Wissenschaftsministerin für "Faculty"-Modell an Unis

13. Mai 2010, 10:38
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Karl: Kuriensystem "passt nicht mehr" - Tagung im Herbst

Wien - Für die Entwicklung eines (etwa im angloamerikanischen Raum üblichen) "Faculty"-Modells für die österreichischen Universitäten spricht sich Wissenschaftsministerin Beatrix Karl aus. Das derzeitige Kuriensystem mit der Einteilung der Lehrenden in Professoren und Mittelbau "passt heute nicht mehr", so Karl Mittwochabend bei einer Veranstaltung des Klubs der Bildungs- und Wissenschaftsjournalisten. Im Herbst soll es dazu eine große Tagung mit Gästen aus dem Ausland und Vertretern aller universitärer Gruppen geben.

Derzeit hätten viele Lehrende zu wenige Partizipationsmöglichkeiten und seien von Informationen abgeschnitten, meinte Karl. Dies solle in einer "Faculty österreichischer Prägung" anders werden. Wie diese konkret aussehen und welche Lehrende ihr angehören sollen, müsse nun geklärt werden. In den USA sind etwa praktisch alle Uni-Lehrer Faculty-Angehörige und haben weitgehend die gleichen Rechte.

Den Unis legte Karl nahe, mehr Personalentwicklung zu betreiben. Unter anderem müsse geklärt werden, wie die Relation zwischen Laufbahnstellen und fluktuierenden Stellen - etwa für Postdocs - aussehen solle. Den Hochschulen gestand sie dabei zu, in einer Übergangsphase zu sein: Einerseits seien viele Lehrende noch im alten Beamten-Dienstrecht, andererseits gebe es parallel dazu schon Angestellte im neuen System. Das sei "natürlich keine glückliche Situation".

Karl für Einheit von Forschung uhnd Lehre

Der Idee, Professoren nur für die Lehre einzustellen, steht Karl skeptisch gegenüber. "Wir brauchen die Einheit von Forschung und Lehre" - das mache schließlich eine Universität aus. Ohne Forschungsmöglichkeiten gebe es keine Karrierechancen. Gerade bei Frauen müsse man außerdem aufpassen, dass sie nicht mit Lehre und Verwaltungsaufgaben "zugeschüttet" werden und damit die Chance zur Forschung und in Folge zur Uni-Karriere verlieren.

Bei der von Karl vor kurzem angedeuteten Möglichkeit einer österreichischen Variante der "affirmative action", also der aktiven Förderung von Minderheiten, kann sich die Ministerin etwa Erleichterungen beim Uni-Zugang für Angehörige bildungsferner Schichten vorstellen. Denkbar wären etwa Punktzuschläge bei Aufnahmeverfahren oder die Reservierung einer bestimmten Anzahl an Plätzen.

Den Hochschul-Dialog will Karl mit einem Endbericht sowie einer Abschlussveranstaltung am 30. Juni mit den Wissenschaftssprechern aller Parteien sowie Unterrichtsministerin Claudia Schmied beenden. Die ausgestiegenen Rektoren könnten "jederzeit" zurückkehren. Jeder, der vom Tisch aufstehe, vergebe sich der Chance mitzudiskutieren. Und: Auch andere universitäre Gruppen müssten sich bei den Veranstaltungen des Dialogs einfügen und die Meinungen anderer anhören: "Das ist auch den Rektoren zuzumuten." (APA)

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