Cannes-Regisseure für Roman Polanski

13. Mai 2010, 20:34
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Marina Zenovich kündigt Fortsetzung ihrer Doku an

Paris - Rund ein Dutzend Filmemacher haben zum Beginn des Festivals in Cannes eine Petition für ihren Kollegen Roman Polanski veröffentlicht, dem die Auslieferung von der Schweiz in die USA droht. Es sei "unmöglich", jemanden wegen ein- und desselben Verbrechens zweimal zu verurteilen, schrieben Regisseure wie der chilenische Dokumentarfilmer Patricio Guzman, der rumänische Filmemacher Cristi Puiu und der französische Altmeister Jean-Luc Godard in der Solidaritätsbekundung. Das Auslieferungsgesuch der Vereinigten Staaten gründe "auf einer Lüge".

Polanski hatte vergangene Woche nach monatelangem Schweigen eine (auch an dieser Stelle veröffentlichte) Erklärung abgegeben und darauf hingewiesen, dass er die mit der US-Staatsanwaltschaft vereinbarte Strafe seinerzeit abgesessen habe. Am Montag hat nun ein Richter in Los Angeles den von seinen Anwälten eingebrachten Antrag abgelehnt, die umstrittenen Aussagen eines früheren Staatsanwalts publik zu machen. Nach Ansicht von Polanskis Anwälten hätte deren Veröffentlichung bewiesen, dass das Auslieferungsbegehren der US-Justiz auf falschen und unvollständigen Informationen beruht. Die Schweizer Behörden, die über eine Auslieferung des Star-Regisseurs entscheiden müssen, seien nicht im Besitz der für eine Beurteilung notwendigen Akten. Dies der sah US-Richter anders: "Die Schweizer Behörden haben die Informationen, die sie brauchen".

Der 76-jährige Oscar-Preisträger war Ende September auf der Grundlage eines internationalen Haftbefehls in der Schweiz, wo er ein Haus besitzt, festgenommen worden und befindet sich, nach einem Haftaufenthalt, seit Anfang Dezember unter Hausarrest. Die US-Justiz will den polnischstämmigen Filmemacher für Sex mit einer unter Drogen gesetzten Minderjährigen in den 70er Jahren belangen. Dafür hatte Polanski seinerzeit 42 Tage in Haft gesessen, dann wurde er aufgrund des Justiz-Deals auf freien Fuß gesetzt und setzte sich knapp vor der offiziellen Verkündigung des Strafmaßes nach Europa ab. Gemäß dem offiziellen Auslieferungsersuchen der USA drohen Polanski bis zu zwei Jahre Gefängnis.

In der Causa hatte der französische Außenminister Bernard Kouchner vergangenen Donnerstag die Schweiz zum Handeln aufgefordert. Es sei an der Schweiz, die Auslieferung des französischen Staatsbürgers an die USA zu verhindern, sagte Kouchner dem Radio "RTL". Die eigene Diplomatie habe trotz wiederholten Interventionen keinen Erfolg gehabt: "Wir haben seit langem versucht, unseren amerikanischen Kollegen klar zu machen, dass Roman Polanski für uns nicht irgendwer ist und dass wir bestürzt sind". Frankreichs Kulturminister Frederic Mitterrand, wegen eines früheren Eintretens für Polanski unter innen- wie außenpolitischen Beschuss geraten, sagte nun am Mittwoch im Nachrichtensender i-Tele defensiv, er habe die Petition nicht unterschrieben, weil er sich als Minister zurückzuhalten habe. Er sorge sich aber um die Gesundheit Polanskis.

Doku-Fortsetzung bereits in Arbeit

Die US-Dokufilmerin Marina Zenovich lässt ihrem Filmporträt über Roman Polanski ein Sequel folgen. Es wird sich auf den Vorwurf der Vergewaltigung einer Minderjährigen konzentrieren, dessentwegen der französisch-polnische Regisseur in Gstaad unter Hausarrest steht. Sie habe mit der Arbeit an der Fortsetzung schon begonnen, bevor Polanski vergangenen September in der Schweiz festgesetzt wurde, sagt die Regisseurin. Die völlig unerwartete Verhaftung habe ihrer Arbeit aber einen ganz neuen Dreh gegeben.

Marina Zenovichs Film "Roman Polanski: Wanted and Desired" dreht sich um juristische Ungereimtheiten und den Medienhype rund um einen Vorfall im Jahr 1977, als Polanski Sex mit einer 13-Jährigen hatte. Selbst wenn dieser, wie Polanski behauptet, einverständlich gewesen sein sollte, gilt das unter US-Recht als Vergewaltigung. Der Film war am Sundance Festival und in Cannes 2008 mit großem Erfolg gezeigt worden. Roman Polanski steht seit fünf Monaten in seinem Ferienhaus in Gstaad unter Hausarrest. Er zeige Zeichen von schwerer Depression, teilten am Mittwoch die beiden französischen Komponisten Michaël Levinas und François-Bernard Mâche den Medien mit; eine schnelle Entlassung sei unbedingt angezeigt. (APA/sda)

 

Nachlese:
"Der Richter hat mich hintergangen"
"Ich kann nicht länger schweigen: Es gibt keinen Grund für eine Auslieferung an die USA" - Ein 'Kommentar der anderen' von Roman Polanski

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