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Das Interesse am neuen Doktorat sei an der Universität Wien nach wie vor hoch, sagt Lucas Zinner, Projektleiter des Doktorandenzentrums der Uni. Zwar habe es im Sommersemester 2009 einen sprunghaften Anstieg bei den Inskriptionen gegeben, jetzt sei man aber wieder auf dem durchschnittlichen Niveau der vorangegangenen Jahre.
Der wissenschaftliche Anspruch sei derselbe geblieben, durch die Erhöhung der Mindeststudienzeit um ein Jahr wurde die Dauer aber realistischer bewertet. Denn auch im alten Doktoratsstudium liege die durchschnittliche Studiendauer bei neun Semster.
Neu sei auch, so Zinner, dass der Output nicht nur die Dissertation, sondern ein junger Wissenschafter sei. Dass doppelt so viele verbindliche Lehrveranstaltungen absolviert werden müssen und Wert auf Publikationen und die Teilnahme an Konferenzen gelegt wurde, sieht Zinner jedenfalls nicht als Hinderungsgrund. Im Gegenteil, wer ernsthaft eine wissenschaftliche Karriere anstrebt, müsse seine wissenschaftlichen Leistungen auch außerhalb der Universität nachweisen und sich mit einer internationalen Konkurrenz messen. Die Zeit der schnellen Titelkämpfe sei jedenfalls vorbei, so die Vermutung von Zinner.
Echtes Studienprogramm
Mit dem neuen Doktorat wurde die oberste Stufe der akademischen Bildung zu einem echten Studienprogramm weiterentwickelt, ergänzt Herbert Kalb, Vizerektor für Lehre an der Johannes-Kepler-Universität Linz. Auch an der Linzer Uni hat das neue Doktorat zu keinen signifikanten Veränderungen bei den Inskriptionen geführt. Im Zentrum stehe die forschungsgeleitete Lehre - inwieweit dadurch das Niveau des Doktorats verändert werde, könne erst in einigen Jahren beurteilt werden.
Fest stehe jedenfalls, dass durch die verbindlichen Lehrveranstaltungen ein berufsbegleitendes Doktoratsstudium schwieriger, aber nicht unmöglich wurde. Und nachdem derzeit über 80 Prozent der Studierenden nach dem Bachelor-Studium gleich ein Masterstudium absolvieren, sei es fraglich, ob dann noch genügend Energie für ein Doktorat vorhanden sei, so Kalb.
Für Zinner hat das Doktoratsstudium durch die Umstrukturierung an Attraktivität gewonnen - neben dem verstärkten Forschungscharakter wurde auch ein stärkerer Fokus auf die Karriereplanung gelegt. Durch das Verfassen eines Exposés in der Studieneingangsphase werde von Anfang an ernsthafter und konkreter an das Studium herangegangen. "Wenn jemand eine Reise machen möchte, überlegt er sich ja auch im Vorfeld, was er dort alles unternehmen will" , so Zinner. Eine realistische Planung sei eine Grundvoraussetzung für den erfolgreichen Studienabschluss.
Denn die Dropout-Quote unter Doktoratsstudierenden sei hoch, und viele würden nur formal ins Studium einsteigen. Interessant werde, wie viele auch tatsächlich eine Dissertationsvereinbarung abschließen werden. "Von diesen möchten wir niemanden verlieren" , ergänzt Zinner. (Gudrun Ostermann/DER STANDARD; Printausgabe, 15./16.5.2010)
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