Ottakring: Junge Hippe in buntem Wohngebiet

17. Mai 2010, 13:10
  • Der Brunnenmarkt als Schlagwort für multikulturelles Miteinander und Vorzeigegrätzl für Integration.
    foto: derstandard.at/graf

    Der Brunnenmarkt als Schlagwort für multikulturelles Miteinander und Vorzeigegrätzl für Integration.

  • Der Yppenplatz, wo sich in den vergangenen Jahren vermehrt Studenten
 und Jungfamilien ansiedeln.
    foto: heribert corn

    Der Yppenplatz, wo sich in den vergangenen Jahren vermehrt Studenten und Jungfamilien ansiedeln.

  • Das Gelände der Ottakringer Brauerei.
    foto: robert newald

    Das Gelände der Ottakringer Brauerei.

  • Ergebnis Ottakring Gemeinderatswahl 2005. Quelle: wien.gv.at
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    Ergebnis Ottakring Gemeinderatswahl 2005. Quelle: wien.gv.at

  • Ergebnis Ottakring Bezirksvertretungswahl 2005. Quelle: wien.gv.at
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    Ergebnis Ottakring Bezirksvertretungswahl 2005. Quelle: wien.gv.at

Der 16. Bezirk erlebt einen Ansturm urbaner "Erfolgsmenschen" - Die SPÖ ist seit Jahrzehnten an der Macht

Der Yppenplatz ist für Wien, was der Prenzlauer Berg für Berlin ist: das neue Mekka des multikulturellen Miteinanders. Wobei weniger des Mit- denn des friedlichen Nebeneinanders. Denn der 16. Wiener Gemeindebezirk erlebt seit der Jahrtausendwende einen Ansturm urbaner Erfolgsmenschen. Eine Art innerstädtische Völkerwanderung zieht die jungen hippen Studenten, Kreativen und Jungfamilien in ein Viertel, dessen Wohngebiet man in einigen Bereichen als heruntergekommen bezeichnen kann. Sie drücken diesem Viertel ihren Stempel auf und machen aus der "Tristesse eine Idylle für eklektische Besserverdiener", wie die Zeitung "Die Zeit" einmal über das ähnliche Phänomen in Berlin schrieb.

Ottakring hat den fünfthöchsten Anteil an Migranten in Wiener Bezirken, der Brunnenmarkt wurde in den vergangenen Jahren zum Schlagwort für multikulturelles Miteinander, zum Vorzeigegrätzl für Integration. Insgesamt knapp 95.000 Einwohner hat der Bezirk, in dem Viertel rund um den Brunnenmarkt wohnen 7000 Menschen, 41 Prozent von ihnen sind Ausländer. An den dortigen alten Zinshäuser hat der Zahn der Zeit genagt, sie werden von der Bezirksverwaltung gerade um 2,4 Millionen Euro renoviert.

Friedliches Neben- statt Miteinander

Ottakring beherbergt - so scheint es - jede mögliche gesellschaftliche Lebensform: Es geht von der uncharmanten Gegend in Gürtelnähe über die Mischung Wohlhabender und weniger Reicher, dem Miteinander von Aus- und Inländern bis hin zu den Cottagevierteln an den Hängen des Wienerwalds, wo die Reichsten wohnen.

Der Schein des bunten gemeinsamen Treibens trügt jedoch: Von außen betrachtet reihen sich zwar Galerien, Grafikbüros, Bioläden und Straßencafes an Marktstände und türkische Lebensmittelgeschäfte, auf den zweiten Blick wird aber deutlich, dass hier jeder lieber für sich bleibt. Die reicheren Inländer drängen in die Immobilien und die Infrastruktur, die Ausländer ziehen sich in ihre Lokale und Blöcke zurück.

Ein Anziehungspunkt für Jungfamilien

Auf dem Immobilienmarkt legt der Bezirk rasant an Beliebtheit zu, vor allem wegen der Verbindung zwischen dem Grün auf der einen und der städtischen Nähe auf der anderen Seite. Der Durchschnittsottakringer ist jünger als der Durchschnittswiener - die Zahl der 15 bis 59-Jährigen liegt deutlich höher als im Wien-Durchschnitt - die Anzahl der Kinder ein wenig höher.

150 Meter vom Brunnenmarkt entfernt liegt der Yppenplatz, der in den vergangenen Jahren zum neuen, schicken Grätzl mutierte: Studenten und Jungfamilien, die junge, urbane Szene fühlt sich seit der Jahrtausendwende vermehrt dazu berufen, dort hinzusiedeln. Der Platz, der gemeinsam mit dem Brunnenmarkt 550 Betriebe beheimatet, ist der neue Treffpunkt der so genannten Bobos (bourgeois Bohemiens). Die Gefahr, dass der Bezirk ob der beiden verschiedenen Welten auseinanderdriftet, besteht. Deshalb buttert die Gemeinde seit Jahren Geld in den Bezirk, um die Infrastruktur zu modernisieren und Substandardwohnungen herzurichten.

