Medienanalyse

Schönborns römischer Machtkampf

13. Mai 2010, 18:11

Die scharfe Kritik des Wiener Kardinals Christoph Schönborn an Kurienkardinal Angelo Sodano und der "Vertuschungsfraktion" wird von internationalen Medien als Machtkampf im Vatikan interpretiert

Wien - "Der Wiener Kardinal lässt die römische Kurie erbeben" , schreibt die Frankfurter Allgemeine. Das Time Magazine spricht von einem "Vatican power struggle" und bezieht sich dabei auf Kardinal Christoph Schönborns Auseinandersetzung mit Kardinal Angelo Sodano. Was ist los? Wie kommt der sonst vorsichtige Wiener Kardinal in den Ruf eines vatikanischen Bilderstürmers? "Schönborn hat am neuralgischen Zentrum der römischen Machtstruktur gerührt: dem unter allen Umständen zu wahrenden Konsens der Kurie als Hofgesellschaft des Papstes" , schreibt die FAZ.

Tatsächlich liegt hier ein innerkirchlicher Machtkampf auf höchster Ebene vor: Es geht darum, wie man in der Kirche, vom Vatikan abwärts, mit der Lawine an Missbrauchsfällen umgehen soll. Schönborn führt, zunächst ziemlich einsam, die "Offenheitsfraktion" an; er entschloss sich, den Wortführer der "Vertuschungsfraktion" , den immer noch mächtigen ehemaligen Kardinalstaatssekretär ("Außenminister" des Vatikan), Angelo Sodano, mit unerhörter Schärfe anzugreifen. Die Absicht dabei ist, Papst Benedikt, mit dem ihn eine jahrzehntelange geistige Beziehung verbindet, erstens gegen Vertuschungsvorwürfe zu schützen und zweitens (endgültig) auf die Seite der "Offenheitsfraktion" zu ziehen.

Gespielt wird das über die Medien. Der Ablauf der Eskalation: In der Pressestunde des ORF vom 28. März erklärte Schönborn, im Falle Groër habe der damalige Kardinal Ratzinger eine Untersuchungskommission gewollt, dies sei aber von der "diplomatischen Fraktion" in Rom verhindert worden. Dann, am 4. April, Ostersonntag, richtete Kardinal Sodano bei der feierlichen Ostermesse völlig überraschend das Wort an den Papst und forderte ihn auf, sich von dem "bedeutungslosen Geschwätz" über Missbrauch in der Kirche nicht beirren zu lassen.

"Dringender Reformbedarf"

Hierauf sagte Schönborn am 28. April zu Journalisten, es sei Sodano gewesen, der seinerzeit die Groër-Kommission bei Papst Johannes Paul II. verhindert habe; dass Sodanos jetzige Äußerung eine "massive Verletzung der Missbrauchsopfer" sei und dass "die Kurie dringenden Reformbedarf" habe. Diese Aussagen wurden in einem Bericht des STANDARD zitiert - und auch auf die Website der Kathpress gestellt.

Dort griff sie die Korrespondentin der angesehenen britisch-katholischen Zeitschrift Tablet auf, dann internationale Nachrichtenagenturen, die italienische Zeitung Il Giornale und schließlich Time, die FAZ und andere.

Dieser Macht- oder eher Richtungskampf ist keine Erfindung sensationsgeiler Medien. Sodanos "Osterbotschaft" an den Papst war weniger eine Solidaritätsadresse, sondern eine Aufforderung, kein Weichei zu sein. Der Papst, der lange zu schwanken schien, hat sich jetzt offenbar der "Schönborn-Fraktion" zugeneigt. Auf dem Flug nach Portugal erklärte er: "Die Angriffe gegen den Papst und die Kirche kommen nicht nur von außen, sondern die Leiden der Kirche kommen gerade aus dem Inneren der Kirche, von der Sünde, die in der Kirche existiert."

