Man schlägt die Griechen und meint den Sozialstaat

13. Mai 2010, 18:07
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    foto: ögb

    Wall-Strasser: Angriff auf das europäische Wohlfahrtssystem.

Von falschen Schuldzuweisungen und notwendigen Tabubrüchen in der Debatte um das hellenische Finanzdebakel - Von Sepp Wall-Strasser

Es ist, also wohnte man einem rituellen Schlachtopfer bei: Da wird uns ein Land vorgeführt, welches alle Übel und Krankheitserreger der Zeit in sich trägt - korrupt bis in die Knochen, faul, verschlagen, verschwenderisch. Ganze Heerscharen von Staatsbeamten liegen dem Staat auf der Tasche, die halbe Bevölkerung lebt in Pension, kein Wirt zahlt Steuern - ein Abschaum von Land! Sogar Investmentbanker ekelt es noch beim Aussprechen des Urteils: "Griechenland hat über seine Verhältnisse gelebt!" In seiner öffentlichen Strafung wird Heilung für ganz Europa liegen.

Sündenbockphänomene treten vor allem in religiös-ideologisch fundierten Gesellschaften auf, die stark dazu neigen, ihre eigenen Grundfesten zu tabuisieren. Das Opfern des Sündenbocks hat die Funktion, nichts am System ändern zu müssen, sondern die bedrohte Ordnung wieder herzustellen. Erstaunlich, wie das auch im angeblich säkularen Informationszeitalter funktioniert. Mystifizierungen, Halbwahrheiten und offene Lügen setzen sich als politische Kategorien durch. Welche Tatsachen werden am Beispiel Griechenland im öffentlichen Diskurs tabuisiert?

1. Griechenland ist zum Spielball der Spekulanten geworden. Die hohe Verschuldung (115% des BIP) ist nicht der Hauptgrund der gegenwärtigen Krise, sondern die Spekulation auf Staatsbankrott und die ideologische Borniertheit der Politik und der EZB. Hohe Schulden haben die meisten Länder. Japans Schuldenstand liegt bei 200% des BIP. Aber Länder wie die USA und Japan können ihre Schulden direkt über ihre Zentralbank refinanzieren. Das ist vernünftig, weil sie sich den Märkten und der Spekulation nicht ausliefern und dadurch die Zinslast geringer ist. Diese Option haben in der Eurozone nur die Banken, nicht die Staaten. Die Banken bekamen im letzten Jahr trotz vieler toxischer Papiere unbegrenzt EZB-Geld zu einem Zinssatz von 1%. Den Staaten stand das nicht zu, weil die EZB-Verfassung eine Finanzierung der öffentlichen Körperschaften bisher aus ideologischen Gründen ausschloss!

2. Die "faulen Griechen" leben nicht in Saus und Braus: 20 Prozent der Griechen sind von Armut bedroht, das monatliche Durchschnittseinkommen liegt bei 700 bis 1000 Euro. Dies ist anscheinend noch zu viel. Denn man wirft Griechenland (und den übrigen "PIGS" ) vor, deswegen so hohe Schulden zu haben, weil sie zu wenig konkurrenzfähig sind. Was auf Deutsch (im wahrsten Sinn des Wortes) heißt: nochmals mit den Löhnen runter! Schuld daran aber ist vor allem Deutschland, weil es seit Jahrzehnten Lohndumping betreibt.

Die Einführung der Währungsunion mit einem Inflationsziel von zwei Prozent sah auch vor, die Löhne ungefähr zwei Prozent über der Produktivität zu halten. Deutschland ist massiv darunter geblieben, deutsche Unternehmen wurden zu Gewinnern, während fast alle anderen darunter leiden. Das ist ein klarer Verstoß gegen den Geist der Währungsunion.

3. Die Korruption ist nicht der Kern des Übels. Selbstverständlich gehört zu jedem Supermarkteinkauf eine ordentliche Rechnung. Aber auch hier ist es wie bei den Beamtentöchterpensionen: Damit steht oder fällt keine Volkswirtschaft. Vielmehr haben wir es mit dem generellen Problem der Steuerungerechtigkeit in Europa zu tun. Griechenland ist eines der Schlusslichter beim Aufkommen von Einkommens- und Gewinnsteuer: Es liegt bei nur 7,5% des BIP (OECD-Durchschnitt: 12%). Selbständige und Vermögende tragen fast nichts bei, in der Schweiz lagern mindestens 16 Mrd. griechisches Schwarzgeld. Der Euro-Pakt gibt keinerlei Vorgaben für mehr Steuerdisziplin, was ihn u. a. auch deswegen wieder zerstören kann.

