Transgener Baumwollfolgeschaden

14. Mai 2010, 12:17
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Bis jetzt hat transgene Baumwolle den Bauern in China vor allem Vorteile gebracht. Nun droht aber ein unerwartetes Problem

Die Futterwanzen, gegen die es kein "eingebautes" Gift gibt, vermehren sich dramatisch.

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Washington - Ob man es nun will oder nicht: Das meiste, was wir tagtäglich an Baumwollprodukten benutzen - ob T-Shirt, Tampon oder Euro-Geldschein - besteht mittlerweile zum überwiegenden Teil aus sogenannter Bt-Baumwolle. Diesen gentechnisch veränderten Pflanzen wurden Gene des Bodenbakteriums B. thuringiensis, die je Gifte bilden, eingeschleust die wiederum je nach benutztem Bt-Gen für bestimmte Käfer, Schmetterlingen und andere Schädlinge tödlich sind.

Verlässliche und in begutachteten Zeitschriften publizierte Studien über die Auswirkungen der Bt-Baumwolle sind nicht allzu häufig. Sie kamen bisher meist zu einem positiven Ergebnis. So etwa wurde in China für die Anbausaisonen 1999, 2000 und 2001 im Durchschnitt Insektizideinsparungen von 66 Prozent und Ertragssteigerungen von 24 Prozent errechnet. Vor zwei Jahren berichteten chinesische Forscher im US-Journal Science (Bd. 321, S. 1676), dass Bt-Baumwolle zu einer Reduktion des Schädlingsbefalls bei Mais, Erdnüssen, Sojabohnen und Gemüsearten geführt habe.

In ihrer neuesten, über zehn Jahre laufenden Studie (Science, online) kommen die zum Teil identischen Forscher nun zu einem etwas anderen Ergebnis: In den vergangenen Jahren hätten sich vor allem die Futterwanzen dramatisch ausgebreitet, die nicht Ziel der BT-Baumwolle sind und bisher in den betroffenen chinesischen Regionen als unbedeutende Schädlinge galten. Diese Wanzen fallen nun auch erstmals über Obstkulturen her.

Die Forscher schließen daraus, dass die Bekämpfung bestimmter Schädlinge zur Ausbreitung anderer führen können - und wollen diese Gefahr beim GMO-Anbau künftig besser berücksichtigt sehen. (Klaus Taschwer/DER STANDARD, Printausgabe, 14.05.2010)

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    Gegen Futterwanzen (unten) kommt Bt-Baumwolle nicht an. Deshalb haben sich die Schädlinge in China massiv ausgebreitet.

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    foto: science/aaas
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