Zykliker und südeuropäische Börsen mit Outperformance

14. Mai 2010, 15:28
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Ein Kommentar von Stephan Lingnau aus dem Equity Weekly der Erste Group

Nachdem sich die Renten, Währungs- und Aktienmärkte in der letzten Woche sehr volatil entwickelten gab die EZB am Montag um 3.15 Uhr MESZ bekannt selbst erstmals Staatsanleihen aufzukaufen um die Euro-Zone zu stabilisieren. Der Stresslevel an den Märkten nahm daraufhin deutlich ab. Die frische Liquidität und die Zuversicht, dass alles unternommen wird um Griechenland zu stützen, sorgten zumindest kurzfristig für eine Erholung an den Märkten. Der Stoxx 600 legte diese Woche so um über 4% zu. Über die Details der Ankäufe schweigt sich die EZB derweil aber aus. Es scheint man will den Markt im Unklaren und rätseln lassen. Die zusätzliche Liquidität, die den Märkten durch die Ankäufe zugeführt werde, werde
aber vor allem durch Ausschreibung verzinslicher Termineinlagen wieder abgeschöpft werden, meint Trichet.

Im Stoxx 600 zeigten diese Wochen zyklische Sektoren wie Automobil (+8%), Rohstoffe (+7%) und Industrie (+6%) eine Outperformance. Auch Banken und Versicherungen stiegen mit 8% überdurchschnittlich. Lokal schlossen die meisten europäischen Leitindizes auf Wochensicht mit einem Plus von 3-6%, der Rebound an den südeuropäischen Börsen blieb dabei unterdurchschnittlich wenn man den Absturz zuvor betrachtet. Seit Jahresbeginn zeigte sich eine sehr unterschiedliche Entwicklung an den größten Aktienmärkten in Europa. Der Cac 40 (-8%), der MIB (-13%) und der IBEX 35 (-20%) sanken deutlich. Lediglich der DAX notiert klar im Plus (+4%). Der FTSE 100 und der SMI notieren fast unverändert seit Anfang 2010. Der
ATX zeigte mit einem Plus von 3% in etwa dieselbe Performance wie die Indizes in Schweden, Finnland, und Polen.

An den Rohstoffmärkten zeigte sich eine moderate Erholung. Kupfer und Aluminium legten um 3% zu, notieren aber noch 10% unter den Kursen zu Jahresbeginn. Das Sentiment gegenüber Basismetallen bleibt weiterhin gedämpft. Insbesondere der anhaltende Abwärtstrend an der chinesischen Börse (Shanghai Composite: -18% in 2010) bereitet Rohstoffhändlern Sorgenfalten. Es wird befürchtet, dass es beim Platzen einer Immobilienblase in China zu einem Rückgang der Importe von Basismetallen kommen wird. Das Barrel Brent
notiert bei USD 78 (-2%). In Euro blieb der Preis aufgrund des Dollaranstiegs unverändert (EUR 63/Barrel). Der Euro fiel zum ersten Mal seit März 2009 unter USD 1,25.

Ende der Woche sorgten die Kommentare von Josef Ackermann und dem Paul Volcker für Verunsicherung an den Märkten. Der Ex-Präsident der Fed und Berater von Präsident Barack
Obama hält das EUR 750 Mrd. schwere Rettungspaket für eine Gefahr für die Disziplin: "Die Euro-Zone steht vor dem Problem der Auflösung", sagte Volcker. "Die Disziplin in der
Wirtschafts- und Haushaltspolitik wurde bisher nicht belohnt." Der Chef der Deutschen Bank Ackermann glaubt unterdessen nicht, dass Griechenland seine Kredite vollständig zurückzahlen können wird. Er forderte Athen zum radikalen Sparen auf - um Europa vor einer "Kernschmelze" zu bewahren.