Schönborn handelte aus einem Mix an Motiven. Er ist persönlich überzeugt, dass in den Missbrauchsskandalen "uns nur die Wahrheit freimachen wird" ; dass Papst Benedikt unfair beschuldigt wird, wenn es um die Behandlung früherer Missbrauchsfälle geht, und dass die Kreml-Informationspolitik nicht mehr funktioniert. Objektiv hat der Wiener Kardinal damit eine Bresche in die vatikanische Mauer des Schweigens gerissen. Öffentliche Kritik am Vatikan kam bisher nur von außen, nun aus dem Kardinalskollegium. (Hans Rauscher/DER STANDARD-Printausgabe, 14.5.2010)

Kommentar posten
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estragon001
00
17.5.2010, 08:04
Iss des wurscht was dieses unsägliche "Kirche" macht, oder iss es wurscht ?

slobodan covjek
10
16.5.2010, 10:49

Schon lange aus der Kirche ausgetreten, Christoph Schönborn immer sehr skeptisch gegenübergestanden, bin ich jetzt trotzdem stolz auf unseren Kardinal.

mitiligidi
02
14.5.2010, 17:59
irgendwie hat der ratzinger

eine ähnlichkeit mit dem imperator aus star wars

leonhard f.
13
14.5.2010, 17:11
Bravo Herr Schönborn,

das hätte ich Ihnen nicht zugetraut.
Jetzt am Ball bleiben:
Zölibat abschaffen
Priesterinnen zulassen
..........................

Karl Weller
33
14.5.2010, 14:01
...wenn Schadenfreude weh täte,

müssten einige Verfasser der untenstehenden Postings vor Schmerzen schreien! Ich finde es traurig, auf Vorkommnisse, die viel Leid bei den Betroffenen, aber auch bei aktiven Christen hervorgerufen haben, mit so viel Häme zu reagieren.
Was Kardinal Schönborn durch sein Handen zu erreichen versucht, ist massgeblich für die Zukunft der Kirche - und sicher nicht auf persönliche Machtgier zurückzuführen. Wer das unterstellt, hält ihn einfach für dumm, denn da gäbe es sicher einfachere Wege, die geringeren internen Widerstand erzeugen würden. Egal, wie man zur Kirche steht: man sollte nie vergessen, dass die Grundzüge eines jeden Sozialstaates auf urchristlichem Gedankengut aufgebaut ist. Diesen Gedanken verfolgt Schönborn durch aktives Handeln.

estragon001
00
17.5.2010, 10:46
@weller

Nein, es ist nicht gleichgültig (gleich gültig) wie man zu dieser unsäglichen UN-Kirche steht !

Die gehören einfach WEG !
Jesus hat nie gelebt !
Der ganze "Glaube" iss für'n Kakadu !

Beliar
02
14.5.2010, 17:30
ich glaube nicht dass die grundzüge eines jeden

sozialstaates auf urchristlichem gedankengut aufgebaut sind. da tut man dem christentum einfach zuviel des guten. es gibt auch im "tierreich" "altruistisches" verhalten und da ist sicher kein christentum verbreitet, abgesehen davon, dass ich der ansicht bin die herde des einzigen und wahren und gütigen und sonst noch gottes funktioniert nach dem leitsatz: willst du nicht mein bruder sein so schlag ich dir den schädel ein

Preger
12
14.5.2010, 15:41
Ich verfolge diesen Gedanken auch durch aktives Handeln!


Machen Sie es mir nach:

http://www.kirchenaustritt.at/

Es ist ganz einfach und tut unglaublich gut!

votec
310
14.5.2010, 12:38
respekt !

auch als "gläubiger" atheist verfolge ich das tun der geistlichkeit, der ich ehemals (zwangshalber) gefolgt bin.

hochachtung vor der offenheit und dem mut mit dem schönborn auf rom losgeht. es ist auch völlig EGAL welche beweggründe der auslöser waren/sind und welche ziele er damit verfolgt. er hat schon mal erreicht was er wollte.

mitiligidi
03
14.5.2010, 17:58
guter trick.... hier im Forum

einleitend zu meinen man habe mit der kirche nichts am hut, nach wenigen sätzen merkt man aber dass es in wirklichkeit einer der vielen Postings der kathpress sind...

criticus maximus
13
14.5.2010, 13:00
ach was!

die spielen das berühmte spiel von "guter bulle - böser bulle", das ist alles taktisches geplänkel, mit dem klaren ziel die bösen abseits vom papst auszumachen. schönborn geht nicht auf konfrontation, sondern spielt ein vom papst vorgegebens spiel mit, in dem er das glück hat, die rolle des guten einzunehmen.

andere erklärungen gibt es für mich nicht, wenn man das bisherige wirken unseres kardinals betrachtet.

robert king
02
14.5.2010, 12:19
kann es sein, dass der ratzinger todkrank ist?


sich so offen in stellung zu bringen erweckt in mir den eindruck, bald einen dementsprechenden nachruf aus rom zu hören.