SPÖ hat die Absolute

Ottakring wird bereits seit 1946 von der SPÖ dominiert. Franz Prokop ist seit 2004 Bezirksvorsteher. Seine Herausforderer, die Bezirksobleute der anderen Parteien sind Werner Suppan (VP), Christian Hein (FP) und Martin Grabler (Grüne).

Dennoch ist der Bezirk fest in SP-Hand, was nicht nur daran liegt, dass der momentane Bürgermeister Michael Häupl hier lebt. Knapp 52 Prozent der Ottakringer wählten bei den bisher letzten Wien-Wahlen 2005 die SPÖ. ÖVP und FPÖ lagen mit je 15 Prozent gleichauf. Die Grünen erreichten 14 Prozent der Stimmen.

Das 16er Blech und die Meinl Rösterei

Bis zum Zweiten Weltkrieg gab es eine große Anzahl von Industriebetrieben, danach folgte eine Ausgliederung der Fabriken aus den Wohngebieten. Die bekanntesten bestehenden Betriebe sind die Ottakringer Brauerei, die letzte verbliebende Großbrauerei Wiens, deren Bier im Wienerischen auch als „16er Blech" firmiert. Außerdem gibt es eine Rösterei der Firma Julius Meinl und Liegenschaften des Marmeladenherstellers Staud. (nik, derStandard.at, 17.5.2010)

Infos zum Bezirk:
Wahlberechtigte: 59515 (Stand 2009)
Bezirksvorsteher: Franz Prokop (SPÖ)
Bezirksvertretung (in Mandaten): SPÖ 31, ÖVP 9, FPÖ 9, Grüne 9

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Dafür wird die Ottakringerstraße immer hässlicher

1 Euro shops und andere Billigläden reihen sich aneinander. Der einzige Pluspunkt sind die Öffis, mit denen ist man gleich im 8. bzw. 1. Bezirk.

Rund um den Brunnenmarkt gibt es lauter FPÖ-Wähler!

Wegen den Ballungsraum mit Ausländern, weil dort die Mieten billig sind.
Aber mittlerweile sind auch Menschen bekehrt worden und verstehen sich sehr gut mit den Ausländern.

der 16. Bezirk wird immer schircher

und die neuen szenelokale vom naschmarkt machen sich jetzt auch auf dem Yppenplatz breit. die zwei märkte werden immer ähnlicher. Jetzt sitzen ausländer und inländer am yppenplatz noch an getrennten tischen. das wird sich ändern, denn bald haben die ausländer dort keinen platz mehr, weil sie durch die schicken szenelokalen ebenfalls vertrieben werden. dann dürfen die ausländer vielleicht noch die bankplätze nebenan einnehmen, aber wie lange, das bleibt offen, bald werden die bobos auch dort den raum einnehmen. ich geh wieder auf den meislmarkt, da ist es gott sei dank noch nicht so.

ich finds am brunnenmarkt toll!
betreibe dort seit drei jahren eine gastronomie als hobby, und ich moechte nicht mehr weg vom bm!
ich weiss, dass wien bzw. ganz at enorm auslaender feindlich ist, aber solche leute sind am bn eh nicht willkommen. nazis und fremdenfeindliche sollen lieber unter sich bleiben!
es gibt genug intelektuelle multikulti oesterreicher die sich am bn sehr wohl fuehlen! das ist unser ziel publikum und es wundert mich, dass im standard.at forum 75% auslaender feindliche poster befinden!

Mekka und Multikulturalität?

Das geht nicht zusammen.

Mal Fakten 2

Im Brunnenviertel gibts 278 Liegenschaften, davon wurden in den letzten Jahren 32 saniert oder neugebaut. Die Neu-Ottakringer wirken dem Geschäfte- und Marktsterben entgegen. Die Kaufkrafterhöhung kommt dem gesamten Bezirk zugute.

sind da "neugebaute" marktstände eingerechnet?

also bildet man

sich steigende Mieten (zb Grundsteingasse) nur ein?

Mal Fakten

Ottakring liegt an 10. Bezirksstelle in der Kriminalstatistik 2009. Pro EinwohnerIn gerechnet wärs noch weiter hinten, die Erhöhung von 2008 ist gering im Wienvergleich.

