Userfrage

Sägen am Stuhl der föderalen Landesfürsten

14. Mai 2010, 17:06
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    foto: apa / herbert pfarrhofer

    Die Landeshauptleute haben in Österreichs Politik traditionell viel Macht.

Sollte man die Bundesländer abschaffen? - derStandard.at hat nachgefragt

„Wozu brauchen wir Bundesländer?", erkundigt sich User OttotheBusdriver und auch Advaita0 fragt: „Warum brauchen wir in jedem Bundesland einen Apparat wie den Staat, wenn Bayern seine 9 Millionen Einwohner mit weit weniger Aufwand als wir hier versorgt?" derStandard.at hat nachgefragt.

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„Man braucht die Bundesländer nicht", so Heinz Mayer, Verfassungsjurist und Dekan der rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien. Die Landtage in den Bundesländern hätten nur wenig Gesetzgebungskompetenzen und oftmals nicht viel zu tun, im internationalen Vergleich würden sie nur sehr wenige Menschen vertreten. „Das Problem ist, sie können vieles verhindern, aber wenig gestalten." Die Landeshauptleute gelten in Österreich als sehr einflussreich. „In der SPÖ dominieren die starken Landeshauptleute die Partei und nicht der Bundeskanzler, und in der ÖVP genauso", so der Verfassungsrechtler.

Schlankere Verwaltung - weniger Geld?

In der Föderalismusdebatte sei die Frage vor allem, wie man staatliche Kompetenzen verteilt und ob es mit einem Gesetzgebungsorgan im Staat auch funktionieren könnte. Durch eine Abschaffung der Bundesländer könne sich Österreich viel Geld ersparen, "weil wir eine wesentlich schlankere Verwaltung hätten", so Mayer.

Dem widerspricht Ferdinand Karlhofer, Leiter des Instituts für Politikwissenschaft an der Uni Innsbruck. "Es gibt keinen Hinweis, dass der Zentralstaat günstiger ist als ein Föderalstaat." Dies sehe man an Beispielen wie Frankreich, einem straff zentral organisierten Staat. Hier müsse man ebenso Verwaltungsstrukturen aufrechterhalten wie in Föderalstaaten. Studien aus der Schweiz zeigten ebenso, dass das Einsparungspotenzial nicht besonders groß ist. Außerdem sei in Österreich die Bindung an das Land, die Identität groß. "Man fühlt sich als Tiroler, als Oberösterreicher oder als Wiener."

Reformbedarf bei Zuständigkeiten

"Am Ende ist die Frage nicht Föderalismus Ja oder Nein, sondern wo Reformbedarf ist," so Karlhofer. Und dieser ist jedenfalls gegeben, darin sind sich beide Experten einig. Beim derzeitigen föderalistischen System Österreichs mit seinen neun Bundesländern seien Zuständigkeiten und Parallelstrukturen das Problem. So kommt es in Bereichen wie der Schulpolitik, im Arbeitnehmerschutz oder im Gesundheitsbereich oft zu Überschneidungen, nicht nur zwischen Bundesländern, sondern auch zwischen Ländern und Bund. Das führt dann dazu, dass bei der Umsetzung einer Europarichtlinie in Österreich manchmal zehn Gesetze erlassen werden müssen, erklärt Heinz Mayer: "Zuerst ein Bundesgesetz und dann neun Landesgesetze."

Als Fälle, wo es zu Spannungen zwischen einzelnen Ländern kam, gelten der Bau des Koralmtunnels oder des Semmeringbasistunnels. Verwirrend auch die unterschiedliche Gesetzgebung in Bereichen wie dem Tier- oder Jugendschutz. So dürfen 14-Jährige in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland bis ein Uhr früh fortgehen, in der benachbarten Steiermark nur bis 23 Uhr. 

Abschaffung nur mit Volksabstimmung

Dass eine Abschaffung der Bundesländer äußerst unwahrscheinlich ist, darin sind die Experten gleicher Meinung. Notwendig wäre dafür eine Verfassungsänderung, die der Nationalrat beschließen müsste. Neben der Zustimmung des Bundesrats müsste man außerdem eine Volksabstimmung durchführen. Kaum vorstellbar, dass sich die Länder und ihre Landeshauptleute hier nicht querlegen würden. 

