Zusammenschluss Volksbanken mit Bawag gescheitert

13. Mai 2010, 18:15
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Die an ihre Unabhängigkeit gewöhnten, großen Volksbanken legen sich gegen ihre stärkere Einbindung quer

Aus dem Zusammenschluss ÖVAG-Bawag wird nichts: Die an ihre Unabhängigkeit gewöhnten, großen Volksbanken legen sich gegen ihre stärkere Einbindung quer. In der Bawag wird nun gespart.

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Wien - Die Österreichische Volksbanken AG (ÖVAG) muss ihre Partnersuche erweitern. Der zuletzt intensiv verfolgte Plan eines Zusammengehens mit der Bawag (auf Basis eines Aktientauschs) ist aus jetziger Sicht gescheitert. Die Gespräche mit den Bawag-Eigentümern vom US-Hedgefonds Cerberus sind beendet (vor kurzem wurde noch von einer "Nachdenkpause" gesprochen), die Datenräume wurden vorige Woche bereits geschlossen.

Wie berichtet hat die Bawag die Daten und Zahlen der ÖVAG geprüft, dasselbe geschah in die Gegenrichtung - "die Due Diligence und die Gespräche auf offizieller Ebene wurden nun aber abgebrochen", berichtet ein Banker. Das Spitzeninstitut des Volksbankensektors unter Gerald Wenzel hat die Rechnung ohne den dezentral organisierten Sektor gemacht. Die ÖVAG gehört mehrheitlich rund 60 selbstständigen Volksbanken und hat rund eine Milliarde Staatskapital aufgenommen, für das sie die Zinsen nicht bezahlen kann. 2009 hat die Bank mit einer Milliarde Verlust beendet.

Wie berichtet wollten die Amerikaner im Rahmen des Mergers Durchgriff auf die Volksbanken bekommen, was selbige aber "je weiter weg von Wien, umso heftiger" ablehnen, wie beschrieben wird. Letztlich stand eine Variante zur Diskussion, die sich am "Haftungsverbund" des Sparkassen-Sektors orientierte: Die Erste Bank ist das Spitzeninstitut, das die selbstständigen Sparkassen per Vertrag eng bindet - und sich vor allem deren Eigenkapital anrechnen lassen kann; Konzern im rechtlichen Sinn ist man trotzdem keiner. Für Hedgefonds Cerberus, der ja den Ausstieg aus der Bawag anpeilt, wäre die Einbindung der Primärbanken als Verkaufsargument für eine Börsenstory durchaus brauchbar gewesen. Vor allem die größeren Volksbanken haben diesem Haftungsverbund-Modell, das sie doch einiges an Selbstständigkeit kosten würde, schließlich eine Absage erteilt, "und danach ist das Interesse der Bawag an der ÖVAG sehr rasch abgeflaut", heißt es.

Auf der Suche nach Plan B

In der ÖVAG selbst bestätigt man den Abbruch der Gespräche mit der Bawag zwar nicht ("Sondierungen auf inoffizieller Expertenebene" würden weitergeführt) - vor allem die Notenbank soll aber nun den Druck auf die ÖVAG stark erhöhen, es gelte, einen Plan B zu entwickeln. Weitere ernsthafte Interessenten für die ÖVAG gibt es nämlich keine. Zwar dränge die Zeit noch nicht - "Die ÖVAG-Bilanz 2010 ist nicht das Thema" , drückt das ein Experte aus -, aber an die von der ÖVAG nun durchgerechnete Stand-Alone-Lösung glaubt auch niemand.

Und vor einer allfälligen Filetierung des Sektor-Spitzeninstituts (Verkauf der Töchter Investkredit, Europolis und der Beteiligung an der Volksbank International) müsse man eine gründliche Umstrukturierung vornehmen - "und die braucht viel Aufwand und Zeit, mehr als wir haben: Die Bank muss das Partizipationskapital ja zurückzahlen", sagt ein in die Partnersuche Eingeweihter. Was Kanzler und Finanzminister unbedingt vermeiden wollen: die Verstaatlichung der ÖVAG.

In der nur in Österreich aktiven Bawag (auch sie schrieb zuletzt Verluste, hat 500 Mio. Partizipationskapital und 400 Mio. Euro Garantien vom Staat und wird in der EU als Restrukturierungsfall geführt, weil der Staat ja schon zum zweiten Mal haftet) wird nun als nächstes umgebaut. Die Personalberater haben umständliche und ineffiziente Abläufe konstatiert, nun wurde den Mitarbeitern das "Kostenoptimierungsprojekt Bolero" vorgestellt: Bis 2013 werden, wie berichtet, 500 Mitarbeiter (von derzeit 4600) gehen müssen. Ohne Kündigungen dürfte das nicht abgehen, wie es intern heißt - ohne Unmutsbezeugungen der Beschäftigten ebenso wenig.  (DER STANDARD, Printausgabe, 14.5.2010)

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