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Frischlinge und alte Hasen

12. Mai 2010, 16:27
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Für diese sechs Personen war 2009 ein aufregendes Jahr. Sie sind im Betrieb um-, auf- oder eingestiegen und erzählen von ihren (neuen) Aufgaben und Erfahrungen bei den Bundesforsten

Aufgezeichnet wurde das Ganze von Markus Böhm, fotografiert von René van Bakel.

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Alexandra Wieshaider (Leiterin Biosphärenpark-Team im Forstbetrieb Wienerwald)

Mein Wechsel in diese leitende Position hat für Medienrummel gesorgt, weil der Frauenanteil in der Forstwirtschaft nach wie vor recht gering ist. Mir geht es aber um die Inhalte meiner Arbeit. Nach einer kurzen Zwischenstation bei Joanneum Research bin ich zu den Bundesforsten gewechselt und war für die waldbauliche Planung zuständig. 2000 habe ich die Administration der Walddatenbank übernommen. 2004 habe ich das Servicefeld Forschung und Entwicklung mit aufgebaut - das es in dieser Form vorher nicht gab. Auch im Biosphärenpark werden Forschungsprojekte abgewickelt, zum Beispiel zur Haselmaus. Das lässt sich wunderbar mit Bildungsarbeit kombinieren: Wir haben Kinder und Jugendliche bei Waldführungen dazu gebracht, Haselnüsse zu sammeln, die über die Verbreitung der Haselmaus Aufschluss geben können. Da die Haselmaus ein sehr scheues Tier ist, weiß man recht wenig über ihr Vorkommen im Wienerwald. Sie schaut zwar wie eine Maus aus, ist aber keine, sondern ein "Bilch". Im Gegensatz zu meinem bisherigen Job steht die Arbeit mit Menschen jetzt stärker im Vordergrund - mit Gemeinden, regionalen Interessensvertretungen, Forschungs und Bildungspartnern. Das gilt auch für den Kontakt zu den Revierleitern, die bei der Umsetzung von Projekten ganz wichtig sind. Überhaupt treffen sich rund um den Wienerwald unterschiedlichste, auch konkurrierende Interessen - man denke nur an Mountainbiker, Jäger, Spaziergänger, Forstarbeiter und Erholungssuchende.

Andreas Gruber (Leiter Forstbetrieb Traun-Innviertel in Ebensee) 

Ich bin seit 1998 bei den ÖBf. Bereits in den Sommerferien, während des Forstwirschaft-Studiums, habe ich immer bei den Bundesforsten gearbeitet und war dort viel unterwegs. Das war, wenn ich so zurückdenke, die schönste Zeit. Nach dem Abschluss bin ich direkt bei den ÖBf gelandet, vom Ferialjob nahtlos in den Beruf. Während dieser Ferialpraktikanten-Zeit bin ich mit vielen Menschen bei den Bundesforsten in Kontakt gekommen und habe bemerkt, wie vielseitig dieser Job ist. Es kommt keine Routine auf. Das hat mir immer getaugt und es gibt einen gewissen Grad an Action. Manchmal muss man Dinge auch sehr rasch entscheiden, 2008 zum Beispiel als Leiter des Krisenteams nach den Windwürfen. Was jetzt dazugekommen ist, sind die Seen, das ist ein ganz großes Thema, denn jetzt stehe ich mehr in der Öffentlichkeit als vorher - Stichwort Seentarife, vom Traun- bis zum Attersee. Leider bin ich auch sehr viel im Büro, aber ein Tag in der Woche ist "Reviertag", da bin ich draußen und treffe mich mit Revierleitern, selbst das ist allerdings schon schwer einzuhalten. 

Andreas Mach (Forstfacharbeiter im Forstrevier Münichreith)

Die Waldarbeit hat mich immer fasziniert, aber sie wurde mir anfangs ausgeredet: Das ist nichts, in den Wald gehen nur die Holz-knechte, hat es geheißen, also habe ich Maurer und Zimmerer gelernt. Sechs Jahre habe ich diesen Beruf ausgeübt, danach war ich Haustechniker an einer Schule. In Abendkursen habe ich mich zum Forstfacharbeiter an der Forst- und Landwirtschaftlichen Schule ausbilden lassen. Heuer geht's mit dem Forstwirtschaftsmeister weiter. Dieser Kurs dauert drei Jahre und findet am Abend statt. So ein Abendkurs neben der Arbeit ist anstrengend - am Samstag gibt's noch Praxisein heiten und Lernen sowieso. Aber das schadet nicht. Den Jagdkurs habe ich schon letztes Jahr gemacht. Am Tag im Wald, in der Nacht im Wald. Meine Hauptaufgabe ist zur Zeit die Aufarbeitung der Schäden im Revier, die der Sturm "Kyrill" angerichtet hat. Meine Lebensaufgabe wird sein, das alles wieder herzustellen, sprich aufzuforsten. Hinzukommt die Borkenkäferbekämpfung, das heißt, wir müssen natürlich Fallen aufstellen. Der Schädlingsbefall ist auch eine Folge von "Kyrill". Es gibt genug zu tun.

