Haiders Sex wieder vor Gericht

13. Mai 2010, 18:54
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Schweizer Zeitung "Blick" droht Verurteilung in Graz - Haiders Witwe hatte eine einstweilige Verfügung beantragt

Graz - Hat sich der verstorbene Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider als homosexuell geoutet? Und: Welche Rolle spielt seine Sexualität für die Öffentlichkeit und Gerüchte um seinen Unfalltod. Diese Fragen erörterten am Mittwoch im Grazer Landesgericht für Zivilrechtssachen die Anwälte Claudia Haiders und der Schweizer Boulevardzeitung "Blick".

Haiders Witwe hatte gegen "Blick" und andere Medien eine einstweilige Verfügung beantragt, weil sie ein Interview mit dem angeblichen Geliebten Haiders, René N., der deutschen "Bild" zitierten. Das Oberlandesgericht (OLG) Wien gab Haider recht. Anders das OLG Graz, das erlaubte, weiter darüber zu schreiben - der STANDARD berichtete. Nun wurde erneut der Schutz der höchstpersönlichen Lebensbereiche des verstorbenen Politikers und seiner Witwe gegen das allgemeine Informationsbedürfnis der Öffentlichkeit abgewogen. Letzteres sei gegeben, so Anwalt Wolfgang Leitner, der die Blick vertritt, weil die wahren Hintergründe des Unfalls, also ein "mögliches Eifersuchtsdrama", aufgeklärt werden müssten.

Gast einer Schwulenbar

Vor allem "antisemitische Anspielungen" wie jene des BZÖ-Politikers Stefan Petzner, dass "die wahren Mächtigen in der Welt, die an der Ostküste oder sonst wo sitzen", schuld an Haiders Tod seien, gehörten entkräftet. Zudem habe sich Haider in Klagenfurt etwa als Gast einer Schwulenbar selbst geoutet. Claudia Haiders Vertreter Volker Mogel sprach von einem "Zwangsouting" und meinte, der Besuch des Klagenfurter Lokals Stadtkrämer sei kein Beweis für ein Outing des Politikers.

Richter Bernhard Deu lehnte alle Beweisanträge Leitners, etwa Fotos Haiders in Gesellschaft junger Männer, sowie den Antrag, Petzner und N. in den Zeugenstand zu rufen, ab und schloss die Verhandlung nach einer Stunde. Ein Urteil ergeht erst, wenn alle Provisiorialverfahren zur Causa abgeschlossen sind, doch Deu verhehlte nicht, dass er die Rechtsmeinung des OLG Wien teile. (Colette M. Schmidt/DER STANDARD; Printausgabe, 14.5.2010)

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    Claudia Haider.

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