Wert der Auslagerung

13. Mai 2010, 18:53
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Der Musikteil der Festwochen hat Strukturprobleme

So sucht also das Musikprogramm der Wiener Festwochen auch heuer wieder gegen eine schöne Übermacht des Theaters auf sich aufmerksam zu machen: Es feiert ein Fest in den Festwochen (für Alban Berg) und präsentiert im Theater an der Wien Wozzeck und Lulu. Ergänzt wird das Opernduo durch eine Konzertreihe im Konzerthaus - ebenfalls dem Klassiker der Moderne gewidmet.

Unübersehbar ist anhand der Monothematik das Bemühen von Festwochen-Musikchef Stéphane Lissner, eine programmatische Linie zuwege zu bringen. Doch dürfte das Berg-Fest nicht ausreichen, die seit Jahren immer wieder aufkeimende Diskussion zu unterbinden: Sie kreist um die Frage, ob das Musikprogramm der Festwochen nicht einer strukturellen Überholung unterzogen, wenn nicht gar zur Gänze abgegeben werden sollte.

Lissner, vor Jahren mit hohen Ansprüchen, denen einige Erfolge beschert waren, angetreten, hat selbst mit einem von Jahr zu Jahr immer schmäler werdenden Angebot diese Diskussion angeheizt. Und nun hat sogar Festwochen-Präsident Rudolf Scholten im Rahmen seiner konzeptuellen Zukunftsideen (für die Zeit nach Intendant Luc Bondy und Lissner) eine Auslagerung des Musiktheaterprogramms angedacht.

Das wäre nur konsequent. Denn jeder Festwochen-Musikchef hat an Gestaltungsenge zu leiden. Das Konzertprogramm der Festwochen wird zwar von ihm quasi mitbezahlt, aber (heuer vom Musikverein) autonom ausgerichtet. Programmeinfluss hat Lissner keinen; er geht mit seiner Berg-Konzertreihe sogar ins Konzerthaus, das an sich erst nächstes Jahr für die "symphonischen" Festwochen verantwortlich sein wird.

Andererseits scheint es auch unmöglich, im Opernbereich ein wirklich üppiges Angebot zu erstellen, das die Funktion eines Musikchefs als unverzichtbar erscheinen ließe. Sollte sich daran nichts ändern, wäre die Übertragung der Musiktheateragenden an Kooperationspartner (immerhin hat Wien drei Opernhäuser und eine nicht unlebendige freie Opernszene) überlegenswert. Es wäre auch die Rückkehr zu einer Tradition (Kooperationen mit der Staatsoper gab es schon) bei gleichzeitiger Einsparung eines unterforderten Musikmanagers. (Ljubisa Tosic / DER STANDARD, Printausgabe, 14.5.2010)

 

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