Mit "Social Business" gegen Armut angehen

13. Mai 2010, 11:15
14 Postings

Erste Group stellt zehn Mio. Kreditrahmen zur Verfügung - "Zweite Sparkasse" expandiert in CEE-Länder

Wien - Aufbauend auf der vom Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus in seiner Heimat Bangladesch erfolgreich umgesetzten Idee des "Social Business" will die Erste Group in ihren Kernmärkten in Zentral- und Osteuropa einen Beitrag dazu leisten, die Armut zu bekämpfen. Mit der "Social Business Tour 2010", die in Wien und Bratislava ihren Ausgang nimmt und in den kommenden Monaten auch in Prag, Belgrad, Budapest und Bukarest Station machen wird, soll das Vorhaben einer breiten Öffentlichkeit bekanntgemacht werden.

Erste-Chef Andreas Treichl kündigte als Vertreter gleicher dreier Mitveranstalter - Erste Stiftung, Erste Group und deren Social-Banking-Tochter good.bee - bei einer Gala am Mittwochabend anlässlich des Tour-Starts an, das Modell der "Zweite Sparkasse" auf alle Länder auszuweiten, in denen die Erste Group präsent ist. Die Erste Group werde außerdem einen Kreditrahmen von 10 Mio. Euro für soziale Unternehmer in der Region zur Verfügung stellen, sogenanntes "Social Enterprise Financing", das von good.bee betreut wird.

Social Business nicht unterschätzen

"Man könnte denken, dass 10 Mio. Euro nicht viel ist, aber ein 10.000-Euro-Kredit z.B. in Rumänien ist ein Haufen Geld, mit dem man sehr viel bewegen kann", sagte Treichl. Man dürfe Social Business nicht unterschätzen, nur weil es nicht in erster Linie profitorientiert sei, sagte Treichl. "Social Business ist sehr kompliziert und erfordert Expertenwissen." Nur weil es sozial sei, sei es nicht einfacher, sondern sogar noch anspruchsvoller als das rein kommerzielle Business. "Das Brillante an der Idee ist, dass sich die Sache nach einiger Zeit selbst trägt." Er sehe aber auch die Gefahr, dass es von der Politik oder Wirtschaft zu Marketing-Zwecken missbraucht werden könnte.

Für die Zweite Sparkasse, die 2006 auf Initiative und mit Mitteln der Erste Stiftung gegründet wurde - mit dem Ziel "banking the unbanked" - sieht Treichl einen großen Bedarf in Zentral- und Osteuropa. Sogar in der EU gebe es 15 Millionen Menschen, die keinen Zugang zu Bankdienstleistungen haben.

Muhammad Yunus als Schirmherr

Muhammad Yunus sieht als Schirmherr der Tour zwei Möglichkeiten, wie es nach der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise weitergehen könnte: Man könne entweder darauf warten, wann es zur nächsten großen Krise komme - oder das System neu gestalten, damit sich solche Krisen nicht wiederholen. Dazu müsse man das kapitalistische System um Social Businesses erweitern. Solche Unternehmen sind laut Definition von Yunus nicht gewinn- sondern problemorientiert, müssen sich aber finanziell und wirtschaftlich selbst tragen können. Investoren erhalten nur ihre ursprünglichen Investitionen zurückgezahlt, aber keine Dividenden - Gewinne bleiben im Unternehmen und werden reinvestiert. Ein Social Business muss ökologisch sein und entlohnt seine Mitarbeiter gemäß Marktniveau, aber beschäftigt sie unter besseren Arbeitsbedingungen.

Auch Sozialminister Rudolf Hundstorfer (S) hat die Idee aufgegriffen: Seit Anfang Mai vergibt sein Ministerium Mikrokredite für Kleinstunternehmensgründungen. Das Ziel: Bis 2014 sollen in Österreich durch Mikrokredite 250 Kleinunternehmen gegründet und 560 neue Arbeitsplätze geschaffen werden.

Die "Social Business Tour 2010" ist eine Initiative von Erste Stiftung, Erste Group, deren gemeinsamen Joint Venture good.bee, dem österreichischen Sozialministerium sowie The Grameen Creative Lab. Nach Wien und Bratislava führt die Tour Anfang Juli nach Budapest, Ende September ist sie in Belgrad, Anfang Oktober in Prag und am 28. und 29. Oktober in Bukarest. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus ist Schirmherr der "Social Business Tour 2010".

Share if you care.