Vindobona

Mit Ausschnitten von anderen Flecken aus Ottakring (Steinhofgründe, Thaliastraße):
http://www.youtube.com/watch?v=Yg72YXMRvKg

ein paar gedanken eines ottakringers (lebe seit 7 jahren hier): 1. die ottakringer und thaliastrasse versiffen! (die ottakringer mehr); 2. multikulti ist eine illusion, parallelwelten eher realistisch; 3. westlich der wattg. wird es besser, westlich der sandleiteng. dann erstmals schön; 4. grünflächen sind mangelware; 5. tempo 30-zonen gelten in diesem bezirk offenbar als aufforderung 80 aufwärts zu fahren; 6. im nordwestlichen teil wird gebaut wie wild; 7.ebendort liegt das augenmerk der bezirksverwaltung auf der schaffung von gehsteigohrwascheln, um die ohnehin kargen parkplätze zu reduzieren (bäume werden dort trotzdem nicht hingepflanzt); 8. soll ein park einer tiefgarage weichen; 9. absolute der spö im 16. fraglich...

Besuchen die Kinder der Brunnenbewohner einen städtischen Kindergarten im 16. Bezirk?
Besuchen die Kinder eine öffentliche Volksschule im 16. Bezirk?
Besuchen die Eltern mit den Kindern gerne einen öffentlichen Spielplatz im 16. Bezirk?
Kaufen Sie sich und Ihren Kindern am liebsten gesundes wohlriechendes China-Schuhwerk und
den daneben in der Sonne aufgebahrten Käse vom "Nahversorger" Brunnenmarkt?

Nein? Wohlfühlen tun Sie sich eigentlich primär im Ghetto Yppenplatz und knapp drum herum?

Ein bisserl wenig für einen lebenswerten Bezirk, oder?

erinnert mich ein bisserl an die schönen damen, welche ins hinterste indien zum wellnessen fahren.

das perverse ist, dass man den türken (oder jugo, ... whatever) zum "edlen wilden" hochstilisiert und ihm damit erst recht den status eines exoten verpasst.

und wenn dann einer völlig zu recht sagt "wurscht woher, deutsch muss er können und mit uns spielen - DANN erst können wir über musik, festl, muezzin und schnapsbrennen reden", ja, dann zucken die "toleranten" aus.

es wäre ja rassismus, an einen "edlen wilden" dieselben erwartungen wie an einen österreicher zu stellen. der "kann halt nicht" die sprache, den mist trennen, die frauen gleichbehandeln, seine kinder ordentlich erziehen, die schule meistern, einen stvo-kompatiblen hassan-porsche fahren, oder was auch immer. seit wann interessiert das "kann/mag nicht" denn so sehr ?

ich wohne seit 4 jahren in Ottakring und bin dort in meinem Wohnhaus von Ausländern umgeben. Das sind weder "edle" noch "wilde" sondern halt ganz normale Menschen von denen ich sehr wohl alles erwarten kann was ich von jedem anderen auch erwarte. Das irgendwer in Österreich Ausländer hochstiliert, wär mir noch nicht aufgefallen. Aber über irgendwas muss man sich anscheinend immer aufregen...

*schnarch*

wer sagt bitte, dass zuwanderer nicht deutsch lernen sollten? aber was hat das zum beispiel nochmal mit der religionsfreiheit zu tun? steht in der verfassung, dass es dazu einen deutschtest braucht, oder was? menschenrechte gibt es nur mit deutsch 1+, oder wie?

sie finden aus dem halben dutzend themen den muezzin am wichtigsten ?

nun, die zahl der kirchenaustritte belegt eindrucksvoll, für wie wichtig hierzulande religion gehalten wird.
wenn die religion nun wichtiger als zusammenleben, arbeiten und all das scheint, wäre die passende berufswahl möglicherweise eher mujaheddin.

nachdem libyen in den menschenrechtsrat gewählt wurde, ist ihre frage nach dem menschenrecht religion einfach zu beantworten: alles, was von der staatsreligion abweicht, wird dort mit verlust der staatsbürgerschaft geahndet. dagegen wird hier so human verfahren, dass weitere aufregung gar nicht lohnt.

hallo HCirsch
ich wuensche ihnen einen Tuerkei Urlaub, die Gastfreundschaft dort wird ihnen gut tun.
Vielleicht lernen sie dort auch das Glas halb voll zu sehen.

hallo flixulus

ich wünsche ihnen einen israel-urlaub - da könnten sie vielleicht mal sehen, was die türkei international so für spielchen treibt.

was mich anbelangt - ich war schon in der türkei, in griechenland auch. was sagt das aus ? gar nichts. es sind weder dieselben leute, noch relevant hinsichtlich politik und problemchen. anders gesagt: die freundlichen touristenfallen sind weder die leute, die politik machen, noch jene, die hierzulande einwandern.

gratuliere. einerseits zur aussage, andererseits, dass dein posting überhaupt freigeschalten wurde.

wahrscheinlich lag es am hassan-porsche...

Wenn man sich die Postings so ansieht:

Eigentlich können wir Ottakringer/innen ja froh sein, dass die schwer paranoiden und zT faschistoiden Leute, die hier posten, in anderen Bezirken wohnen ;)

Bin ich. :-)

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