Beruhigungsmittel hält Schiffsrümpfe sauber ... und macht Fische bleich

13. Mai 2010, 12:01
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Medetomidin als Alternative zu verbotenem TBT untersucht

Göteborg - Seit 2008 ist Tributylzinnhydrid (TBT) als Zusatz zu Schiffsanstrichen verboten. Seit damals sind Forscher weltweit auf der Suche nach anderen Stoffen, die das sogenannte "Fouling", also das Festsetzen von Muscheln oder Krebsen auf der Schiffshülle, verhindern sollen. Eine gute Alternative schien Medetomidin zu sein, das unter anderem in der Veterinärmedizin als Sedativum verwendet wird. Auch diese Alternative hat aber ihre Nebenwirkungen, wie eine schwedische Forscherin herausfand.

"Im Rahmen der großen Forschungsarbeit zum Thema marine Schiffsanstriche, war ich mit der Frage beschäftigt, ob diese Substanz in irgendeiner Form negative Auswirkungen auf die Umwelt insbesondere auf die Fische hat", so Studienleiterin Anna Lennquist vom Department für Zoologie der Universität Göteborg. Dabei konnte Lennquist feststellen, dass erhöhte Medetomidin-Konzentrationen im Wasser zu Pigmentveränderungen bei verschiedenen Fischarten führen.

Kleinere Veränderungen

"Die Pigmentzellen wurden auch nicht bei langer Exposition mit der Chemikalie geschädigt oder zerstört", so die Forscherin. "Allerdings wurde die Sensitivität leicht verändert und die Fische wurden bleicher." Das sei zwar nicht lebensbedrohlich, doch ist die Funktionalität der Fischpigmente zum UV-Schutz, aber auch zur Tarnung vor Fressfeinden und zur Kommunikation wird dadurch verändert.

Leichte Veränderungen konnte die Forscherin auch im detoxifizierenden Enzym in der Fischleber feststellen. "Zudem waren die Fische, die dem Medetomidin ausgesetzt waren, weniger aktiv und hatten weniger Appetit", so die Forscherin. Außerdem konnte man Veränderungen im Blutzucker und bei Größe der Leber feststellen.

Voraus gedacht

Bisher gibt es keinen Schiffsanstrich, der Medetomidin beinhaltet", erklärt Lennquist. Das bedeute, dass für einen zukünftigen Hersteller solcher Lacke das Gebot gelte, den Gehalt der Substanz so zu regulieren, dass möglichst wenig an die aquatische Umwelt abgegeben wird und dass die Abbaurate so geregelt ist, dass nur geringere Mengen freigesetzt werden.

"Zur gleichen Zeit haben wir festgestellt, dass die Substanz auf wichtige Funktionen wie etwa Wachstum, oxidativen Stress, Zelltoxizität und genetische Expression keine negativen Auswirkungen hat", erklärt Lennquist. Im Prinzip sei also darauf zu achten, dass die Medetomidin-Konzentration in der Umwelt unter einem bestimmten Grenzwert bleibt. Medetomidin wird derzeit auch im Rahmen der EU-Biozid-Produkt-Direktive als aktiver Bestandteil eines solchen Anstrichs untersucht. (pte/red)

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