachten.

Weibchen reagieren schneller

Es zeigte sich, dass sich die Ernährungs-Vorlieben der Tiere je nach Nährstoff-Bedürfnis des Körpers ändern, aber auch vom Geschlecht und dem jeweiligen Paarungszustand abhängen. Wenn die Tiere ausreichend mit Zucker und Eiweiß versorgt sind, verschmähen sie eiweißreiches Futter. Nach einigen Tagen unter eiweißarmer Diät bevorzugen sie jedoch das mit Hefe versetzte, proteinreiche Futter. Weibchen ändern dabei ihre Präferenz rascher als Männchen, befruchtete Weibchen rascher als jungfräuliche.

Die Wissenschafter fanden aber auch heraus, welche Moleküle im Fliegen-Gehirn dafür verantwortlich sind, Proteinmangel zu erkennen und auf andere Nahrungsquellen umzuschalten. Auch jene Moleküle und Neuronen können beschrieben werden, welche die befruchteten Weibchen rascher reagieren lassen. Dieser Fühler scheint auch bei anderen Spezies das Fressverhalten der Weibchen zu regulieren.

Bluthunger chemisch unterdrücken

Weibliche Moskitos etwa sind auf Blut als Eiweißquelle angewiesen, damit sich ihre Eier entwickeln können. Der Impuls, zu stechen und Blut zu saugen, könnte durch den gleichen molekularen Sensor gesteuert sein wie bei Fruchtfliegen, so die Forscher. Damit könnte der Bluthunger von Malaria-übertragende Mücken unterdrückt und der Übertragungsweg der Malaria-Parasiten blockiert werden. Selbst auf Wirbeltiere und damit den Menschen würden sich die Erkenntnisse übertragen lassen. So könnte die Regulation der Aufnahme von Eiweiß und Kohlenhydraten möglicherweise auch bei der Entstehung von Essstörungen von Bedeutung sein. (red/APA)

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