Der Tag, an dem Wien den Bach runter ging

14. Mai 2010, 17:51
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In vielen Bezirken standen Keller unter Wasser - Mehr Regen als sonst in einem Monat

Wien - Laut aktuellen Auswertungen der österreichischen Unwetterzentrale hat es mit dem Unwetter in Wien am Donnerstagabend innerhalb von zwei Stunden mehr Niederschlag gegeben als normalerweise in einem gesamten Monat. „Die im Mai übliche Monatsniederschlagsmenge liegt in Wien bei 61 Liter pro Quadratmeter, die Gewitterzellen vom Donnerstag brachten dies innerhalb eines sehr kurzen Zeitraumes“, erklärt Stefan Eisenbach vom Wetterdienst UBIMET. Überflutungen und Behinderungen seien daher vorprogrammiert gewesen.

Die Wetterexperten geben keine Entwarnung – für die gesamte Osthälfte unseres Landes wurde eine Vorwarnung vor weiterem Starkregen ausgegeben (siehe "Wetter: Nass, kalt und windig am Wochenende").

Kein Strom

Laut Wien Energie waren zwischen 17.00 und 20.30 rund 20.000 Haushalte ohne Strom. Die Hälfte davon wurde gezielt abgeschaltet um der Feuerwehr Einsätze in überfluteten Kellern zu ermöglichen. Bei 10.000 gab es durch das Wasser Defekte, zum Beispiel nach dem Wassereintritt in Trafostationen.

Neben Ottakring waren laut Feuerwehr auch die Bezirke Mariahilf, Neubau, Hietzing und Penzing massiv betroffen. Kanäle gingen über, in Keller und Tiefgaragen drang laut Polizei Wasser ein, auch Geschäftsräume wurden beschädigt. Über das genaue Ausmaß der Überflutungen gab es noch keine näheren Informationen. Laut Feuerwehr waren neben üblichen Schäden an überschwemmten Gebäuden vorerst keine Beeinträchtigungen bekannt. In einem Hinterhof brach durch die Last des Wassers ein Boden ein, Personen waren nicht in Gefahr.

Linie U3 wieder in Betrieb

Die U-Bahnlinie U3 ist nach dem Wolkenbruch vom Donnerstagabend seit Betriebsbeginn am Freitag um 05.00 Uhr früh wieder in ihrer Gesamtlänge in Betrieb, teilten die Wiener Linien mit. Der Abschnitt zwischen Volkstheater und Schweglerstraße war wegen Wassereinbruchs infolge der starken Niederschläge im Bereich der Station "Westbahnhof" gesperrt worden.

Unklar ist, ob die Bauarbeiten am Westbahnhof den Wassereintritt begünstigt haben, heißt es in einer Aussendung weiter. Derzeit noch nachfließendes Wasser könne "durch die andauernden Pumparbeiten der Wiener Feuerwehr und der Wiener Linien auf niedrigstem Niveau gehalten werden".

Feuerwehr und Wiener Linien arbeiteten mit Hochdruck daran, das Wasser aus den Betriebsräumen zu pumpen und dadurch die Strecke wieder unter Strom setzen zu können. Die U3 verkehrte bis Betriebsschluss nur zwischen den Stationen Simmering und Volkstheater sowie zwischen Johnstraße und Ottakring.

Kinosäle der Lugner City geräumt

In der Lugner City wurde der Regen fünf Kinosälen zum Verhängnis, in die am späten Nachmittag Wasser eindrang. Das Wasser war am späten Nachmittag über die Garage beziehungsweise das Stiegenhaus ins Untergeschoß eingedrungen, wie Theaterleiter Alexander Fischbacher sagte. In fünf der sieben sich dort befindenden Kinosäle "stand das Wasser knöcheltief". Die zu diesem Zeitpunkt etwa zu einem Viertel gefüllten Kinosäle wurden komplett geräumt und das gesamte Untergeschoß gesperrt. Man rechne damit, dass die Säle nach der derzeit durchgeführten Trockenlegung am Freitagabend wieder bespielt werden können, so Fischbacher.

Kulturbetrieb beeinträchtigt

Gelassen zeigte man sich im Wiener Museumsquartier nach einem Wassereinbruch in der Halle E. "Es waren keine massiven Schäden", beruhigte Produktionsleiter Herbert Stangl. Der Grund für den feuchten Theaterbesuch: Verstopfte Regenrinnen am Dach. Auswirkungen auf die weiteren Spieltermine der Festwochen im Haus erwartet Stangl jedenfalls nicht. Man habe beim neunstündigen Lepage-Stück einfach die kleine dritte Pause, während der der Wassereinbruch erfolgte, mit der großen vierten Unterbrechung vertauscht, bei der gegessen wird. So habe man die Schäden beseitigen können und der ohnedies lange Theaterabend habe sich für die Besucher nicht wesentlich verzögert.

Im Theater in der Josefstadt war man vor der Premiere am Donnerstag auf etwaige Unbill vorbereitet. "Bereits am Nachmittag hat es im Bezirk einige Stromausfälle gegeben. Wir waren durchgehend in Kontakt mit Wien Energie und haben einen Notfallplan für den Abend ausgearbeitet", sagte eine Sprecherin. Während der Vorstellung fiel dann auch wirklich der Strom aus, woraufhin ein Notstrom-Generator für Licht im Zuschauersaal sorgte, die Bühne wurde notdürftig mit einem Scheinwerfer beleuchtet. "Die Schauspieler haben damit gerechnet, daher konnten sie auch weiterspielen", so die Sprecherin. Wasserschäden im kürzlich generalsanierten Theater habe es nicht gegeben. Der Stromausfall sei rein auf den Energieversorger zurückzuführen. Mit einer Absage habe man zu keinem Zeitpunkt gerechnet. "Höchstens damit, dass wir eventuell später anfangen müssen, weil es auch Probleme bei den öffentlichen Verkehrsmitteln gab."

Der Regen macht indes auch Kulturveranstaltungen in den kommenden Tagen recht unattraktiv, wie die Absage des KulturWandertags von Ö1 zeigt.

In der Albertina, wo es im Vorjahr nach schweren Regenfällen zu einem massiven Wasserschaden im Depot gekommen war, blieb diesmal alles trocken. (APA/red)

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    Youtube-Video zu den Überschwemmungen in Wien.

  • Weiteres Youtube-Video: Bach statt Straße.

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