US-Kongress: Öl-Desaster wegen Schlampereien

13. Mai 2010, 18:31
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Laut einer Untersuchung des US-Kongresses ist ein schlecht gewartetes Sicherheitsventil Grund für die Explosion auf der Bohrinsel

Schlamperei war offenbar mitverantwortlich für die verheerende Ölpest im Golf von Mexiko. Wie eine Untersuchung des US-Kongresses ergab, hat ein Sicherheitsventil auf dem Meeresboden versagt, weil es schlecht gewartet worden war.

Als die Bohrplattform Deepwater Horizon am 20. April explodierte, hätte der sogenannte Blowout Preventer das unkontrollierte Austreten von Rohöl eigentlich verhindern müssen. Dass er nicht funktionierte, führen Experten, die im Auftrag des amerikanischen Parlaments nach Ursachen suchen, auf undichte Stellen im Hydrauliksystem zurück. Wegen schludriger Kontrollen habe der Notmechanismus eklatante Mängel aufgewiesen, sagte der Demokrat Bart Stupak, der die Ermittlungen leitet. Eine Batterie im Steuerungsteil war leer, es gab Löcher in der Hydraulik, obendrein nur die nutzlose Testversion eines Geräts, das den Ölstrom unterbrechen sollte. Ein Sicherheitstest wenige Stunden vor der Explosion war fehlgeschlagen.

In einem bereits vor neun Jahren verfassten Bericht hatte der Bohrinsel-Betreiber Transocean 260 Fehlervarianten aufgelistet, die ein Auswechseln des Blowout Preventer zur Folge haben konnten. Für Henry Waxman, den Vorsitzenden des Energieausschusses im Repräsentantenhaus, grenzt es an Zynismus. "Wie kann man einen Apparat, der auf 260 verschiedene Weisen seinen Dienst versagen kann, als verlässlich bezeichnen?" , sagt Waxman und spricht von einer verhängnisvollen Serie von Pannen und Unterlassungssünden. Hätten BP und Transocean mehr Umsicht walten lassen, so Waxman, wären die elf bei der Explosion verunglückten Arbeiter noch am Leben, und der Golfküste wäre ein ökologisches Desaster erspart geblieben.

Cameron International, der Hersteller des defekten Blowout Preventer, wehrt sich gegen vorschnelle Schlüsse. Noch sei es zu früh, Endgültiges über die Gründe der Katastrophe zu sagen, erst müsse das Gerät gründlich untersucht werden. Kongressabgeordnete wiederum kreiden den Managern der beteiligten Ölgesellschaften an, sie hätten den Untergang der Deepwater Horizon zu einem bloßen Zwischenfall herunterspielen und die Gründe verschleiern wollen.

Maulkorb für Überlebende

So sollten sich Überlebende der Explosion verpflichten, nichts von dem, was sie als Augenzeugen erlebt hatten, an die Öffentlichkeit zu tragen. Man habe massiven Druck auf sie ausgeübt, damit sie entsprechende Papiere unterschreiben.

Eine Mitschuld an dem Desaster sehen Umweltschützer auch bei nachlässig arbeitenden Behörden. Nach Recherchen der New York Times erteilte die amerikanische Rohstoffbehörde, zuständig für die Aufsicht über die Ölförderung, bedenkenlos Bohrgenehmigungen, ohne Umweltfolgen und Sicherheitsaspekte gründlich zu prüfen. Immer wieder musste sich die Behörde in den vergangenen Jahren vorwerfen lassen, sie sitze in einem Boot mit der Industrie und lasse sich sogar von den Konzernen bestechen.

Die Hoffnungen, den Ölfluss endlich zu stoppen, ruhen nunmehr auf einer kleineren Stahlglocke, auf dem "Zylinder" , wie Ingenieure die hutähnliche Konstruktion nennen. Am Donnerstag auf den Meeresboden manövriert, soll sie frühestens am Freitag über das Bohrloch gestülpt werden, nach dem Versuche mit einer größeren Glocke gescheitert waren. Bei BP hofft man, dass die Vorrichtung bis zu 85 Prozent des austretenden Öls aufsaugen und auf ein Schiff leiten wird. BP-Experten bereiten außerdem eine Aktion zum Verstopfen der Quelle mit Gummi- und Holzgeschoßen vor. (Frank Herrmann aus New York/DER STANDARD-Printausgabe, 14.5.2010)

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    Demonstranten in Los Angeles machen den Ölkonzern BP für die Öko-Katastrophe im Golf von Mexiko verantwortlich. Tatsächlich gab es auf der Bohrinsel einige Sicherheitsmängel.

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