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12. Mai 2010, 16:10
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Ursprünglich, manchmal wild

Schön wäre das mit so einem richtigen, aber richtigen Naturburschen, sagt sie. Man könne ihn zum Beispiel hinausschicken in den Wald, sagt sie. Und sich mit ein bisschen Fantasie vorstellen, dass er wohl in der Lage wäre, etwas zu erlegen, heimzubringen und sogar noch zu grillen. Weil Feuer machen, sagt sie, muss er sowieso können, seit seiner Pfadererzeit. Er wäre, so wie sie ihn sich vorstellt, sehnig bis muskulös, federnden Schrittes, so gar nicht zivilisationsverzärtelt, auch durchaus in der Lage, Schutz zu bieten vor Ungemach aller Art. Wenn's überhaupt so weit kommt. Weil, sagt sie, er wittert es ja schon lange vorher, das Ungemach. Und er kann, einer ihrer schönsten Gedanken, zuhören. Er ist ja geschult darin, den Stimmen der Natur zu lauschen und zu schweigen.

Und duften tut er, sie riecht es förmlich, ursprünglich, ja doch, manchmal sogar ein wenig wild, aber wenigstens nicht so, wie all die Anderen riechen, einheitlich mehr oder weniger wohl, keinesfalls natürlich. Und, sie traut es sich kaum zu formulieren, Lust hätte er, immerzu Lust. Und ja, Humor, von der spröderen Sorte halt, aber lustig dann und wann. Und, überhaupt das Beste von allem an so einem, wenn's doch einmal zu anstrengend wird, dann könnte sie sich vorstellen, dass er nicht mehr heimkommt, weil's ihn erwischt hat draußen. Ein bisschen Fantasie braucht man halt mit so einem Typen, sagt sie.

(Sigi Lützow)

Gnadenloser Egoismus

Nicht alle Naturfreunde ereilt ein so tragisches Schicksal wie jenes von Chris McCandless. Als „Alex Supertramp" suchte er die Wildnis im Westen der USA und später in Alaska und kehrte nie mehr heim. Als er genug hatte von Abenteuer, Einsamkeit und Aussteigen, versperrte ihm der ansteigende Fluss den Weg zurück in die Zivilisation. Nicht alle sahen darin im Nachhinein den Heldentod, Ranger bezeichneten den 1992 in einem ausrangierten Wohnmobil verhungerten Aussteiger schlicht als dumm und schlecht vorbereitet. Dennoch ist McCandless'Geschichte ein Lehrstück: Dafür, dass man alles übertreiben kann. Sich der Natur zu verschreiben bedeutet meistens auch gnadenlosen Egoismus, und das bezieht sich auch, doch nicht ausschließlich auf Körpergeruch. Naturfreaks verwechseln
nur allzu gern Freiheit mit Sau-rauslassen-Dürfen.

Die Logik dahinter ist männlich: Geht der Mann auf den Berg, fühlt er sich stark, unbesiegbar, eh klar. So sehr, dass in diesem selbstverliebten Bildnis zivilisatorische Errungenschaften keinen Platz haben dürfen und geflissentlich ignoriert werden. Aber Hauptsache, der Rucksack ist nicht zu schwer. Die Frau an seiner Seite? Darf mit, wenn sie schnell genug ist. Was die Freiheiten des Körperlichen betrifft, darauf soll hier gar nicht näher eingegangen werden: Schon mal im Matratzenlager übernachtet?

(Doris Priesching)

  • Artikelbild
    foto: öbf
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