Die glorreichen 7 Zwerge

13. Mai 2010, 18:34
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Die FPÖ bleibt fest in der Geiselhaft ihrer Ultras

Im Nachhang zur Bundespräsidentenwahl und im Vorfeld der Wiener Landtagswahl wollte der FP-Chef dieser Tage seine eben als schmal enthüllte Basis erweitern, was ihm auf plakative Weise besser gelungen ist als auf innerparteiliche. Sein sicherheitspolitisches Wahlversprechen "Die Polizei, mein Freund und Wahlhelfer" verrät jedenfalls mehr über die Kniefälligkeit, mit der man im Polizeicorps freiheitlichen Unverschämtheiten entgegenzukommen bereit ist, als die versuchte Etablierung der Strache-Gang als glorreiche Sieben samt ihrer unmittelbar folgenden Demontage auf sieben Zwerge am bewährten Gängelband der ultrarechten Recken über einen allfälligen Wandel der FPÖ verrät.

Der Versuch, nach dem Denkzettel für die von der Krone notvereidigte Hofburg-Kandidatin den rechtsextremen Luderhauch durch Basisverbreiterung zu parfümieren, litt sichtlich unter den Ergebenheitsadressen an Martin Graf und Konsorten, mit denen Strache seine neue Strategie zu verharmlosen suchte, der monothematischen Enge freiheitlicher Praxis wenigstens für die nächsten Monate zu entkommen. Mahnungen wie, die FPÖ dürfe kein Geschichtsverein sein, gehen einem Burschenschafter am Schläger vorbei. Und über die Kritik eines Disco-Freaks, sie möchten doch Bekenntnisse zu deutscher Treue nicht in anrüchigen Gürteletablissements ablegen, werden sie sich bestenfalls amüsiert haben. Verwerflicher kann das auch nicht sein, als wenn der Dritte Nationalratspräsident das Parlament in seinen Hobbyraum umfunktioniert und sich dort von eben jenem Strache mit symbolischer Säbelüberreichung huldigen lässt. Hier behält der abgedroschene Slogan "Er will, was wir wollen" jedenfalls solange seine Gültigkeit, als seine sieben glorreichen Zwerge nicht zu heftig wider den deutschnationalen Stachel löcken. Was sie vermutlich ohnehin nicht vorhatten.

Die Unverzichtbarkeit des rechtsextremen Flügels zu beschwören und gleichzeitig die Parteispitze zivilisatorisch verbreitern zu wollen, kommt einer Quadratur des Kreises gleich. Und die ist noch keinem FPÖ-Chef auf Dauer gelungen, letztlich nicht einmal Jörg Haider, und der war im Vergleich zum gegenwärtigen ein Schwergewicht. Was der geläuterte Paintballer vertuschen wollte, um seine Partei nach dem Debakel mit Rosenkranz für den Wiener Wahlkampf fit zu machen, hat er mit seiner mehr großsprecherischen als glorreichen Aktion geoffenbart: Die FPÖ bleibt fest in der Geiselhaft ihrer Ultras.

Dass mit denen im Oktober keine Stadt zu machen ist, weiß Strache schon. Wenn er nun droht, einen Wiener Wahlkampf vor allem mit EU und Griechenland führen zu wollen, lenkt er nicht nur von seinen ungustiösen Deutschnationalen ab, er handelt sich damit auch die Unterstützung der Kronen Zeitung ein, die die Scharte, die sie sich mit Rosenkranz zugezogen hat, durch immer gehässigere Attacken auf die EU auszuwetzen bemüht ist. Und diese Unterstützung kommt gratis, während die Wiener SP schwer inserieren (lassen) muss, um Häupl die Rolle des glorreichen Einen im Blatt zu sichern. Was das alles beim Wähler bringt, weiß man bei der Krone freilich nie. (Günter Traxler, DER STANDARD, 14.5.2010)

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