Alternativen zu dieser Strategie gäbe es durchaus, sie umzusetzen würde allerdings mehrere schwere Tabubrüche voraussetzen. Hier die vordringlichsten:

Tabubruch eins: Freie Finanzmärkte sind nicht effizient. Anstatt Narrenfreiheit fürs Kapital braucht es eine grundlegende Neuregulierung der Finanzmärkte, die sofortige Einführung einer Finanztransaktionssteuer, Zerschlagung systemrelevanter Banken, Reform der EZB, ... Die letzten zwei Jahre wurden total verschlafen.

Tabubruch zwei: Das Heil liegt nicht in Konkurrenz und Export, ganz im Gegenteil. Damit eine Währungsunion funktioniert, braucht es auch eine gemeinsame Steuer-, Wirtschafts-, Beschäftigungs- und Lohnpolitik. Diese muss alle Mitglieder zu Lohnerhöhungen im Ausmaß der Produktivität verpflichten (was Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit senken und Griechenlands Handelsbilanz heilen würde) und die Besteuerung von Vermögen, Kapitalerträgen und Finanztransaktionen harmonisieren.

Tabubruch drei: Investieren statt Sparen. Sparen führt nicht aus der Überschuldung, sondern in die Rezession. Wenn jetzt die Löhne und Pensionen in Griechenland gekürzt werden, wenn Spanien, Portugal, Italien diesem Kurs folgen und Deutschland sich mit seinem Neuverschuldungsverbot durchsetzt, dann gute Nacht, armes Europa! Stattdessen braucht es eine Sanierung der Haushalte über Festlegung von Zinssätzen und massive Investitionen in Zukunftsbereiche - Ökologie, Bildung und Soziales.

Das Hauptproblem unserer Tage ist also nicht der Mangel an Lösungen, sondern dass diese von den Verantwortlichen nicht gewollt sind, weil sie offenbar ein anderes Ziel verfolgen: den Angriff auf den europäischen Wohlfahrtsstaat. Plötzlich fordern nämlich die sozialpolitischen Hardliner eine Wirtschaftsregierung - aber nicht, um den sozialen Zusammenhalt zu fördern, sondern um direkt in die Budget- und vor allem Sozialpolitik der einzelnen Mitgliedsländer eingreifen zu können. Dann bestimmen nicht mehr die nationalen Regierungen und Parlamente, ob es ein öffentlich finanziertes Pensions- und Gesundheitssystem oder einen freien Zugang zu Bildung gibt, sondern dies machen dann die Monetaristen der EZB, des IWF und die dahinter lauernden "Investoren" .

So macht das eingangs beschriebene rituelle Opfern Sinn: Es soll uns eindrucksvoll vor Augen geführt werden: "Ihr alle habt über eure Verhältnisse gelebt!" Nicht die Investmentbanker mit Milliardenboni, nicht die Aktionäre der systemrelevanten Banken, nicht die Spekulanten, die die Staatsbudgets aussaugen - nein, wer fünf Wochen Urlaub im Jahr genießen will, wer sich an seiner bescheidenen Pension erfreut, ein 13. und 14. Monatsgehalt zum Ausgeben hat - der ist der "wahre" Krisenverursacher!

Vor dem Hintergrund dieser Deutungslogik ist der Blick auf Griechenland zugleich ein Blick in unsere Zukunft: Was der neoliberalen Sparpolitik der letzten 25 Jahre nur Schritt für Schritt gelungen ist - den Wohlfahrtsstaat zurückzudrängen -, soll nun offenbar in einem raschen Coup vollendet werden.

Insofern ist die Solidarität mit den Protestaktionen der griechischen Bevölkerung Hilfe zur Selbsthilfe. Damit nicht auch wir demnächst zur Schlachtbank geführt werden ... (Sepp Wall-Strasser, DER STANDARD, Printausgabe, 14.5.2010)

Zur Person

Sepp Wall-Strasser ist Bereichsleiter für Bildung und Zukunftsfragen im ÖGB Oberösterreich.

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pathological weakness of the financial memory
00
Ist ja irgendwie ein Quereinsteiger - der geschätzte Wall-Strasser: ABER wohl ein besonders fähiger!

Chapeau!
Ist mir erst jetzt aufgefallen - gerade noch.
Danke!

linx
14
23.5.2010, 02:31
gut gebrüllt ...

... Sepp!

