Nebenwirkungen von "Magenschutz" unterschätzt

14. Mai 2010, 12:49
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Magenmedikamente steigern Gefahr von bakteriellen Infektionen und Frakturen - Forscher für zurückhaltendere Verordnung

Chicago - Ärzte sollten Medikamente zur Senkung der Magensäureproduktion zurückhaltender verschreiben. Die sogenannten Protonenpumpenhemmer steigern bei Patienten das Risiko für bakterielle Infektionen und bei älteren Frauen die Wahrscheinlichkeit für Frakturen, wie verschiedene Studien belegen. Zudem kritisieren die Mediziner, die Mittel würden viel zu häufig jenseits ihrer eigentlichen Anwendungsgebiete eingesetzt.

Protonenpumpenhemmer zählen in den USA wie auch in Deutschland zu den meist verordneten Medikamenten. Sie werden gewöhnlich bei chronischem Sodbrennen, Entzündungen der Speiseröhre oder Magengeschwüren verschrieben. Aber schätzungsweise die Hälfte bis zwei Drittel der Verordnungen richten sich in den USA gegen andere Probleme wie etwa Verdauungsstörungen.

Infektionsgefahr steigt

Nebenwirkungen der Arzneien stellt die Fachzeitschrift "Archives of Internal Medicine" in mehreren Studien vor. In einer Studie an Klinikpatienten steigerten die Mittel das Risiko für eine Infektion mit dem Krankenhauskeim Clostridium difficile um 74 Prozent. In einer zweiten Untersuchung an Patienten, die gegen diesen Erreger behandelt wurden, erhöhten die Säurehemmer die Wahrscheinlichkeit für eine Rückkehr der Bakterien deutlich. Zudem belegt eine Studie der Universität von Washington, dass diese Medikamente bei Frauen nach den Wechseljahren die Frakturgefahr erhöhen.

Deshalb sollten Ärzte Rezepte für solche Präparate zurückhaltend ausstellen, mahnen Mediziner der Universität von Kalifornien in einem Kommentar: "Wenn diese gängigen Medikamente gegen Beschwerden verordnet werden, bei denen sie keinen Nutzen bringen wie etwa bei Verdauungsstörungen, die nicht mit Magengeschwüren zusammenhängen, richten sie Schaden an." (APA)

Quelle: "Archives of Internal Medicine", Vol. 170, S. 747-748, 758, 765-790

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