sich mit dem dekan der kardinalskurie öffentlich anzulegen, das hat schon was und ist meines wissens in der jüngeren geschichte der kirche einmalig. ich glaube nicht, dass schönborn ohne rücksprache mit ratzinger so auf konfrontationskurs ginge. dazu noch die meldung von bischof iby. der papst ist ja letzlich auch nur "primus inter pares" und muss sich seine verbündeten suchen. so autoritär und unangefochten wie wojtyla ist ratzinger nicht, dafür war er auch nicht lange genug im amt.

mein tip: 2010 gibt´s noch eine papstwahl.

mfg

Dr. Lari and Mr. Fari
 
00
14.5.2010, 13:17
Also, persönlich ist mir der Ratzinger nicht wirklich sympathisch,

aber ich wünsche ihm ein langes Leben und gute Gesundheit (auf ein bissl Kreuzweh hat man mit 80+ sowieso ein Anrecht...).
Ich hielte es auch für befremdlich, wenn im Falle, daß Deine Vermutung von einem schwer kranken Papst stimmte, jemand solche Diadochenkämpfe anleiert - das wäre die sicherste Methode, sich aus dem Nachfolgerennen zu werfen.
Ich denke eher, daß hier, akkordiert mit dem Papst und vernünftigen Kreisen der Kurie, versucht wird, eine weitgreifenden kirchlichen Meinungsumschwung (und der dauert wohl immer 3, 4 Jahre und länger...) herbeizuführen, der sich dann in einem Konzil und/oder evtl. der Auswahl eines neuen Papstes manifestiert.

tirol1809 | einheit u. unabhängigkeit für tirol
146
14.5.2010, 11:51
Schönborn ist ein machtgeiler Karrieregegeistlicher. Er wil sich damit in Stellung für die nächste Papstwahl bringen.

Schönborn ist ein "Schwergewicht" wenn es um die Nachfolge von Ratzinger geht. Er wäre für die Katholische Kirche der perfekte Nachfolger; er wäre um vieles jünger als Ratzinger und würde deshalb glaubhaft einen Generationswechsel darstellen, wäre aber in seiner Überzeugung derselbe Fundi als Ratzinger. Also, perfekt für die vatikanischen Hardliner!

Dreistein
 
13
14.5.2010, 12:52

Schönborn wäre anstatt Ratzinger tatsächlich der bessere Papst gewesen. Für eine kommende Papstwahl hat er allerdings schlechte Karten, denn nach einem deutschen Papst wartet die Welt sicherlich nicht auf einen weiteren deutschprachigen Papst. das nächste Mal wird es ein Südamerikaner werden.

wTUioÜAHöÄYxvMMvxYÄöHAÜoiUTw
03
14.5.2010, 11:59
Mit Fundis kennen Sie sich ja aus, wie Ihr Nick verrät!

Bitte nennen Sie mir einen Anführer, der nicht "Machtgeil" ist/war. Jesus gilt nicht.

Herr Hofer, war es mit Sicherheit!

Preger
10
14.5.2010, 15:18
Ihr Nick verraet aber auch so einiges...

wTUioÜAHöÄYxvMMvxYÄöHAÜoiUTw
11
14.5.2010, 15:33

Was verrät er denn Ihnen?

Preger, so heißt ja jeder waumperte Schweinebauer!

Dagegen ist mein symetrisches Kunstwerk der Schriftzeichen einer Tastarur welches von beiden Seiten gleich schlecht gelesen werden kann eine Augenweide.

Preger
01
14.5.2010, 15:37
waumperte Schweinebauer?


ich verstehe.

tirol1809 | einheit u. unabhängigkeit für tirol
11
14.5.2010, 12:53
Der Andre war alles andere als machtgeil! Geschichte lernen!

Dr. Lari and Mr. Fari
 
01
14.5.2010, 15:14
richtig.

Die Geschichte sagt uns nämlich, daß er zu dumm war für die Macht die ihm kurze Zeit zufiel.

geschrieben am & um:
01
14.5.2010, 15:05

Nein der ANDERE war nicht machtgeil, der ANDRE war ein stark behaarter Wirt mit Hof der letztendlich zu Mantua hingerichtet wurde. Er starb in vollster Überzeugung ein Tiroler mit rechtem Glauben zu sein.

Er tat natürlich alles aus Liebe zu seinem Volk, ganz sicher!

hubsi1070
00
14.5.2010, 10:40

Schönborns römischer Machtkampf
und wie fru fru bist du?

bellefleure
36
14.5.2010, 10:14
Ob ich das noch erlebe, wenn

die erste Frau zur Päpstin gewählt wird? :-)

leonhard f.
00
14.5.2010, 17:15
NEIN.

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