Gobi Todic
00
18.5.2010, 11:43
Zum letzten Absatz

Jörgi und Co. haben es als Pioniere vorbereitet, inzwischen können aber auch schon so Nasen wie der Kaltenegger weiter dran arbeiten:

http://derstandard.at/126774362... nen-Faeden

Elfmeter
40
16.5.2010, 18:03
Hui, ein Gruselkabinett an Statements, z.B.:

"Das Heil liegt nicht in Konkurrenz und Export...", sagt, wovon lebt der Kollege aus dem ÖGB? Ach ja, von den Mitgliedbeiträgen seiner Schäfchen, die in konkurrenzfähigen Betrieben Produkte erzeugen, die andere und auch im Ausland kaufen!

sualk hazivar
11
16.5.2010, 17:32
Beruhigt, dank origineller Personalreserven im ÖGB

Angesichts derartiger personeller Reserven sind meine Befürchtungen bezüglich der Zukunft des ÖGB
verflogen. Einzelne Passagen darin sind einfach genial und es fiel auch mir dann auch wie Schuppen von den Augen-natürlich ist das jahrzehntelange ! Lohndumping Deutschlands Schuld an der finanziellen Misere Griechenlands-behindern sie dadurch entscheidend die griechische Exportindustrie. Und dann noch der konzertierte Angriff auf den europäischen Wohlfahrtsstaat durch die Monetaristen der EZB und die lauernden "Investoren". Sehr geehrter Herr Sepp Wall-Strasser. Sie haben zur Unterstützung
Ihrer bei Bawag/Konsum spekulierenden Genossen gefehlt. Dann wäre es schneller vorbei gewesen und viel Geld erspart geblieben. Schade,danke+freunschaft sh

MIP1
21
16.5.2010, 00:13

In Griechenland werden pro Jahr geschätzte 30 Milliarden Euro an Steuern hinterzogen. Hier könnte man ansetzen. Man will ja nicht unbescheiden sein, also die Griechen könnten zum Beispiel nur 15 Milliarden pro Jahr hinterziehen, in nächster Zeit. Dann würde die Staatsquote ungefähr auf österreichisches Niveau steigen. In zehn Jahren wäre die Staatsschuld schon fast auf die Maastricht-Grenze gesunken.

Dann würde zwar der Herr Wall-Strasser, wenn er in zehn Jahren immer noch Expertisen abgibt, finden, daß man an Griechenland ein rituelles Schlachtopfer vollzogen habe, aber das wäre auch egal. Wen interessiert schon, was irgendein ÖGB-Bildungsreferent absondert?

Girgl Galgenstein
73
15.5.2010, 14:30
Wirtschaft interessiert mich nicht, Hauptsache es geht allen gut.

Das ist mit Abstand der dümmste Artikel, den ich zur Finanzkrise gelesen habe. Eine Analyse der hausgemachten Ursache des Griechenlanddebakels darf nicht stattfinden, weil sie die falschen trifft. Ein solch normative Sicht der Dinge kann sich wirklich nur ein ÖGB-Funktionär leisten. Wahrheit ist in wirtschaftlichen Dingen eben nicht immer nur eine Sache des Standpunkts.

bösebörse
12
15.5.2010, 15:49

dafür dass das angeblich der dümmste artikel ist, hauen sie sich aber mächtig ins zeug, um mit zähnen und klauen ihr weltbild zu verteidigen ..
dabei sind es immer wieder dieselben sprüche und diskussionsschleifen .. es ist so, als ob irgendwo ein "wording" ausgegeben wird, dass dann ständig wiedergegeben wird ..
während so die einen ihren "glauben" verteidigen, fährt in der realität das system ständig an die wand ..

Girgl Galgenstein
21
17.5.2010, 09:19
Das interessante an diesem Artikel ist,

dass er in prototypischer Weise einen Diskussionsstand wiedergibt, der der Sache (=Gesundung der Volkswirtschaften, Stärkung des Sozialstaates) einen Bärendienst erweist. Diese Diskussion wird über weite Strecken rein normativ geführt, Zusammenhänge dürfen nicht mehr hergestellt werden, wenn sie die Falschen treffen und statt Ursachenforschung zu betreiben, begnügen wir uns damit Schuldige ausfindig zu machen. Schuld ist hierbei immer der andere.
Gleichzeit wollen wir nicht von der Idee lassen, dass man nur umverteilen müsste, damit es allen besser ginge. Machen Sie doch einmal die Rechnung auf und finden Sie heraus, was passiert, wenn alle gleich viel verdienen. Schätzen Sie das Vermögen der gesamten Republik und verteilen Sie es. Effekt?

Girgl Galgenstein
32
15.5.2010, 14:29
Ad 1. Griechenland geht es nur wegen der Spekulanten schlecht?