Die Deutsche Bank selbst, die UBS, Credit Suisse, Crédit Agricole sowie vier große US-Banken sind derweil ins Visier der US-Justiz geraten. Wieso haben Ratingagenturen Schrotthypotheken jahrelang exzellent bewertet? Dieser zentralen Frage der Finanzkrise geht man jetzt einer vorläufigen Untersuchung nach. Die Institute stehen im Verdacht, die drei
großen Rating Agenturen durch falsche Informationen zu einer Besserbewertung ihrer Hypotheken-Absicherungen bewegt zu haben. In einem anderen Fall wurde die Deutsche Bank
mit einem Bußgeld von USD 575.000 wegen systematischer Regelverstöße im Zusammenhang mit Leerverkäufen verhängt. Die US-Wertpapiertochter der Deutschen Bank habe regelwidrig sogenannte ungedeckte Leerverkäufe ermöglicht.

Das BIP der Eurozone konnte zum Jahresbeginn wie erwartet moderat um 0,2% Q/Q zulegen. Die Jahresrate von +0,5% drehte erstmals seit September 2008 wieder in den positiven
Bereich. Die Firmen konnten auch diese Woche mit ihren Ergebnissen zum größten Teil positiv überraschen. Bereits mehr als zweidrittel der Unternehmen im Stoxx 600 haben Zahlen
vorgelegt. Beim Gewinn konnten 65% der Unternehmen positiv überraschen. Beim Umsatz waren es 63%.

Im scharfen Konkurrenzkampf mit dem US-Wettbewerber Oracle ist SAP bereit, EUR 4,6 Mrd. für den Erwerb von Sybase zu zahlen. Der zweite große Zukauf in drei Jahren soll der finanzstarken SAP Millionen neuer Kunden bescheren, die ihre Firmendaten künftig verstärkt auf mobilen Geräten analysieren und nicht länger nur im Büro abrufen.

Telefonica hat im ersten Quartal einen Gewinn von EUR 1,6 Mrd. (+2%) vorgelegt. Gute Geschäfte in Lateinamerika glichen Umsatzverluste am Heimatmarkt aus. Dennoch blieb der
Konzern hinter den Markterwartungen zurück. Der Konzern bestätigte aber seine Geschäftsziele für 2012. Telefonica will angesichts der Geschäftsentwicklung ganz auf Lateinamerika setzen und sich deshalb für EUR 5,7 Mrd. die vollständige Kontrolle über den größten brasilianischen Mobilfunk-Anbieter Vivo sichern, derzeit ein Gemeinschaftsunternehmen zwischen Telefonica und Portugal Telecom. PT hat jedoch in dieser Woche einen Verkauf ihres Anteils strikt abgelehnt.

Die Allianz hat im ersten Quartal überraschend gut verdient. Unter dem Strich ist dank Zuwächsen in der Lebens- und Krankenversicherung sowie der Vermögensverwaltung ein Gewinn von EUR 1,58 Mrd. geblieben nach nur EUR 29 Mio. im Jahr zuvor. Der Konsens hatte im Schnitt nur mit gut EUR 1,1 Mrd. gerechnet. Positiv wirkte sich zu Jahresbeginn die Erholung an den Börsen aus: Die Abschreibungen auf Wertpapiere sanken um EUR 700 Mio. auf 52 Mio.

Die Royal Bank of Scotland schreibt wieder schwarze Zahlen. Im Vergleich zum Vorjahr hat das in der Finanzkrise teilverstaatlichte Bankhaus hat im ersten Quartal seinen operativen Gewinn auf umgerechnet EUR 840 Mio. verdreifacht. Hauptgrund waren geringere Abschreibungen auf faule Kredite.

Die Aschewolke des isländischen Vulkans hat Air France-KLM schwer zu schaffen gemacht. Das Passagieraufkommen ging im April um 23,5% zurück. Noch im März hatte die Fluglinie
dank der Erholung in der Luftfahrt ein deutliches Plus bei den Passagieren gemeldet.

Noch in diesem Jahr will British Airways die Iberia übernehmen. Schon vorher erfreuen die Spanier die Briten: Iberia konnte den Verlust fast halbieren. Der Sparkurs und stabile Passagierzahlen hätten dazu ebenso beigetragen wie eine um 21% gesunkene Treibstoffrechnung.

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