Auch wenn der Vorschlag die Bundesländer ganz abzuschaffen, in Österreich quasi zwangsläufig Empörung hervorruft, gab es in der Vergangenheit nicht wenige Vorstöße in Richtung einer Modifikation des Föderalismus.  Der einstige steirische VP-Landesrat Gerhard Hirschmann sorgte 1997 für Aufregung, als er die Einrichtung von drei österreichischen Großregionen vorschlug. Versuche einer Bundesstaatsreform gibt es seit den frühen 1980er Jahren. Auch heute ist die Verwaltungsreform in aller Munde.

Föderalismus durch Machtvakuum

Entstanden ist das föderale System Österreichs nach Zerfall der Monarchie. In der Bildung der Republik wurden einstige Kronländer zu Bundesländern, da es bereits damals maßgebliche Kräfte in den Ländern gab, so Heinz Mayer. "Nach Zerfall der Monarchie gab es ein Machtvakuum in Österreich, und in das sind die Länder massiv eingefallen." Später kam der Konflikt zwischen Sozialdemokraten und Christlichsozialen dazu. Letztere dominierten in den 1920er Jahren in den Bundesländern. Das Zentrum der roten Macht sah man in Wien, "dem wollte man etwas Christlichsoziales entgegenstellen", so Mayer. (ask/derStandard.at, 17.05.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 264
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MagnaMater
00
29.9.2010, 16:38

Hmmm, ich frag mich schon länger...
Umgekehrt gehts nicht? Länder mit mehr kompetenzen behalten und die zentrale hauptverwaltung gleich an die übergeordnete instanz EU abgeben, von wegen Europa der Regionen? zahlen müssma die leut dort sowieso schon.

Fraho
00
Zum EURO-Beitritt brauchte man keine Volksabstimmung

....aber zur großen Verwaltungsreform, das wäre die Abschaffung des Bundesrates und der 9 Landeskaiser mit dem ganzen Hofstaat dazu, müßte das Volk befragt werden.
Das große Problem dabei ist, dass so eine Volksabstimmung nicht von einer Bewegung oder Gruppe eingeleitet werden könnte, sondern NUR von einer Partei. Darum wirds wohl keine Änderung der Verfassung geben, denn selbst schaffen sich die Parteien nicht ab.
Aber seit wir in der EU sind ist eine wesentliche Instanz dazu gekommen, am anderen Ende wurde aber nichts verändert.
Soll mir doch einer erklären wozu das Land die Lehrer verwalten will und der Bund zahlen.
Soll mir einer erklären wozu in OÖ andere Gesetze und Verordnungen gelten sollen als ein Nachbarbundesland schon hat.

der_kleine_pariser
 
00
jaja, zentralismus kommt billiger weil'sw eniger beamte gibt.

Frankreich (zentralistsich) 20% der arbeitenden bevölkerung sind im öffentlichen dienst

österreich (föderalistisch) 12% der arbeitenden Bevölkerung sind im öffentlichen dienst.

nach 6 jahren in frankreich bin ich endgültig Föderalismusfan geworden. zentralismus ist ein Horror.

Blauer Dunst!
00
27.7.2010, 16:51
Na servas so ein Blödsinn!

Ah da soll Wien alles checken, da braucht es aber auch den Sinn dafür und die kenntnis der Menschen in den Bundesländern!
Die kennen doch nicht einmal die eigenen Bürger zB. in Wien!
Hier wird immer nach Zahlen abgerechnet bei den Finanzministern, ohne auf die Bedürfnisse eingehen zu wollen und können!
Wie wollen die in Wien entscheiden was alles möglich wäre und wo man die Wirtschaft ankurbeln könnte zB. in Vorarlberg wo manche nicht einmal noch dort waren?
Seit es Foren gibt wird immer nur Unsinn verzapft, besonders von rechten Jugendlichen zwar, aber so eine Meinung kann sich jeder behalten, wie sie oft zu lesen ist!
Alles furchtbarster Käse!
PS: In einer ganz großen Tageszeitung noch viel mehr und die glauben noch sie entscheiden was!