Unsinn. Die sogenannten CDS laufen gerade einmal über 3% der ausstehenden Schulden Griechenlands. Eine der Ursachen der Krise ist, dass der griechische Staat seine bestehenden Schulden nicht mehr bedienen kann. Warum kann er sie nicht bedienen? Weil er mehr ausgibt als er einnimmt und plötzlich Zweifel aufkamen, ob er sie jemals begleichen können wird. Nicht die Höhe der Verschuldung, sondern das geringe Steueraufkommen sind das Problem Griechenlands.

jacques05
00
15.5.2010, 22:32
was das steueraufkommen...

der prvatwirtschaft angeht, da hätte ö auch längst
zusperren müssen.
hierzulande sind die leute aber so dumm, alles auf rechnung zu kaufen.
so erhalten sie die reichen.

bösebörse
00
15.5.2010, 15:50

"Die sogenannten CDS laufen gerade einmal über 3% der ausstehenden Schulden Griechenlands."
woher wissen sie das? interessiert mich wirklich .. würde daher um die quelle ersuchen.

Girgl Galgenstein
22
15.5.2010, 14:29
Ad 2. a) Es kommt nicht darauf an was an Leistung reinfließt

sondern was am Ende rauskommt. Wenn ich einen ganzen Tag sinnlose Berichte schreibe, dann habe ich zwar viel getan. Wenn damit aber niemand etwas anfangen kann, dann habe ich damit nicht nur keinen Mehrwert erwirtschaftet, sondern im Gegenteil sogar eine knappe Ressource, sprich meine Arbeitskraft, verschwendet.
Von allen Beitrittskandidaten hat keiner so schlecht abgeschnitten wie Griechenland. Warum ist das so? Was machen die anderen besser, was Griechenland schlechter macht? All dies sind Fragen, mit denen man sich schon auseinandersetzen könnte, ja muß.
Lohnerhöhungen setzen eine gesteigerte Wertschöpfung voraus. Wenn Staat und Unternehmen keinen Mehrwert erzielen, dann gibt es eben keine höheren Löhne, auch nicht auf Pump.

Severin Sadjina
00
Achja, wie war das nochmal...?

Genau, wie war das nochmal im Kapitalismus?

Wert = Geld

Schönes Weltbild!

jacques05
01
15.5.2010, 22:38
wenn ein kapitalist beginnt, vom mehrwert,...

von lohn, preis und profit zu sprechen, dann ist allerhöchste vorsicht geboten.
vor allem in ö.
warum hängt denn ö im eu vergleich mit den steuern
bei der wirtschaft nach und führt beinahe bei der be-
steuerung von arbeit.
wer bestimmt eigentlich, was der mehrwert ist und wieviel jedem zusteht?
oder was ist das für ein mehrwert, wenn ich z.b. eine
fuhre schnittholz aus sibirien einführe, sie anders deklariere, z.b. hochwertiges bauholz und nach i exportiere und dafür exportförderung kassiere?

Girgl Galgenstein
21
15.5.2010, 14:29
Ad 2. b) Niemand kann Löhne stärker als die Produktivität steigen lassen

wie soll das funktionieren? Entweder verschuldet man sich immer stärker, d.h. man verteilt heute schon, was zukünftige Generationen noch erwirtschaften müssen, oder man verteilt um. Beidem sind Grenzen gesetzt. Einen Mehrwert der nicht erbracht werden kann, kann man auch nicht verteilen. Ich kann aus Korn, das niemals wachsen wird, eben kein Brot backen.
Vielleicht wurden deutsche Unternehmen einfach deshalb zu Gewinnern, weil sie eine höhere Wertschöpfung erzielten (trifft übrigens auch auf Österreich zu).

jacques05
01
15.5.2010, 22:41
siehe ad 2 a)...

wenn sie die eigenen lohnkosten drücken, schädigen
sie die arbeitnehmer und fördern die kapitalisten.
sie setzen ein lohndumping spirale in gang.
was am ende immer in krieg und chaos endet.
wollen sie das?

Girgl Galgenstein
22
15.5.2010, 14:29
ad 3.) Korruption ist nicht der Kern des Übels?

