Von den Kurien kurieren

13. Mai 2010, 18:23
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Ein Abgehen vom Kuriensystem, das Wissenschaftsministerin Karl anstrebt, könnte einen wichtigen Impuls für die innere Autonomie der Unis bringen

Sie sind ein anachronistisches Relikt, die "Kurien" , die an den österreichischen Universitäten noch immer die (un)feinen Unterschiede im akademischen Binnenuniversum zum Ausdruck bringen. Hier die (paar) Damen und (vielen) Herren Professoren, da die "Mittelbauer", ohne die der universitäre Betrieb sofort zusammenkrachen würde. Die einen meist noch mit den guten alten Beamtenprivilegien versorgt, die meisten anderen in die schöne neue Welt der autonomen Universitäten geworfen.

Ein Abgehen vom Kuriensystem, das Wissenschaftsministerin Beatrix Karl anstrebt, könnte einen wichtigen Impuls für die innere Autonomie der Unis bringen, wenn es gelingt, damit neue Partizipations- und Karrieremöglichkeiten für junge Wissenschafter/innen zu eröffnen. Das amerikanische Faculty-Modell, an dem sich Karl orientiert und in dem Lehrende und Forschende nicht nach formalen Über- und Unterordnungen, sondern nach fachlich-interner Differenzierung den Uni-Betrieb führen, ist das Gegenteil des Hierarchie-Modells nach Kurienart.

Genau das brauchen moderne Universitäten. Nicht nur den starken Mann im Rektorat, sondern auch mitverantwortliche Mitarbeiter mit Zukunftsperspektiven. Entscheiden muss Kompetenz, nicht Kurie. Es ist an der Zeit, das österreichische Uni-System von den Kurien zu kurieren. Kurien mögen zum Vatikan passen. In modernen Unis ist diese historisierte Hierarchiegläubigkeit kontraproduktiv. (Lisa Nimmervoll, DER STANDARD, 14.5.2010)

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