Griechen fürchten Einbruch bei Tourismus

14. Mai 2010, 09:19
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Staatsfinanzen hängen auch an Tourismus-Einnahmen - Steuererhöhungen könnten weiter schaden

Frankfurt - Pleiteszenarien statt Inselidylle, Randale statt Sirtaki, Brandsätze statt Tsatsiki - Griechenland fürchtet nicht nur um seine Staatsfinanzen, sondern auch um seinen Ruf als Urlaubsparadies. Seit Wochen beherrscht die Haushaltskrise die Schlagzeilen. Bilder von Ausschreitungen in Athen lassen das über Jahrzehnte aufgebaute Image eines Urlaubsziels bröckeln, das mit weißen Sandstränden, Traditionen und kulinarischen Genüssen lockt.

Wegen zahlreicher Absagen von Hotelgästen hat die griechische Regierung sogar einen Krisenstab eingerichtet. Nach den vielen Annullierungen von Reservierungen sei ein Krisenstab unter Leitung der griechischen Tourismusbehörde (EOT) gebildet worden, sagte ein Regierungssprecher am Donnerstag in Athen. Wegen der vielen Absagen entgingen der Branche Einnahmen in zweistelliger Millionenhöhe. Nach Angaben des griechischen Hotelier-Verbands wurden in den vergangenen Tagen fast 20.000 Hotelreservierungen im Großraum Athen rückgängig gemacht.

Massive Preissenkungen

Um die Kundschaft bei der Stange zu halten, setzen die Hellenen nun auf massive Preissenkungen - denn das Land braucht die Gelder der Touristen, um der Krise zu entkommen. Das weiß auch der Direktor der griechischen Fremdenverkehrszentrale in Deutschland, Ilias Galanos: "Wir brauchen jetzt unsere deutschen Freunde. Für Griechenland ist es sehr wichtig, dass die Deutschen dieses Jahr nach Griechenland fahren."

Nach einer Erhebung der GfK-Marktforscher ist der Umsatz mit Griechenlandreisen der Deutschen im April um 12 Prozent eingebrochen, während der deutsche Gesamtmarkt um 8 Prozent zulegte. Europas zweitgrößter Reisekonzern Thomas Cook berichtet von Buchungsrückgängen von 20 bis 30 Prozent in seinen wichtigsten Märkten Großbritannien und Deutschland. Marktführer TUI hingegen beschwichtigt, es sei nicht zu erkennen, dass sich die Griechenland-Krise in den Buchungen niederschlage.

Last-Minute-Anbieter berichten von massiven Preissenkungen. L'TUR habe in den vergangenen zwei bis drei Wochen Preisnachlässe von 15 Prozent bei Pauschalreisen nach Griechenland verzeichnet, sagte eine Sprecherin. "Das Angebot ist groß und die Hotels müssen gucken, wie sie ihre Zimmer loswerden." L'TUR ist nach eigenen Angaben der größte europäische Anbieter für Last-Minute-Reisen und gehört mehrheitlich TUI Travel.

Mehr Gäste

Der Preiskampf zeigt Wirkung. "Die Gästezahlen liegen um 30 Prozent über dem Vorjahresniveau", sagte die L'TUR-Sprecherin. Urlaub zum Schnäppchenpreis war in Griechenland nicht immer zu haben. Im Vergleich zu ähnlichen Zielgebieten wie der Türkei oder Ägypten zogen die Preise in den vergangenen Jahren an. Dieser "Wettbewerbsnachteil" dürfte mit den Billigangeboten nun ausgemerzt sein.

Experten appellieren aber an die Griechen, die Urlauber nicht nur über Preissenkungen zu locken. Die Griechen bräuchten eine schnelle und umfassende Vermarktungsinitiative, erklärte Adrian von Dörnberg, Professor für Touristik an der Hochschule Worms. Diese müsse die Werte Griechenlands wie "gelebte herzliche Gastfreundschaft und Sicherheit" hervorheben. Damit könne das Land einem weiteren Imageverlust vorbauen. Buchungsanreize durch Preissenkungen können nach Einschätzung des Professors nur von kurzer Dauer sein. Durch Steuererhöhungen werde auch der Urlaub dort auf längere Sicht wieder teurer. Fremdenverkehrsdirektor Galanos widerspricht: Die Griechen hätten gar keine Möglichkeit, die Preise massiv nach oben zu schrauben, wenn sie wettbewerbsfähig bleiben wollen. (APA/Reuters)

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