Wenn etwas sehr gut belegt ist, dann dies: Korruption ist eine der Hauptursachen für wirtschaftliche Fehlentwicklungen. Dies zu leugnen, heißt nicht nur der Korruption Vorschub zu leisten. Es bedeutet auch, dass man gar nicht verstanden hat, weshalb Korruption und Patronage so schädlich sind: weil nicht der bessere, sondern der mit den besseren Beziehungen das Rennen macht und den besseren davon abhält, das zu leisten, was für alle von Vorteil ist.
Abgesehen davon: europaweit weren ca 10% der Umsatzsteuern hinterzogen, in Griechenland sind es 30%. Damit werden auch die darauf eigentlich zu entrichtenden Gewinnsteuern hinterzogen. Und dann wundert man sich, dass der Staat zu wenig Steuern einnimmt und seine Schulden nicht bezahlen kann?

jacques05
01
15.5.2010, 22:45
es wundert sehr,...

dass sie gerade aus ö über korruption schreiben.
oder haben sie die letzten 10 jahre im ausland gelebt.
recht haben sie aber, wenn sie korruption als gefärlich bezeichnen.
was meinen sie dann aber über unsere wirtschaftspartei und ihre ehemaligen partner?
und vor allem, was halten sie von unserer justiz?

Girgl Galgenstein
21
15.5.2010, 14:29
Tabubruch 1 Finanzmärkte besteuern

Auf den Finanzmärkten werden Gewinne genauso versteuert wie anderswo auch. Eine Finanztransaktionssteuer kann lediglich die Kosten für Finanztransaktionen nach oben treiben, Spekulationen kann sie nicht verhindern. Ob sich eine solche Steuer global überhaupt durchsetzen lässt, wage ich zu bezweifeln. Wie soll das denn gehen?

jacques05
00
15.5.2010, 22:49
wieviele ö zahlen...

überhaupt spekulationssteuer?
haben sie aktien mit gewinn innerhalb eines jahres veräußert und den gewinn versteuert?
haben sie ein depot auf einer bank?
ah ja, das bankgeheimnis.
oder haben sie gar ein konto in der ch oder fl?
wenn ja, warum?

Girgl Galgenstein
21
15.5.2010, 14:29
Tabubruch 2 Das Heil liegt nicht in der Konkurrenz und im Export

sondern im Gegenteil? Dann würde gelten: ohne Konkurrenz geht es allen besser und auf Exporte (und Importe) können wir verzichten. Was Planwirtschaft anrichten kann, haben Millionen von Menschen am eigenen Leib erfahren. Die Produktivität fällt massiv zurück, Innovationen kommen nur schleppend voran. Wer keinen Überschuss erwirtschaftet, kann auch nix exportieren, es sei denn er beutet systematisch das eigene Volk aus, wie dereinst Stalin, als er das Getreide aus der Ukraine zwecks Devisenbeschaffung verkaufte und die eigenen Leute verhungern ließ. Findet heute übrigens mit Bodenschätzen in vielen Drittweltländern genau so statt.

jacques05
00
15.5.2010, 22:52
konkurrenz im eigenen wirtschaftsraum...

kann nur ein trottel erdacht haben.
das sagen sogar des sozialismus unverdächtige us wirtschaftsexperten.
nämlich konkurrenz durch steuervorteile und sicherheitsnormen und lohndumping und versteckten zuwendungen und förderungen.

Girgl Galgenstein
10
17.5.2010, 09:36
Es waren diese Trottel, die den beispiellosen

Erfolg der industriellen Revolution herbeiführten, jene die das Zunftwesen abgeschafft haben.
Wenn Sie Konkurrenz verhindern wollen, dann müssen Sie wieder ein Zunftwesen wie im Mittelalter einführen. Da war genau geregelt wer überhaupt am Tisch Platz nehmen durfte. Die Meister bestimmten, wie viele Menschen noch Meister werden durften. Gegen Konkurrenz schützte man sich durch Zölle und Abgaben und der Landesfürst verteilte Privilegien. Wer eines bekam wurde automatisch reich und konnte den anderen den Preis diktieren. Konkurrenz gab es hierbei keine.

Girgl Galgenstein
21
15.5.2010, 14:29
Tabubruch 3 Investieren statt Sparen.

Wo nichts gespart wird, kann auch nichts investiert werden. Das weiss der Bauer so gut, wie jeder andere. Und wenn ich nicht spare um zu investieren, dann muss ich mir das Ersparte eben von anderen leihen.

Die Liquiditätsfalle auf die der Funktionär hier anspielt, hat einen gänzlich anderen Hintergrund. Die Leute Sparen ohne es investieren zu lassen (= Geld unter die Matratze legen), weil sie nicht mehr davon ausgehen, dass sie mehr Geld zurückbekommen, als sie ausleihen oder sich das Ausleihen bei einem Zinssatz von Null eben nicht mehr lohnt (siehe Japan).
Eine Festlegung von Zinssätzen würde die Katastrophe nur verschärfen. Sind die Zinsen zu niedrig, dann wird zu wenig investiert. Zu hoch, käme einer privat erhobenen Abgabe gleich.

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