Karl: Kuriensystem "passt nicht mehr" - Tagung im Herbst
Wien - Für die Entwicklung eines (etwa im angloamerikanischen Raum
üblichen) "Faculty"-Modells für die österreichischen Universitäten spricht sich
Wissenschaftsministerin Beatrix Karl aus. Das derzeitige Kuriensystem mit
der Einteilung der Lehrenden in Professoren und Mittelbau "passt heute nicht
mehr", so Karl Mittwochabend bei einer Veranstaltung des Klubs der Bildungs- und
Wissenschaftsjournalisten. Im Herbst soll es dazu eine große Tagung mit Gästen
aus dem Ausland und Vertretern aller universitärer Gruppen geben.
Derzeit hätten viele Lehrende zu wenige Partizipationsmöglichkeiten und seien
von Informationen abgeschnitten, meinte Karl. Dies solle in einer "Faculty
österreichischer Prägung" anders werden. Wie diese konkret aussehen und welche
Lehrende ihr angehören sollen, müsse nun geklärt werden. In den USA sind etwa
praktisch alle Uni-Lehrer Faculty-Angehörige und haben weitgehend die gleichen
Rechte.
Den Unis legte Karl nahe, mehr Personalentwicklung zu betreiben. Unter
anderem müsse geklärt werden, wie die Relation zwischen Laufbahnstellen und
fluktuierenden Stellen - etwa für Postdocs - aussehen solle. Den Hochschulen
gestand sie dabei zu, in einer Übergangsphase zu sein: Einerseits seien viele
Lehrende noch im alten Beamten-Dienstrecht, andererseits gebe es parallel dazu
schon Angestellte im neuen System. Das sei "natürlich keine glückliche
Situation".
Karl für Einheit von Forschung uhnd Lehre
Der Idee, Professoren nur für die Lehre einzustellen, steht Karl skeptisch
gegenüber. "Wir brauchen die Einheit von Forschung und Lehre" - das mache
schließlich eine Universität aus. Ohne Forschungsmöglichkeiten gebe es keine
Karrierechancen. Gerade bei Frauen müsse man außerdem aufpassen, dass sie nicht
mit Lehre und Verwaltungsaufgaben "zugeschüttet" werden und damit die Chance zur
Forschung und in Folge zur Uni-Karriere verlieren.
Bei der von Karl vor kurzem angedeuteten Möglichkeit einer österreichischen
Variante der "affirmative action", also der aktiven Förderung von Minderheiten,
kann sich die Ministerin etwa Erleichterungen beim Uni-Zugang für Angehörige
bildungsferner Schichten vorstellen. Denkbar wären etwa Punktzuschläge bei
Aufnahmeverfahren oder die Reservierung einer bestimmten Anzahl an Plätzen.
Den Hochschul-Dialog will Karl mit einem Endbericht sowie einer
Abschlussveranstaltung am 30. Juni mit den Wissenschaftssprechern aller Parteien
sowie Unterrichtsministerin Claudia Schmied beenden. Die ausgestiegenen
Rektoren könnten "jederzeit" zurückkehren. Jeder, der vom Tisch aufstehe, vergebe
sich der Chance mitzudiskutieren. Und: Auch andere universitäre Gruppen müssten
sich bei den Veranstaltungen des Dialogs einfügen und die Meinungen anderer
anhören: "Das ist auch den Rektoren zuzumuten." (APA)