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Das Material der unzähligen Metaphern

14. Mai 2010, 10:36
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Waldlichtung, Blätterdach oder einfach nur ein riesiger Felsbrocken im Hang - mit dem Baustoff Holz und diversen Holzwerkstoffprodukten greift so mancher Architekt in die Trickkiste der Symbolik

Rund 80 Prozent des jährlichen Holzein schnitts von rund 10 Millionen Kubikmetern werden in Österreich im Baubereich verwendet. Auch wenn die Entwicklung in den letzten Jahren deutlich zugenommen hat und die Anzahl an Holzbauten stark gestiegen ist, wird das Potenzial des Baustoffs immer noch viel zu wenig ausgeschöpft. "In Summe betrachtet ist Holz nicht immer der billigste Baustoff, doch die Möglichkeiten des umweltschonenden Materialtransports, der einfachen Vorfertigung im Werk und der raschen Endmontage vor Ort sprechen eindeutig dafür", sagt der grüne Landtagsabgeordnete Christoph Chorherr, der sich national und international für "Sustainable-Architecture"-Projekte einsetzt, zu denen auch das Bauen mit Holz gehört. "Und trotzdem scheint mir, dass der ökologische Aspekt der Holzwirtschaft immer noch zu wenig in den Vordergrund gerückt wird." 

Zwei Beispiele aus Oberösterreich und Salzburg

Demonstrationsvorhaben wie das Bürohaus der Österreichischen Bundesforste sind daher die perfekten Botschafter der Branche. Nachdem der regionale Sitz der ÖBf bis vor zwei Jahren in Gmunden war, beschloss das Unternehmen, nun an das südliche Ende des Traunsees zu ziehen. Aus einem kleinen geladenen Wettbewerb für das neue Bürohaus in Ebensee ging das oberösterreichische Büro F2 Architekten als Sieger hervor. "Für uns war von Anfang an klar, dass wir die Kombination aus traditionellem Baustoff und zeitgenössischerArchitektur anstreben", sagt Architekt Markus Fischer. "Ich denke, dass es mit diesem Projekt gelungen ist, ein Zeichen für das gesamte Salzkammergut zu setzen." 

Auffälligstes Element der hölzernen Kiste ist das weit auskragende Vordach. Tänzelnde Stützen, mal grad, mal schief, halten es in Schwebe. "Die schrägen Holzstützen, die hier zum Einsatz gekommen sind, sind eine Art Interpretation des Waldes", erklärt der Architekt. "Konstruktion muss nicht immer in einem rigiden Raster sein. Sie kann ruhig auch einmal ausbrechen." Die grüne Untersicht des Daches unterstreicht die Symbolik. Funktionales Asset dieses einprägsamen gestalterischen Elements ist freilich die Verschattung des Hauses. Auf punktuelle Außenverschattung an den Fenstern konnte somit verzichtet werden. Der Ausblick in die Landschaft ist das ganze Jahr über gewährt - auch im Sommer. 

Auch in den Innenräumen dominiert der Baustoff Holz. Die Fensterprofile, die trennenden Wandelemente, die Böden, ja sogar die Möbel erweisen dem Material alle Ehre. Einziger "Fremdkörper" sind die runden Stahlstützen entlang der Glasfassade zum Hof. Fischer: "Der Ausblick auf diese interne Lichtung des Hauses war uns sehr wichtig. Um die visuelle Einschränkung möglichst schmal zu halten, mussten wir hier aus dem System ausbrechen und auf Stahl ausweichen. Ich denke, die Kombination verträgt sich gut, man muss ja nicht kompromisslos stur auf dem Holzweg bleiben." Der Innenhof, sozusagen kontemplative Mitte mitsamt Wasserbecken und Steinformation, kann im Sommer mittels Sonnensegeln geschlossen werden und dient somit als kühle Lunge des Gebäudes. 

