Spitäler vernetzen sich bei Krebsdiagnostik

12. Mai 2010, 15:47
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Neues Onkologiekonzept sieht virtuelle Tumorboards vor - Videokonferenzen mit Spezialisten

Eisenstadt - Bei der Diagnose und Therapie von Krebserkrankungen wollen Burgenlands Spitäler künftig verstärkt kooperieren. Ein neues Onkologiekonzept sieht die Einrichtung sogenannter virtueller Tumorboards vor. Dabei halten Fachabteilungen mehrerer Spitäler gemeinsame Videokonferenzen ab, in denen das Krankheitsbild von Tumorpatienten besprochen und die Therapie festgelegt wird. Mit Hilfe des Konzepts soll auch im onkologischen Bereich das Prinzip der medizinischen Versorgung möglichst nahe am Wohnort umgesetzt werden.

Pro Jahr sehen sich etwa 1.400 Burgenländer mit einer Krebsdiagnose konfrontiert, so Gesundheitslandesrat Peter Rezar bei der Präsentation in Eisenstadt. Die hochsensible Diagnostik könne oft nur mehr von Schwerpunktabteilungen erledigt werden. Zu den Vorgaben im Österreichischen Strukturplan Gesundheit (ÖSG) zähle deshalb auch die Einrichtung von Tumorboards.

Im Burgenland sind im Rahmen der KRAGES (Burgenländische Krankenanstalten GesmbH) zwei Verbünde geplant: In den Spitälern Oberpullendorf, Oberwart und Güssing ist das System der Tumorboards bereits im Einsatz. Die Krankenhäuser in Eisenstadt und Kittsee sollen im Herbst folgen.

Bündelung an Fachwissen

Im Tumorboard sind unterschiedliche Fachbereiche wie Chirurgie, Gynäkologie, Onkologie und Radiologie sowie Pathologie gebündelt, erläuterte KRAGES-Projektleiterin Karin Eglau. Für die Mediziner bestehe die Möglichkeit, sich per Videokonferenz häuserübergreifend auszutauschen und sich auf eine Therapie zu einigen. Alle getroffenen Entscheidungen würden dokumentiert. Per Bildschirmmonitor können auch Untersuchungsergebnisse dargestellt werden.

Das Projekt ermögliche eine Bündelung an personellen Ressourcen und an Know How, erläuterte Felix Stockenhuber vom Krankenhaus Oberpullendorf. In Zukunft werde man mit insgesamt fünf oder sechs Onkologen arbeiten können wie eine große onkologische Abteilung. Dann sei auch eine weitergehende Spezialisierung möglich.

Im Dezember 2003 wurde im Krankenhaus Oberwart die erste Onkologie- und Palliativstation des Burgenlandes eröffnet. Im Vorjahr wurden bereits 1.700 Patienten versorgt, berichtete Primar Heinrich Kiss. Seit 2003 wurden in Oberwart 8.400 Chemotherapien verabreicht. Die Kosten für die Behandlungen stiegen von 250.000 Euro im Jahr 2004 auf über 800.000 Euro 2009.

Alle Daten werden in einem Tumorregister aufgenommen, so KRAGES-Geschäftsführer Hannes Frech. Man versuche, dieses vom Burgenland ausgehend für Österreich zu implementieren. Beim Aufbau des Tumorregisters will man mit der Gesundheit Österreich Gmbh und mit der Stadt Wien sowie mit Spitälern in Graz und Niederösterreich zusammenarbeiten. (APA)

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