Wellenkraftwerke könnten näher an die Küste rücken

13. Mai 2010, 17:25
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Britischer Experte stellt genauere Kalkulation der potenziellen Energieausbeute an

Belfast/Edinburgh - Seit Jahren gehen Konstrukteure von Wellenkraftwerken davon aus, dass die größte Wellenenergie in der Zone zwischen zwei und zehn Kilometer vor der Küste zu finden ist. Nun hat Matthew Folley von der Queens University in Belfast entdeckt, dass die Wellenenergie zwischen 500 Meter und zwei Kilometer vor der Küste nicht wesentlich niedriger liegt: "Offshore-Wellen haben eine nutzbare Leistungsdichte von 18,5 Kilowatt pro Meter Breite, verglichen mit rund 16,5 Kilowatt von küstennahen Wellen", so Folley, der als Senior-Forscher am Environmental Engineering Research Centre tätig ist.

Ein kleines Minus, das aber durch die geringeren Kosten für Betrieb und Instandhaltung der Anlagen ausgewogen werden könnte. Folley verweist darauf, dass die verwertbare Energie von Offshore-Wellen in bisherigen Berechnungen überschätzt worden sei: Hoher Wellengang bei schwerer See werde üblicherweise in die Kalkulation miteinbezogen - bei zu hohem Wellengang schalten Wellenkraftwerke aber automatisch in einen Selbstschutzmodus um. Außerdem kommen im tieferen Wasser die Wellenbewegungen aus allen möglichen Richtungen, was wiederum die Ausrichtung der Turbinen schwierig mache.

Umorientierung denkbar

"Die Berechnungen von Folley sind tatsächlich überzeugend", meint Ian Bryden, Professor für Technical Engineering an der Edinburgh University. Konkret gehe es um die Frage, ob Wellenkraftwerke in 50 oder in zehn Metern Wassertiefe mehr Energieausbeute bringen. "Es ist natürlich klar, dass durch das Brechen der Wellen der Energieoutput geringer wird", meint der Experte. "Was aber tatsächlich erstaunlich ist, ist die Tatsache, dass die Differenz zwischen den Wellen bei 50 Metern Wassertiefe und jenen bei zehn Metern Tiefe weit geringer ist, als bisher angenommen", so Bryden. "Viele Entwickler haben sich jedoch in der Zwischenzeit auf Offshore-Anlagen eingeschworen und werden ihre Pläne wohl kaum ändern."

Einige der neuen Designs sind allerdings so ausgerichtet, dass sie direkt an der Küstenlinie appliziert werden. Ein wesentlicher Unterschied liege auch in der Nutzbarkeit der Wellenenergie generell: Während bei den Offshore-Wellen die größte Energie in der Auf- und Abbewegung des Wassers liegt, liegt bei den Wellen in Küstennähe die größte Energie in der Vor- und Rückwärtsbewegung des Wassers. (pte/red)

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    Wenn Wellen brechen, hat man den Zeitpunkt verpasst - doch kann man sie offenbar länger kommen lassen als bisher gedacht.

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