Denk Nach
10
26.6.2010, 07:57
mit Web 2.0 könnte es möglich sein

mit der Wahl der "richtigen" Partei werden wir den Föderalismus leider nicht abschaffen, da sich logischerweise (logisch nur für die Parteien, nicht für die Bürger) jede der Großparteien wegen der eigenen Landesregierungen sträubt.
Durch einen Aufruf zur Volksabstimmung, bzw. Mobilisierung der Massen im Internet sehe ich die einzige Möglichkeit etwas zu erreichen.
Also, auf gehts !

Baer8
11
20.5.2010, 19:16
Zuerst gehören die Landesregierungen eingespart und danach jedem Politiker der zusätzlich noch auswandert eine Prämie gewährt.

murx
00
21.5.2010, 02:13

aber so bleibt wenigsten jeder dort, wo er hingehört - das hat den eklatanten vorteil, dass man immer mit dem finger zeigen kann.

. Ductus
03
19.5.2010, 21:45
In NÖ leistet sich der ORF auf Kosten der zwangsbeglückten Seher zwei

zwei Teams die nur dazu abgestellt sind das segensreiche "Wirken" der beiden Breitscheitel Pröll & Sobotka den Zusehern aufs Auge zu drücken!


Zum Erbrechen sag ich euch!

Blauer Dunst!
00
27.7.2010, 16:53
Stimmt zwar aber er hat auch viel geleistet!

Das würde sich schlagartig ändern bei einer anderen Partei!

der_kleine_pariser
 
01
der hat SICH viel geleistet, wollten's schreiben.

Niederösterreich ist fast so bankrott wie Kärnten, der öffentliche verkehr hat niveau eines Entwicklungslandes, weite Gegenden veröden nach wie vor (trotz ende des eisernene vorhangs)...

Niederösterreich rittert mit Kärnten um die rote Laterne, die eigentlich schwarz-blau blinkt. Und Niederösterreich ist nur deshalb nicht eindeutig letzter, weil das Land von Wien profitiert.

urbi47
02
19.5.2010, 18:25
Abschaffen bzw. Zusammenlegen

JA !! In Deutschland gibt es größere Bundesländer mit
weit geringeren Verwaltungsaufwand !

. Ductus
04
19.5.2010, 17:27
Tirol und Vorarlberg zusammenlegen

Wien, Niederösterreich, Steiermark und Burgenland
dann Salzburg und OÖ auch.

Und schon gibt viele freie Beamte!

Ach ja, Kärnten fehlt noch - die verkaufen wir für 10ct Flaschenpfand pro Einwohner an Slowenien!

derfalke
30
20.5.2010, 10:25
"Tirol und Vorarlberg zusammenlegen "

Das hatte 1938 schon Hitler versucht und ist damit gescheitert.

Lernen's Geschichte, bevor Sie so einen Unsinn vorschlagen!

wolf_vienna
01
18.5.2010, 13:56
Herr Karlhofer

"Es gibt keinen Hinweis, dass der Zentralstaat günstiger ist als ein Föderalstaat."

So einen Blödsinn habe ich selten gelesen!
Jeder halbwegs Vernünftige wird erkennen, dass bei Abschaffung von 9 Landesstrukturen und deren Verwaltung und deren Politiker und tw. auch des Personals, die Zentralverwaltung nur mehr einen Bruchteil der heutigen Kosten ausmacht.
Und Sie können auch nicht die gewachsenen Strukturen der Schweiz oder von Frankreich hernehmen, wenn es in Ö zu einer Verwaltungsreform käme, denn dahinter liegt der Grundgedanke der Einsparung.
Eine Bindung an das Bundesland hat kaum jemand, wenn überhaupt, dann an den Staat.

der_kleine_pariser
 
10

also, ich empfinde mich sehrwohl als salzburger und als österreicher (zu gleichen teilen sozusagen).

und die Kleine zeitung schreibt immer : Flugzeugabsturz in XY : kein steirer unter den toten.

und bisch' a tiroler biasch' a mensch, bisch ka tiroler bisch'...

so ziemlich jeder hat eine Beziehung zu seinem bundesland, ausser Sie vielleicht.

