Israel soll Zerstörung von Privateigentum prüfen

13. Mai 2010, 12:35
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Bericht von Human Rights Watch spricht von grundloser Zerstörung

Tel Aviv - Eine internationale Menschenrechtsorganisation hat Israel aufgerufen, willkürliche Zerstörung palästinensischen Privateigentums während des Gaza-Kriegs zu untersuchen. Human Rights Watch veröffentlichte am Donnerstag einen Bericht mit dem Titel "Ich habe alles verloren", der zwölf Fälle dokumentiert. Israelische Soldaten hätten während der Militäroffensive vor knapp eineinhalb Jahren grundlos private Häuser, Fabriken und Treibhäuser im Gazastreifen zerstört, hieß es darin.

Die Ermittlungen basierten auf Beweisen an Ort und Stelle, Satellitenaufnahmen sowie Zeugenaussagen, hieß es in einer Mitteilung der Organisation. Es habe keine Hinweise darauf gegeben, dass in der Nähe der zerstörten Besitztümer Kämpfe stattfanden.

Bei dem Einsatz "Gegossenes Blei" waren zur Jahreswende 2008/2009 etwa 1.400 Palästinenser getötet und 5.500 weitere verletzt worden. Ziel war es, den ständigen Raketenbeschuss israelischer Grenzorte durch militante Palästinenser im Gazastreifen zu unterbinden.

Israel arbeitet noch an Reaktion

Israel hat in der Vergangenheit angegeben, privates Eigentum sei während des Gaza-Kriegs nur zerstört worden, wenn militante Palästinenser von dort aus gekämpft oder dort Waffen versteckt hätten. Eine israelische Militärsprecherin sagte am Donnerstag, man arbeite an einer Reaktion auf den Bericht.

"Fast 16 Monate nach dem Krieg hat Israel Soldaten, die in großen Bereichen unter ihrer Kontrolle unrechtmäßig palästinensisches Eigentum zerstört haben, nicht zur Verantwortung gezogen", sagte Sarah Leah Whitson, Leiterin der Nahost-Abteilung von Human Rights Watch. "Die israelische Blockade hindert die Einwohner Gazas daran, ihre Häuser wieder aufzubauen, und dies bedeutet, dass Israel die Zivilisten in Gaza weiter bestraft, lange, nachdem die Kämpfe vorbei sind."

"grausame und unmenschliche Behandlung von gefangenen"

Israel will die Blockade des Gazastreifens nur aufheben, wenn der vor vier Jahren entführte israelische Soldat Gilad Shalit freigelassen wird. Indem sie Shalit festhalte, verstoße die im Gazastreifen herrschende Hamas-Organisation gegen das Verbot grausamer und unmenschlicher Behandlung von Gefangenen, hieß es in dem Bericht. Seine Gefangenschaft ohne Kontakt zur Außenwelt könnte mit Folter gleichgesetzt werden. (APA/dpa)

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