"Die Tatsache, dass wir zu Holz gegriffen haben, hat einen sehr einfachen Grund, und das hat nicht nur mit der Positionierung der Bundesforste zu tun", erklärt der Architekt. "Aufgrund der knappen Bauzeit von nur acht Monaten mussten wir den Rohbau so schnell wie möglich fertigstellen. Eine herkömmliche Massivbauweise hätte da niemals mithalten können." Dank dem Einsatz von Holzriegelwänden, die im Werk der ausführenden Firma Obermayr Holzkon struktionen GmbH vorgefertigt wurden, stand der Rohbau binnen zehn Wochen. Auch die Fassade wurde vorgeferigt. Sie besteht aus Dreischichtplatten aus Lärchenholz. Da funkeln die Augen des Architekten: Regenwetter, Witterung und Patina. Allein, wegen des Vordachs wird das Haus der ÖBf wohl langsamer ergrauen als die meisten seiner hölzernen Kollegen. 

Wie zum Beispiel das Besucherzentrum der Eisriesenwelt im salzburgischen Werfen. Letztes Jahr fertiggestellt handelt es sich dabei um das neue Rufzeichen am Portal in die eisigen Höhlen. 200.000 Besucher werden hier jedes Jahr abgefertigt, der größte Ansturm kommt in den beiden Sommermonaten Juli undAugust. Als steckte plötzlich ein riesiger Felsbrocken im Hang, taucht am Ende der Straße das expressive Gebäude auf. "Ich gebe zu, das war kein einfaches Projekt", sagt der Bischofshofener Architekt Werner Schmid. Grund für diesen Rückblick: Das Gebäude befindet sich nicht nur mitten im Landschaftsschutzgebiet Kalkalpen, sondern auch noch in einer lawinen-gefährdeten Zone. "Die Umstände auf dem Grundstück waren wichtige Einflussfak toren für den Entwurf. Solche Parameter haben direkte Auswirkung auf den gestalterischen Prozess."

Konkret: Damit im Falle eines Lawinen abgangs das Haus nicht von den Schneemassen erfasst und zerstört wird, ist es in den Hang eingegraben. Massive Wände aus Stahlbeton halten dem ernormen Hangdruck stand, darüber spannt sich eine Holzkon struktion, die für den Katastrophenfall aus-reichend stark dimensioniert ist. "Wir haben das gesamte Aushubmaterial des Grund-stücks während des Baus zwischengelagert", erklärt Schmid, "nach Ende der Bauarbeiten wurde das Haus an den Seiten und teilweise auch am Dach wieder eingegraben und begrünt." Auch der Haupteingang weist dem Hang den Rücken, öffnet sich stattdessen in Form eines riesigen hölzernen Trichters zum Tal. Sollte eines Tages eintreten, was glücklicherweise noch nie eingetreten war, können die rollenden Schneemassen ungehindert übers Haus gleiten. Laut Lawinenschutz-gutachten müsste das Haus unversehrt bleiben. 

Die Zusammenarbeit mit dem Land Salzburg, Abteilung Naturschutz, war langwierig und intensiv. Dem Projekt habe das nur gut getan, meint derArchitekt. Das Holz kommt nun nicht nur in der Konstruktion und am charakteristischen Eingangstrichter vor, sondern auch im Sockelbereich. "Was aussieht wir dunkler Faserzement, ist eigentlich eine ganz normale Exterior-Holzwerkstoffplatte aus Kunstharz und Sägemehl. Holz ist eben vielseitig einsetzbar." Echt schräg: Das unverwechselbare Fugenbild zwischen den Platten ist eine Anspielung auf den Kalkstein dieser Region. Die Platten sind diagonal zerschnitten, dahinter blitzen zarte Leisten aus Edelstahl hervor. Für die bauliche Ausführung des Projekts wurde das Unternehmen Holzbau Lottermoser mit dem Salzburger Handwerkerpreis 2009 ausgezeichnet.

  • Artikelbild
    foto: rene von bakel
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