Fraho
00
@der kleien Pariser

Ja wenn man genug Kohle hat und nicht an allen Ecken sparen muß, dann soll man alles behalten.
Aber es gibt keinen vernünftigen Grund die 9 Landeskaiser mit dem ganzen Hofstaat durchzufüttern, weil man das alles nicht braucht.
Trotzdem kann ich mich als Tiroler oder Wiener fühlen.

der_kleine_pariser
 
00
11.9.2010, 00:56

seit ich im zentralistischen frankreich lebe, bin ich endgültig föderalismusfan geworden!

in frankreich sidn die gemeinden so schwach, dass es nichteinmal eine öffentliche wasserversorgung gibt, das private wasser ist so schlecht adss man speiben muss. öffentlicher stadtverkehr? vergleichen's einmal den stadverkehr von leoben und chartres (sind etwa gleich gross). vergleichen's den ^ffentlichen verkehr am land in österreich und in frankreich! ausser ein paar Paris-orientierte TGV-Linien gibt's praktisch këinen eisenbahnverkehr mehr.

und die verwaltung? in österreich sidn 12% der arbeitenden bevölkerung beamte, in frankreich 20%.

Zentralismus ist sauteuer und ineffizient!

Fraho
00
11.9.2010, 05:40
Zentralismus und Privatisierung

....das ist ein großer Unterschied. Du schreibst deine Beispiele nur über die Folgen der Privatisierung, die Schüssels Team so vorangetrieben hat. (Post, Bahn, Austria-Tabak, Bank Austria etc.)
Gerade auch wir sind am besten Weg dorthin - hat man doch ach bei uns die bahn privatisiert und auch beim Wasser ist man schon dabei.
ABER das heißt doch nicht, dass wir gerade den einzelnen Ländern dazu die Macht geben sollen ob privatisiert wird oder nicht. Da ist doch gerade Kärnten ein Beispiel dass alle Bürger blechen, wenn ein Größenwahnsinniger Populismus betreibt.

der_kleine_pariser
 
00
12.9.2010, 10:10

die wurden nicht privatisiert, die waren immer privat.

weil eine frz. gemeinde hat nichteinmal die Hälfte des budgets einer österreichischen oder deutschen Gemeinde. darum sind kommunale einrichtungen, die in Ö selbstverständlich sind, für frz. gemeinden simpel unleistbar und wurden von Anfang an rein privat errichtet. das reicht ja ins 19. Jh zurück.

und der öffentliche Regionalverkehr oder die Stadtverkehre sind katastrophal, aus genau dem grund, weil paris das ganze geld auffrisst.

bittersalz
82
17.5.2010, 10:53
Der Wasserkopf der Nation soll uns verwalten?

Nie und nimmer!
Schon bemerkt, dass wir Kärntner den 10. Oktober feierlicher begehen, als den 26.?
Das hat Gründe!!!

Knochenmann
00
19.5.2010, 13:25

Ich feier ja besonders den 11. Oktober als "Tag der Befreiung". Da gibt's ein gegrilltes Schwein und ein Feuerwerk!

net-diver
 
00
18.5.2010, 13:39
Welche?

c_pes
 
11
18.5.2010, 13:11
ja, es war ein historischer fehler:

ungarn verlieren und kärnten behalten.

silent_trust
 
02
18.5.2010, 06:16

Husch husch - ab in die "Unabhängigkeit", wenn ihr glaubt das alleine stemmen zu können.

Die juristischen Attacken der BLB könnts eh alleine durchstehen - die 3 Mrd. zahlt's ja aus dem Portokasserl.

Ahja - und mit den 19 Mrd., die aus den Hypohaftungen drohen, habt's ja sicher auch kein Problem.

Noch ein kleiner Hinweis: Gestern ist bekannt geworden, das die Kärtner LR Kredite aufnehmen muss, um die laufenden Kosten abdecken zu können (z.b. die Gehälter der Landesangestellten).

Meldet's euch nur ab, aus dem Bund - aber Geld aus dem Finanzausgleich gibt's auch keines mehr.




derfalke
52
17.5.2010, 18:01
Kärnten und Tirol sind heilige Länder, die von den Bewohnern selbst verteidigt werden.

Auf das rote Wien könnten wir jederzeit verzichten.

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