Noch ein Alter Herr für die erste Reihe

13. Mai 2010, 17:17
140 Postings

Seit dem Rosenkranz-Debakel beschwört Strache seine neuen "tollen Kräfte" für die FPÖ - Auch diese pflegen ewiggestrige Einstellungen

Wien - "Natürlich fühl ich mich geehrt" , sagt Harald Stefan. Der 45-jährige Notar und Verfassungssprecher der FPÖ, nicht selten in Tracht im Parlament anzutreffen, ist einer jener Freiheitlichen, dessen Name der Chef mittlerweile beinahe täglich ventiliert.

Seit seine äußerst rechte Hofburg-Kandidatin Barbara Rosenkranz bei der Bundespräsidentenwahl nur magere 15,6 Prozent gemacht hat, wird Heinz-Christian Strache nämlich nicht müde zu betonen, dass in seiner Partei für "Extreme" kein Platz sei. Stattdessen nennt der FPÖ-Obmann stets ein halbes Dutzend Mitstreiter, die er nun in die Auslage stellen will.

Um den rechten Flügel etwas zurechtzustutzen - oder ist das bloße Rosstäuscherei? Anders als Barbara Kappel etwa, die Strache für die Wiener Wahl im Herbst pusht, ist Harald Stefan jedenfalls ideologisch von dem umstrittenen Dritten Nationalratspräsidenten, den die FPÖ stellt, nicht weit entfernt, denn: Simmerings oberster Blauer ist - ebenso wie Martin Graf - ein "Alter Herr" bei der rechtsextremen Burschenschaft Olympia. Vor seinem Wechsel in den Nationalrat 2008, wo er in Bezug auf NS-Deserteure schon von "Kameradenmördern" sprach, sorgte Harald Stefan als Rathaus-Abgeordneter immer wieder für Wirbel. 2002 zum Beispiel, als er nach dem Einzug der deutschen Fußballmannschaft ins WM-Finale jubelte: "Die Deutschnationalen haben gewonnen!" Nach empörten Zwischenrufen korrigierte er sich: "Die Europäer haben 1:0 gewonnen." Jahre später echauffierte sich der Gemeinderat just über türkische Kicker-Fans, die sich bei einem Match in Wien mit ihrer Nationalfahne blicken ließen: "Diese Leute sind nicht integriert. Sie sind nicht loyal gegenüber unserer Gesellschaft."

Als Vertrauter Straches, der mit dem Chef schon mal auf Ibiza urlaubt, ist Harald Stefan jetzt ab sofort bereit, auch TV-Auftritte zu bestreiten - wie auch Vize-Klubchef Norbert Hofer, der für die Programmentwicklung zuständig ist, der Oberösterreicher Manfred Haimbuchner oder Vorarlbergs Landeschef Dieter Egger, der im letzten Ländle-Wahlkampf den Direktor des Jüdischen Museums in Hohenems einen "Exil-Juden aus Amerika" nannte - und nach der Wahl meinte, sein antisemitischer Ausspruch habe sich "rentiert" - wo doch Bewegung in die Integrationsfrage gekommen sei.

Harald Stefan wiederum versichert: "Wir sind eine rechte Partei, aber keine Totalitaristen." Was die Gaskammern betrifft, meint er zu Rosenkranz' Herumlaviererei: "Das hätt' ich sicherlich nicht gesagt. Ich weiß, dass es so ist." Was "so ist" , will er nicht präzisieren. Weil: Er versteht nicht, wieso man ihm überhaupt so eine Frage stellt. (Nina Weißensteiner, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.5.2010)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Bereit für TV-Auftritte und mehr: Straches Vertrauter Harald Stefan (re.) soll wie ein paar andere "tolle Kräfte" die Vielfalt der FPÖ repräsentieren.

Share if you care.