Gerald Oitzinger (Leiter des Nationalparkbetriebs Donau-Auen)

Hier in den Donau-Auen haben wir rund eine Million Besucher im Jahr. Diese Besucherströme so zu lenken, dass einerseits die Natur Natur sein kann, aber andererseits die Besucher auch die Wildnis im Nationalpark erleben können, ist eine ganz besondere Aufgabe. Eine weitere Herausforderung, der wir uns zukünftig stellen müssen, ist der richtige Umgang mit sich stark ausbreitenden, gebietsfremden Pflanzen. Diese so genannten Neophythen können heimische Baumarten verdrängen und so den Auwaldcharakter dauerhaft verändern. Es gilt auch, Bereiche in Nationalpark zu schaffen, in denen sich die Natur unbeeinflusst vom Menschen frei entwickeln kann. Das Tolle in diesem neuen Job ist neben den sehr vielfältigen Aufgaben im Nationalpark auch die Möglichkeit, sich mit der touristischen Weiterentwicklung unseres Schlosses Eckartsau samt angrenzendem Landschaftsgarten zu beschäftigen. Besondere Freude aber bereitet mir die Zusammenarbeit mit meinem 19-köpfigen Team. Es hat mich im September 2009 sehr herzlich aufgenommen und unterstützt mich bei der Erreichung der Ziele tatkräftig. Als gebürtiger Kärntner hätte ich mir nie gedacht, dass ich jemals im flachen Marchfeld landen würde, so ganz ohne Berge. Das war anfangs eine ziemliche Umstellung, aber man kann dafür wunderschöne Sonnenuntergänge erleben. Und an die vielen Gelsen werde ich mich sicher auch noch gewöhnen. 

Michaela Peer (Leiterin Forstrevier Frein)

Seit dem 16. November 2009 bin ich hier und die erste Revierleiterin bei den Bundesforsten. Der Beruf ist für mich wirklich Berufung. Es war schon fast ein innerer Drang. Damals 1982 hat es nicht viele Möglichkeiten gegeben: entweder im Gymnasium bleiben und den naturwissenschaftlichen Zweig machen oder die Forstschule. Dann hieß es, in der Forstschule werden keine Mädchen aufgenommen. Das war dann doch nicht so. So bin ich vollkommen unbedarft und grün hinter den Ohren in die Forstschule gekommen, die ich innerhalb von fünf Jahren absolviert habe. Danach kam ein zweijähriges Praktikum, damit ich zur Prüfung für den Revierförsterdienst antreten konnte und von da an war der Weg vorgezeichnet. Manche sehen mich als Pionierin. Ich selbst tu mir damit eher schwer, ich liebe diesen Beruf einfach. Heute sind an der Forst-schule in Bruck sicher mehr Mädchen als zu meiner Zeit. Als Revierleiterin habe ich ein sehr breites Aufgabengebiet - Waldwirtschaft, Jagd, Naturschutz. Keiner dieser Bereiche kann ohne den anderen, es ist alles miteinander verbunden. So gesehen ist es eine sehr vielseitige und vielfältige Aufgabe und man hat Verant wor tung gegenüber nachfolgenden Generationen, die Maßnahmen, die wir jetzt setzen, werden ja wirklich erst in ein paar Jahrzehnten sichtbar sein - was ein ganz faszinierender Aspekt meiner Arbeit ist.

Thomas Kostenzer (Forstfacharbeiterlehrling bei der Forsttechnik St. Johann)

Wenn ich mich in meinem Freundeskreis umschau', stelle ich fest, dass ich der Einzige "Naturbursch" bin. Weil ich der einzige bin, der mit Wald, Holz, Natur beruflich zu tun hat. Ich bin jetzt im dritten Lehrjahr, vorher bin ich drei Jahre auf die Landwirtschaftsschule gegangen, zwei Jahre habe ich daraus für die jetzige Lehre angerechnet bekommen. Ich interessiere mich weniger für die Land-und mehr für die Forstwirtschaft - was aber nicht heißt, dass das nicht einmal anders werden kann. Meine Eltern haben eine Landwirtschaft und auch Wald - ich bin also damit aufgewachsen. Mein Vater ist auch Holzarbeiter. Früher bin ich manchmal mit ihm mitgegangen, das hat mir gefallen. Außerdem arbeitet ein Cousin bei den Bundesforsten, den hab ich gefragt, ob sie jemanden brauchen - und so kam die ganze Sache ins Rollen. Was soll ich sagen? Mir taugt's. Wobei mir das Seilen mit der Anlage am besten gefällt. Es ist eine moderne Anlage, und die Arbeit damit ist sehr interessant. Die Berufschule hingegen, naja, das ist viel trockenes Zeug dabei. Vor allem: ich bin sonst die meiste Zeit draußen und in der Schule muss man drinnen sitzen. Ich habe zunächst vor, den Forstfacharbeiter zu machen und dann schau' ich wie es weitergeht, ob ich das Zeug zum Meister hab'.

  • Alexandra Wieshaider.
    foto: rene van bakel

    Alexandra Wieshaider.

  • Andreas Gruber.
    foto: rene van bakel

    Andreas Gruber.

  • Thomas Kostenzer.
    foto: rene van bakel

    Thomas Kostenzer.

  • Andreas Mach.
    foto: rene van bakel

    Andreas Mach.

  • Gerald Oitzinger.
    foto: rene van bakel

    Gerald Oitzinger.

  • Michaela Peer.
    foto: rene van bakel

    Michaela Peer.

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